AfD-Funktionäre mit Rechtsradikalen zusammen bei Facebook?

Foto: Collage
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Im Tagesspiegel erschien gestern ein Artikel über eine große, geschlossene Facebook-Gruppe mit etwa 30.000 Mitgliedern. Es handelt sich um die Gruppe „Die Patrioten“, in welcher der Autor dieses Artikels selbst Mitglied ist. Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

Zunächst einmal muß ich vorausschicken, daß ich die Bezeichnung „Rechtsradikaler“ ausnahmsweise einmal übernehme, obwohl ich der Ansicht bin, daß man den politischen Begriff „rechts“ nicht für Braunlinksradikale verwenden sollte. Mit „rechts“ wird seit Jahrzehnten Mißbrauch durch die Rotlinken betrieben, um eine politische Distanz zu ihren braunlinken Brüdern im Ungeiste zu suggerieren, einer Distanz, die es in einer begrifflichen Maximalausdehnung wie der zwischen „links“ und „rechts“ nicht gibt. Sowohl Rotlinke als auch Braunlinke sind Sozialisten. Der „Rechte“ wurde noch bis in die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mit den Nazis in Verbindung gebracht, sondern mit dem bürgerlichen Konservatismus. Die FDP beispielsweise verortete sich damals selbst noch auf der rechten Seite des Parteienspektrums, was sie heute natürlich meilenweit von sich weisen würde. „Rechts“ im heutigen Sprachgebrauch ist ein strategischer Begriff der Rotlinken, die aus demselben Grund, aus dem sie von „Rechten“ sprechen, wenn sie Braunlinke meinen, auch von „Nazis“ sprechen, wenn sie „Nationalsozialisten“ verwenden müssten. In „Nazi“ verschwindet der Wortbestandteil „Sozialist“. Nebenbei schlagen sie damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie distanzieren sich unaufrichtig weit von ihren braunlinken Brüdern im Ungeiste und diskreditieren gleichzeitig die bürgerlich Konservativen, die es nicht zuletzt deswegen schwerer hatten als je zuvor, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Die mediale Diskurshohheit liegt, auch wenn sie bröckelt, nach wie vor bei den Rotlinken. Das aber nur vorausgeschickt.

Der Tagesspiegel versucht also die Skandalisierung des Umstandes, daß sich etwa 50 AfD-Funktionäre in einer großen, geschlossenen Facebook-Gruppe von 30.000 Mitgliedern aufhalten, zum Teil dort Beiträge posten oder kommentieren, obwohl sich dort auch Braunlinke aufhalten. Abgesehen davon, daß diese Braunlinken fälschlicherweise „Rechtsextreme“ genannt werden, stimmt die Darstellung des Sachverhalts so weit. Die Frage ist aber, ob es ehrlich und aufrichtig ist, diesen Sachverhalt zu skandalisieren. Es gibt nun einmal Braunlinke in Deutschland und es käme wohl niemand auf die Idee, deswegen zu fordern, der Anständige solle auswandern. Es geht also um das beliebte Gesellschaftsspiel „Distanzieren Sie sich!“. Einfache Spielregel: Wer sich nicht distanziert, hat verloren. Der Kluge spielt einfach nicht mit.

Daß es in der Gruppe „Die Patrioten“ auch Braunlinke gibt, ist eine Tatsache, die weder dem Administratorenteam dort, noch mir selbst gefällt. Es gibt die klare Anweisung an die Gruppenmitglieder, keine nationalsozialistische Propaganda zu betreiben, keine Hitlerbilder zu posten und dergleichen mehr. Dennoch kommt es vor und üblicherweise werden solche posts oder solche Bilder dann auch entfernt. Daß das nicht in der rigorosen Unverzüglichkeit geschieht, in der Rotlinke das gerne hätten, liegt einzig und allein daran, daß man in der Gruppe erstens die rotlinke Hysterie in Bezug auf braunlinks nicht teilt – wohlwissend, warum nicht – und daß es zweitens nicht ganz einfach ist, eine sehr aktive Gruppe von 30.000 Mitgliedern rund um die Uhr lückenlos zu beobachten, wenn man als Administrator auch noch einen Beruf hat und ab und zu einmal schlafen muß.

Überdies ist nicht jeder, der sich in dieser Gruppe aufhält, der Gruppe auch selbst beigetreten. Bei Facebook kann man ganz ohne eigenes Zutun irgendwelchen Gruppen hinzugefügt werden, beispielsweise durch Freunde aus der eigenen Freundesliste. Es dürfte nicht wenige geben, die nicht einmal mitbekommen haben, daß sie Mitglied bei „Die Patrioten“ geworden sind.

Alles in allem ist diese Gruppe aber schon deswegen nicht schlecht, weil durch die große Zahl ihrer Mitglieder immer wieder Meldungen an die Öffentlichkeit kommen, die vom Medien-Mainstream systematisch verschwiegen werden. Insofern ist diese Gruppe natürlich ein Stachel im Fleische derer, die ihre Diskurshoheit gerne behaupten würden. Genau da dürfte auch das Motiv des Tagesspiegels liegen, sich überhaupt mit dieser Gruppe zu befassen. Die wenigen tatsächlichen Braunlinken, die es dort gibt, sollen als Instrument zur Diffamierung der ganzen Gruppe herhalten – und die so diffamierte Gruppe wiederum zur Diffamierung derjenigen AfD-Funktionäre, die sich ebenfalls dort aufhalten.

In anderen Zusammenhängen würde man sich beim Tagesspiegel wohl anders verhalten. Jede Wette, daß eine geschlossene FB-Gruppe, in der sich Rotlinksextremisten tummeln, welche sich ansonsten etwa bei indymedia/linksunten oder G-20-Gipfeln zuhause fühlen, kaum die Kritik erfahren würde, welche der Tagesspiegel hier der Gruppe „Die Patrioten“ angedeihen läßt. Da wäre man beim Tagesspiegel deutlich „toleranter“.

Verlinkt hatte auf den Artikel über „Die Patrioten und die AfD-Funktionäre bei Facebook“ beim Tagesspiegel übrigens „Der Freitag“ des berüchtigten Jakob Augstein. Dort bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Insofern bräuchte man auf den Artikel gar nichts zu geben, wüsste man nicht, welche Auswirkungen er haben kann. In der Sache gibt es nichts Lächerlicheres, als notorische Rotlinke, die sich trotz ihrer langen Ahnengalerie verbrecherischer Säulenheiliger darüber echauffieren, daß sich unter einer Menge bürgerlich Konservativer auch ein paar Braunlinke tummeln. Ihre Motivation liegt klar auf der Hand: es geht darum, jede mediale Opposition – egal welcher Couleur – gegen die rotlinke Diskurshoheit aus dem Wege zu räumen. Regelrecht panisch bis fanatisch ist man bei den Rotlinken dabei geworden, seit die rotlinke Diskurshoheit in ihrer ganzen verkommenen Pracht bedenklich bröckelt. Sie wird weiter bröckeln und letztlich gar zerbröseln. Das linke Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu. Und von diesem Ende werden Braunlinke und Rotlinke gleichermassen betroffen sein. Die linke Sicht auf die Gegenwart ist nicht zuletzt deswegen obsolet geworden, weil sie sich bereits während des letzten Jahrhunderts sehr schmerzlich unter Hinterlassung millionenhoher Leichenberge entpuppt hat, als das, was sie ist: zutiefst unmenschlich.

Ich selbst werde der Gruppe „Die Patrioten“ auch dann gewogen bleiben, wenn sich dort eine Handvoll Braunlinker aufhält. Weil ich tolerant bin. Es gibt eben Braunlinke und ich habe noch nie einen Marktplatz deswegen fluchtartig verlassen, weil dort welche aufgetaucht sind. Ich mag sie deswegen nicht, weil ich generell keine Linken ausstehen kann. Aber wo, so frage ich, könnte man in Deutschland noch hingehen, nachdem man sein Haus verlassen hat, ohne überall auf irgendwelche Linken zu stossen? Selbst im Kloster wäre man nicht vor ihnen sicher. Es gibt in der Gruppe „Die Patrioten“ weit überwiegend bürgerlich Konservative. Deshalb sehe auch weder für irgendeinen AfD-Funktionär noch für mich selbst die Notwendigkeit, diese Gruppe zu verlassen.

Abschließend darf man natürlich nicht vergessen, zu erwähnen, daß gerade die historisch inkorrekte Abgrenzung der Rotlinken von den Braunlinken durch die Verwendung des Begriffs „rechts“ für alles, was nicht explizit rotlinks ist, maßgeblich dazu beigetragen hat, daß sich Konservative und Braunlinke in den Räumen treffen, die ihnen von den Rotlinken nicht abgenommen werden konnten. Es handelt sich sozusagen um eine aus der Not geborene Zwangsgemeinschaft, die sich weder Konservative noch Braunlinke selbst ausgesucht haben. In Publikationen wie dem rotlinken „Der Freitag“ bekommt niemand eine Stimme, der nicht ausdrücklich rotlinks tickt. Kein traditioneller Katholik, kein Konservativer und kein Braunlinker. Insofern ist der Artikel über die AfD-Funktionäre in der FB-Gruppe „Die Patrioten“ wieder nur das Übliche: Krokodilstränen in ihrer ganzen Scheinheiligkeit.

Es ist Gruppen wie „Die Patrioten“ zu verdanken, daß eines nicht allzu fernen Tages dem rotlinken Medienmainstream diese Scheinheiligkeit um die Ohren fliegen wird, daß man dort glaubt, man hätte seine Redaktionsräume auf dem Mount St. Helens oder dem Krakatau gebaut. Der Tag, an dem diese Bande  – im übertragenen Sinne – geteert und gefedert aus dem Lande gejagt wird, wird der Jubeltag meines Lebens sein. Ich bedanke mich schon einmal im voraus bei den Rotlinken für die Teilnahme an diesem Jahrhundertereignis. Ich wusste immer, daß sie mich eines Tages noch amüsieren würden.

 

 

 

 

 

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