Der Kommentar: Zentralrat der Juden fordert Pflichtbesuche von KZ-Gedenkstätten

Auch immer wieder ein Besuch wert: Von K. Weisser - Selbst fotografiert, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12313104
Auch immer wieder ein Besuch wert: Von K. Weisser - Selbst fotografiert, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12313104

Der Kommentar im Anschluß an diese Meldung.

Berlin – Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert, dass alle Schüler der höheren Schulklassen eine KZ-Gedenkstätte besuchen müssen. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte dem MDR-Magazin „Exakt“, dass bei solch einem Pflichtbesuch an authentischen Orten das historische Geschehen begreifbarer wird als in Büchern oder Filmen: „Ich halte solche Besuche auch für Schüler mit Migrationshintergrund, also deren Vorfahren nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatten, für sinnvoll. In der Gedenkstätte wird sichtbar, wohin die Diskriminierung und Verfolgung einer Minderheit im Extremfall führen kann.“

Auch Rolf Isaacsohn, der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Leipzig, ist für Pflichtbesuche. Der Holocaust-Überlebende, der als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde, sagte MDR-„Exakt“: „Es ist wichtig, dass das heute weitergeführt wird, dass die Schulklassen, wie es zu schon zu DDR-Zeiten war, alle nach Buchenwald mussten. Freiwillig haben ja manche Scheu davor, das zu sehen oder zu erleben.“

Im Bildungssystem der DDR waren Besuche von KZ-Gedenkstätten verpflichtend für jeden Schüler – meistens im Rahmen der Jugendweihe. Heute gibt es diese Pflichtbesuche kaum noch. Lediglich in Bayern steht für nahezu alle Schüler der Besuch einer KZ-Gedenkstätte im Rahmen einer Schulexkursion auf dem Lehrplan.

Das ergab eine „Exakt“-Umfrage unter allen 16 Kultusministerien der Bundesländer. Thüringens Minister für Jugend, Bildung und Sport, Helmut Holter (Linke), positioniert sich gegen einen im Lehrplan verordneten Gedenkstätten-Besuch. Zwang sei das falsche pädagogische Mittel, sagte er dem MDR-Magazin: „Das ist für mich eine andere Herangehensweise. `Ach, jetzt müssen wir dahin, jetzt müssen wir uns das auch antun.` Ich halte den Weg der Freiwilligkeit für den richtigen.“

Auch die Gedenkstätte Buchenwald lehnt die Verankerung eines KZ-Besuchs im Lehrplan ab. Der Sprecher der Gedenkstätte, Philipp Neumann-Thein, teilte dem MDR-Magazin schriftlich mit: „Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen zeigen, dass bei freiwilligen Gedenkstättenbesuchen die Eigenmotivation der Besucher deutlich höher ist, sich intensiv und nachhaltig mit Buchenwald und seiner Geschichte auseinanderzusetzen.“ (dts)

Kommentar:

Die Lehren, die deutsche Schüler aus diesen vorgeschlagenen Pflichtbesuchen in KZ-Gedenkstätten ziehen sollen, sind unnütz, solange die Forderung nach diesen Pflichtbesuchen nicht komplettiert wird. Wer tatsächlich getragen wäre von dem Wunsch, eine Sensibilisierung für die Ungeheuerlichkeit des Massenmordes als solchem zu erreichen, kann sich bei einer solchen Forderung unmöglich noch länger allein auf die Gräueltaten der Nazis beschränken. Wer es dennoch tut, hat Motive, die mit der Zeit immer deutlicher in ihrer ganzen Unredlichkeit hervortreten. Es kann heutzutage nicht mehr darum gehen, künftigen Generationen einzureden, sie als Deutsche hätten exclusiv eine besondere Verantwortung aus ihrer Geschichte.

Zum einen deswegen nicht, weil junge Deutsche heutzutage bei jeder Gelegenheit eingetrichtert bekommen, daß sie gar nicht mehr in erster Linie Deutsche seien, sondern irgendwelche „die Menschen“, zum anderen deswegen nicht, weil junge Deutsche heute am Massenmord ihrer Vorfahren in keiner Weise irgendwie anders beteiligt wären, als junge Russen oder junge Chinesen an den Gräueltaten ihrer Vorfahren. Man kann außerdem nicht mit aller Macht den „bösen Nationalismus in den Köpfen“ ausradieren wollen – und andererseits dafür plädieren, einen negativen Supernationalismus exclusiv für deutsches Schuldbewußtsein zu perpetuieren, ohne dabei die kollektive Schizophrenie zu fördern.

Wir leben im Jahre 2017. Das Dritte Reich ist seit 72 Jahren Geschichte. Allerdings ist der Massenmord nicht seit 72 Jahren Geschichte, sondern er findet heute noch statt. In Deutschland allerdings nicht. Die Penetranz, mit welcher der Zentralrat der Juden fortlaufend das gräßliche Schicksal der Juden während des Dritten Reiches in den Vordergrund schiebt, ist ein Schlag ins Gesicht aller anderen Opfer von Massenmord, die es gegeben hat und immer noch gibt. Und wieder: Heute nicht in Deutschland.

Mir wäre deutlich wohler, hätte ich vom Zentralrat der Juden in der Vergangenheit –  gern unter Bezugnahme auf die Zustände in Nordkorea oder die Christenverfolgungen in der islamischen Welt – auch nur einmal eine Äußerung vernommen, die vor staatstragender Besorgnis so getrieft hätte, wie es im Fall des Dritten Reiches jedesmal der Fall ist. Es gibt Länder in Europa, Frankreich etwa, wo Jude zu sein und das öffentlich zu zeigen, inzwischen wieder lebensgefährlich geworden ist. Höre ich vom Zentralrat der Juden etwas dazu? Höre ich etwas zu den Christenverfolgungen in der islamischen Welt? Ein Piepsen höre ich.

Je mehr Zeit verstreicht, desto offensichtlicher wird, was den Zentralrat der Juden tatsächlich treibt: Die Perpetuierung deutschen Schuldbewußtseins den Juden gegenüber. Kann er knicken. Da mache ich nicht mehr mit. Ich habe mich lange genug damit beschäftigt, obwohl ich erst fünfzehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Welt gekommen bin. Ich habe alles gelesen, was es dazu gibt. Es reicht jetzt.

Ich halte den Zentralrat der Juden in Deutschland schon länger für eine bigotte Ansammlung von Selbstgerechten, die das Anliegen, das sie eigentlich haben sollten, nämlich, jüdisches Leben in Deutschland selbstverständlich sein zu lassen, zum höchst jetztzeitigen, eigenen Wohl und Frommen an die Wand fahren. Meinereiner hat kein Problem mit Juden. Mit dem Zentralrat der Juden bekomme ich aber allmählich eines. Dieser Zentralrat ist zutiefst unglaubwürdig.

Unvergessen sind die Äußerungen von Charlotte Knobloch zur AfD. Das muß man sich einmal geben: Diese Frau hetzte gegen diejenigen, die in der deutschen Parteienlandschaft am eindrücklichsten vor der Gefahr einer massenhaften Einwanderung ausgewiesener Judenfeinde warnen. Das tat sie zu einer Zeit, zu der in Paris Juden schon wieder gemobbt, verprügelt und ermordet wurden – von Moslems. Mit Blödheit ist das nicht zu entschuldigen, weil so blöd einfach niemand sein kann, der es bis zum Vorsitzenden des Zentralrates bringt. Da steckt ein Kalkül dahinter, das jeder ehrlichen Trauer um die Opfer der Nazis Hohn spricht!

Wenn es darum gehen soll, künftige Generationen für die absolute Unmöglichkeit des Massenmordes zu sensibilisieren, dann reichen Besuche von KZ-Gedenkstätten nicht. Dann wird außerdem zu reden sein über Kommunismus und Sozialismus, über Stalin, Mao, PolPot, Südafrika und den Nordkoreaner. Dann kann das eine ehrliche Sache werden, die vielleicht Früchte trägt. Anders geht es nicht. .

Deshalb, Zentralrat: Mach´dich endlich ehrlich oder halt´endlich deinen impertinenten Mund. Es gibt ja auch wohlschmeckende jüdische Gerichte. Über jüdische Kochrezepte ließe sich doch ebenfalls im hohen Ton der exclusivgepachteten Moral reden, oder nicht? Und stelle er sich vor, der Zentralrat: So weit ist meinereiner bei der Vergangenheitsbewältigung bereits fortgeschritten, daß er noch nicht einmal mehr Juden erlaubt, ihm ihre unehrlich als staatstragend vorgebrachte Besorgnis in die Gehörgänge zu schmieren. Es reicht. Absolut. (ME)