Der JouWatch-Buchtipp: Über den Tellerrand geblickt – „Stahl“ und „Rote“

Dieser Tage jährte sich ein entscheidendes Ereignis zum einhundertsten Mal, der 7. November war der Jahrestag der sog. „Oktoberrevolution“. Sie ist nach dem Oktober benannt, weil der russische Kalender damals noch anders verlief als unserer. Jedenfalls war diese Revolution schrecklich, mächtig und umfassend zugleich.

Keine Revolution der Menschheitsgeschichte hat die Weltpolitik so verändert. Keine Millionen begeisterter Menschen ohne sie, kein GULAG ohne sie, keine Massenvertreibungen ohne sie, kein Zweiter Weltkrieg ohne sie, kein Kalter Krieg ohne sie. Und vermutlich auch kein endgültiger Sieg des „Kapitalismus“ ohne die langfristigen Folgen der Oktoberrevolution.

Dieses Ereignis vor hundert Jahren ist also zentral für europäische und globale Geschichte. Wer sich auskennen möchte, kommt nicht daran vorbei, die Triebkräfte und Mechanismen, die Sehnsüchte und Hoffnungen zu untersuchen, die für eine solche fundamentale Zäsur sorgten. Das geht am besten anhand Belletristik, wie so oft. Zwei Romane verdienen es, in diesen Tagen unbedingt gelesen zu werden. Zum einen ist da Carl Aderholds Bravourstück „Die Roten“.

Quer durch das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht diese faszinierende Familiengeschichte, die eine ebenso schmerzhafte wie notwendige Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte und dem endgültigen Scheitern linker Ideale ist. Wer skeptisch ist: Ellen Kositzas Videobesprechung (siehe oben) macht klar, wieso vor allem auch Nichtlinke an diesem Buch nicht vorbeikommen. Obwohl die Devise gilt: Red is bad!

Ein anderer Roman, dessen Lektüre eben eine solche von dutzenden Sachbuch-Wälzer zur Oktoberrevolution ersetzt, ist altbekannt: „Wie der Stahl gehärtet wurde“ erzählt die autobiographische Geschichte des Autors Nikolai Ostrowski. Sein Charakter im Roman heißt Pawel Kortschagin. Er begegnete im Osten Europas, auch in der DDR, Millionen junger Menschen als Pflichtlektüre.

Einzelne mögen entgegnen: Aber das ist doch kommunistische Propaganda! Und das stimmt auch. Aber: Wer den Feind nicht kennt, kann nicht gewinnen. Wer verstehen will, wie linke Kräfte junge Menschen verblenden und in den Kampf treiben, muss das Buch lesen, muss das Buch verstehen. Dass dieser Roman dann auch unabhängig von seiner Ideologie großartige Weltliteratur ist, steht auf einem weiteren Blatt.

Hinzu kommt: Der Roman bleibt nicht unkommentiert. Ein Mitarbeiter von Götz Kubitschek hat ein im besten Sinne konservatives, kritisches Vorwort geschrieben, wo er den Autor vorstellt und die Bedeutung dieser sowjetischen Propaganda fachkundig analysiert und Vergleiche zur Gegenwart herstellt. Prädikat: Aufklärungsarbeit vom Feinsten!

Wer in jeder Hinsicht am Ball bleiben will und den zwingend nötigen Blick über den Tellerrand wagt, kommt an beiden Romanen nicht vorbei. Also: Zugreifen!

Bestellinformationen:

» Carl Aderhold – „Die Roten“ (24 €)
» Nikolai Ostrowski – „Wie der Stahl gehärtet wurde“ (16 €)

 

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