Grüne & Politik: Treibhaus oder Tollhaus?

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Trinkt gegen den Klimakummer: Toni Hofreiter (Foto: Jouwatch)

Meinereiner hofft ja, daß es keine Jamaika-Koalition geben wird, sondern daß stattdessen Neuwahlen stattfinden. Die Grünen stünden freilich auch dann noch mit auf dem Stimmzettel und würden ungefähr 10 Prozent einfahren.

Von Max Erdinger

Daß es die Sondierungsgespräche für Koalitionsverhandlungen noch bis zum 16. November geben wird, ist ein deutlicher Hinweis darauf, daß deutsche Politik nicht unter der CO2-Glocke des Treibhauses stattfindet, sondern im Tollhaus. In diesem Tollhaus gedeihen Grüne, die tatsächlich in der Lage sind, eine Jamaika-Koalition deswegen platzen zu lassen, weil sich die anderen Koalitionäre nicht auf ihre CO2-Manie einlassen wollen. Unverhandelbar für Grüne sind: Klimaschutz, Klimaziele, Menschheit retten, Planeten retten usw.usf. – und alles das sollen die anderen Koalitionäre in spe mittragen, wenn es eine Schwampel geben soll.

Das ist ungefähr so, als würden die Grünen eine Koalition davon abhängig machen, daß die anderen ihrer Forderung zustimmen, die Nachrichten der Tagesschau künftig von Handpuppen verlesen zu lassen, die keinem bestimmten Geschlecht zuzuordnen sind, weil das am antidiskriminierendsten sei. Grüne verlangen ernsthaft, daß sich die anderen an der Umdefinierung des Wahns zur Realität beteiligen. Weder ist es möglich, „das Klima zu retten“, noch wäre es nötig, wenn es möglich wäre. CO2 ist kein Treibhausgas, sondern es wäre eines, wenn es in größerer Konzentration in der Atmosphöre vorkäme. Kommt es aber nicht. Die Erdatmosphäre besteht zu 0,04 Prozent (!) aus CO2, davon wiederum ein vernachlässigenswert kleiner Teil menschengemacht. Das ist Pipifax. Zudem legen Forschungen beispielsweise der Alfred-Wegener-Gesellschaft nahe, daß es in der Erdgeschichte Phasen der Klimaerwärmung gegeben haben muß, die mit der Menschheit allein deswegen schon nichts zu tun haben können, weil es in diesen Phasen noch keine Menschen gegeben hat. Nichts ist so „umstritten“ wie der menschengemachte Klimawandel. Denoch beharren die deutschen Grünen darauf, daß es einen zu geben hat und daß er gar als die größte aller Bedrohungen zu begreifen sei.

Da fragt man sich doch, warum die Grünen darauf beharren, daß es ihn gibt. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Grünen begreifen sich als Umweltpartei. Der menschengemachte Klimawandel ist Teil dessen, was sie als ihre Kernkompetenz begreifen: Umwelt. Dabei ist noch nicht einmal ausgemacht, daß es eine Umwelt überhaupt gibt. Unstrittig ist, daß es eine Welt gibt. „Umwelt“ ist in einem deutschen Wörterbuch zum ersten Mal 1915 aufgetaucht und es liegt zumindest der Verdacht nahe, daß der Begriff Jahrzehnte später bis zum Erbrechen strapaziert wurde, um zu einer Verschiebung des Standpunktes zu kommen, von dem aus man in Europa traditionell die Welt betrachtet hat. War bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein der Mensch so selbstverständlich Teil dieser Welt wie alles andere, gelang es über den Begriff „Umwelt“, den industrialisierten Menschen in einen Gegensatz zur Welt zu stellen. Dadurch wurde dann „Umweltpolitik“ möglich. Die wiederum hat heute mit einem durchaus sinnvollen, lokal begrenzten Naturschutz nichts mehr zu tun. Den kann man leisten. „Umwelt“ jedoch ist zu einem politischen Herrschaftsbegriff geworden.

Eine Welt durch ihre Umdefinierung in primär eine „Umwelt“ zu etwas anderem zu erklären, als sie ist, gleicht einem zivilreligiösen Wahn, den die Grünen als wahr unterstellen müssen, um ihre Eigenlegitimation zu erhalten. Es ist ja gerade die exzessive Beschäftigung mit diesem zivilreligiösen Wahn gewesen, welche Forschungen initiiert hat, die immer dann, wenn sie den Wahn als solchen entlarvt hätten, unter umweltideologischer Kontrolle für unwahr erklärt worden sind.

Es ist kein Zufall, daß es die Grünen nicht dem ach-so-mündigen Bürger überlassen wollen, was er von dem Wahn hält, sondern den kritischen Geist mit gesellschaftsausschließenden Etiketten der schlimmsten Art bekleben. Ganz klar, daß der Zweifler am menschengemachten Klimawandel in Deutschland, analog zum Holocaustleugner, zum „Klimaleugner“ abgestempelt werden musste. Mit anderen Worten: Nur, um sich ihren eigenlegitimatorischen Umweltwahn nicht als das beweisen zu lassen, was er ist, – ein Wahn nämlich, der ihre eigene Daseinsberechtigung verneint – , stellen diese Ökostalinisten diejenigen, die ihrem Wahn nicht huldigen, auf eine Stufe mit Bürgern, die eine historische Wahrheit nicht wahrhaben wollen. Lediglich zur Rechtfertigung ihrer eigenen politparasitären Existenz wollen diese Totalitaristen ihren dogmatischen Wahn mit der historischen Wahrheit gleichgestellt wissen. So, wie sie am liebsten überhaupt jeden mit jedem anderen gleichstellen würden, was aber in diesem Zusammenhang nicht das Thema ist. Nur so viel: Ein durchgängiger Egalitätsgedanke ist etwas für ausgesprochen Denkfaule, um das Wort „Denkunfähige“ zu vermeiden.

Der Punkt ist, daß Grüne, die nach wie vor als die „Umweltpartei“ gelten, den eigenlegitimatorischen Wahn aus einem einzigen Grund dogmatisch zur Realität erklären. Dadurch, daß der Wahn unhinterfragbar zu werden hat, daß er sakrosankt wird also, scheint die zukünftige Existenz der Grünen als politparasitärer Obsolenz gesichert.

Der Skandal an diesem Punkt wiederum ist, daß an der Huldigung des ökologistischen Wahns durch Dritte die Bildung einer Regierung hängt. Der Wahn hat also Erpressungspotential. Daß Jamaika aus allerlei anderen Gründen nicht wünschenswert ist, hat damit nichts zu tun. Allein die Tatsache, daß Wahnhafte in Deutschland heutzutage in der Lage sind, die Bildung einer Regierung davon abhängig zu machen, daß die anderen Koalitionäre ihrem Wahn huldigen, zeigt, wie weit wir inzwischen die aufgeklärte Gesellschaft für eine zivilreligiöse eingetauscht haben. Nicht, daß die Aufklärung nicht selbst einen quasi „tödlichen Keim“ in sich trüge. Den trägt sie – und zwar durch die Vergötterung des menschlichen Verstandes trotz seiner evidenten Grenzen. Unbestreitbar ist aber auch, daß dieser Keim seine ganze Gefährlichkeit heute erst zeigt. Nicht wenige der zivilsatorischen Errungenschaften Europas sind dennoch der Aufklärung zu verdanken. Das weiter zu vertiefen, würde hier aber das Thema verfehlen und außerdem zu weitschweifig werden.

Man muß sich vergegenwärtigen, was es in letzter Konsequenz heißt, daß Grüne in den Koalitionssondierungen ein Erpressungsspielchen treiben können, dem sich nur durch Neuwahlen entgehen läßt: Es bedeutet, daß deutsche Grüne in dem komfortablen Zustand leben, andere Regierungen und Nationen als „bescheuert“ dastehen lassen zu können, ungeachtet der Frage, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich es ist, daß es ausgerechnet die deutschen Grünen sein sollen, welche die Weisheit mit Löffeln gefressen haben – und zwar in einem globalen Maßstab. Überspitzt ausgedrückt: Wer den grünen Wahn als Realität unterstellt, der kann auch gleich sagen, daß er Katrin Göring Eckardt und Claudia Roth für klüger als Donald Trump hält. Der kann außerdem – unter Berücksichtigung grüner Positionen zur Massenimigration – gleich sagen, daß er die o.g. Politweiber für klüger hält als die Regierungen von Polen, Russland, Amerika, Tschechien und etliche anderen Ländern, die in dieser Frage eine konträre Position vertreten. Es tut mir leid: Man kann ja vieles für möglich halten, das aber nicht.

Wenn es auch eine Vielzahl von Gründen dafür gibt, daß Jamaika scheitern muß: Der wesentlichste scheint mir zu sein, daß Grüne unter gar keinen Umständen jemals wieder an einer Regierung beteiligt sein dürfen. Die Realität dem Wahn zu unterstellen, ist der sicherste Weg in den Untergang.

 

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