Keiner glaubt der Anja

Foto: Steht total auf Diktatur: Anja Reschke (Foto: Von Jugendpresse Deutschland - Schülerzeitungskongress 2016, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57169065
Foto: Steht total auf Diktatur: Anja Reschke (Foto: Von Jugendpresse Deutschland - Schülerzeitungskongress 2016, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57169065

Wenn man den Lügenmärchen aus den Redaktionen keinen Glauben mehr schenkt, ist die Demokratie in Gefahr. Es mal mit Journalismus zu versuchen, ist für Anja Reschke keine Option. Sie glaubt, sie macht schon welchen.

Von Volker Kleinophorst

Dass der deutsche Staatsjournalismus eine Vertrauenskrise hat, ist inzwischen auch bei Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR und Moderatorin des investigativen TV-Magazins „Panorama“ angekommen.

Doch das hat mit der Berichterstattung nichts zu tun.

Im Exklusivgespräch mit kress.de erklärt Anja: „Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien ist meiner Meinung nach eigentlich eine Demokratiekrise“. Der Vorwurf „Wir glauben euch nicht mehr“ vor allem dann geäußert, wenn es um politische Berichterstattung geht, also etwa um Themen wie Russland, Flüchtlinge oder Feminismus. „Der Gedanke, dass Medien irgendwie gesteuert werden, hat sich enorm ausgebreitet.“ In gewisser Weise sei da auch was dran: „Wir folgen in der Tat einer Linie – der des Grundgesetzes. Dazu gehören Kriterien wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Toleranz.“

Nehmen wir erst mal den letzten Satz:

Grundgesetz:

Das „Die-ganze-Welt-beneidet-uns-um-unser-Grundgesetz“ ist also das Redaktionsstatut beim NDR, Anjas Leitstern. Also dieses WischiWaschi-Gesetz, das immer dann gilt, wenn es gerade mal passt. Das man ändert, wie man lustig ist und zur Verfassung ernannt hat, ohne es vom Volk legitimieren zu lassen. Ja, das wir uns nicht einmal selber gegeben haben. Das Grundgesetz, dass bei Wiedervereinigung eigentlich längst durch eine vom deutschen Volk sich selbst gegebene Verfassung hätte ersetzt werden müssen?

Merkwürdiges Demokratieverständnis.

Religionsfreiheit:

Religionsfreiheit ist in Deutschland eigentlich nie ein Thema gewesen. Außer es geht um den Islam. Des Moslems Ansprüche definieren Religionsfreiheit.

Merkwürdiges Demokratieverständnis.

Meinungsfreiheit:

Wenn man die „richtige“ Meinung hat, darf man die in diesem Land frei äußern. Hat man die falsche, wie z.B. Silvana Heißenberg, muss man sich von Frau Reschke bepöbeln und denunzieren lassen.

Merkwürdiges Demokratieverständnis.

Pressefreiheit:

Wer den Pressecodex unterschrieben hat, bekennt sich eben nicht zur Pressefreiheit sondern zur „Lügenpresse“. „Straftäter mit Migrationshintergrund“ müssen nicht zu „Männern“ umgenummert werden.

Merkwürdiges Demokratieverständnis.

Toleranz:

Im Grundgesetz steht kein Wort von Toleranz. Kann man wissen.

Merkwürdiges Demokratieverständnis.

Und da kann sich die preisgekrönte Superjournalistin nicht vorstellen, wie es zur einer Glaubwürdigkeitskrise kommen kann und gar dem absurden Vorwurf, die Berichterstattung würde gesteuert, besonders bei den Themen „Flüchtlinge“, Russland und (gleich kommt’s mir hoch) Feminismus.

Anja hat einfach ein Problem damit, dass immer mehr Menschen (noch viel zu wenig) begreifen, wie sie von den „humanitären Hetzmedien“ über den Tisch gezogen und vollgelogen werden. Das darf nicht sein.

Nein Anja, du musst dich nicht rechtfertigen, wenn du für die Demokratie einstehst. Mach es doch einfach mal.

Dass in dem Kress-Text auch noch die üblichen Verdächtigen wie Mascolo und Lobo ins gleiche Horn stoßen? Geschenkt.

Selbst entlarvend allerdings wie der Kress am Ende des Textes noch einen Medienwissenschaftler Bernd Blöbaum (den Gag lass ich mal liegen) ausgräbt, der mit 20 Wissenschaftlern seit fünf Jahren umfassend zum Thema Vertrauen und Medien forscht. Deutschland Journalismus stehe „nicht schlecht da“.

Es handle sich um eine „gefühlte Krise“, einfach weil die Medienkritik hierzulande stark zugenommen hat. (Da sagen wir bei Jouwatch schon mal, prima. Nützt doch was.)

Wer sich jetzt fragt, was das eigentlich soll mit Anja und dem merkwürdigen Demokratieverständnis?

Das geht auf eine Tweet zurück von Superdemokratin Anja.

Als Herbert Grönemeyer twitterte „Politiker sind unsere Angestellten“, fand sie: „Merkwürdiges Demokratieverständnis“. Und selbst als man es ihr um die Ohren haute. Bei Anja ist eben Hopfen und Malz verloren.

Wie man „demokratischen Journalismus“ macht, zeigt Kress-Autorin Anna von Garmissen sehr eindrucksvoll im letzten Absatz (die Hervorhebungen von mir):

„Lassen sich die Medien womöglich zu stark verunsichern? Sicherlich gehen Hass und Häme, die tagtäglich über digitale Rückkanäle in die Redaktionen hineinfluten, nicht spurlos am Selbstbewusstsein der Journalisten vorüber – auch wenn es nur eine kleine Minderheit ist, die herumpöbelt. Hinzu kommen schwer zu ertragende, öffentlich angezettelte Anti-Medien-Kampagnen wie Trumps „media war“ oder die deutschen „Lügenpresse“-Rufe, die das Klima deutlich rauer haben werden lassen. Gefühlt oder echt – die Krise ist in den Redaktionen angekommen. Falls sie zu mehr Vielfalt, höherer Qualität und einem intensiveren Draht zum Publikum beitragen kann, wäre das zumindest nicht das schlechteste.“

Schuld sind also die Leser und solche bösen Blogger wie wir.

Freut mich, dass wir helfen konnten.

PS: Warum ich Anja so penetrant duze? Weil ich mir sicher bin, dass Anja das nicht ab kann. Sie denkt wohl, das sei abwertend gemeint.

Wo sie Recht hat.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

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