Foltern – aber nur mit Gewissensbissen

Foto: Screenshot/Youtube
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Ich bin jemand der immer gerne ferngesehen hat. Mittlerweile nervt es. Im TV ist der Polizeistaat schon da. Und Foltern voll in Ordnung.

Von Volker Kleinophorst

Schon als Kind und bis heute habe ich immer die eine oder andere Serie, die ich besonders gerne angucke. Im Moment ist das „The Blacklist“, die in meinen Augen pure Verschwörungstheorie ist und in der Folter schon zu den akzeptierten Methoden aller „Ermittler“ gehört, als hätte es darüber nie eine Diskussion gegeben. Nein, ist sogar witzig, denn Star „Raymond Reddington“ hat einen festen Folterer, der immer mal wieder reinkommt und Sachen sagt wie:  „Ich brauch ein Lama, drei Tiefkühltruhen und zwei Koi-Karpfen.“ Foltern als Running Gag mit teilweise ziemlich abstoßenden Grausamkeiten, bei denen die Kamera gnadenlos drauf bleibt.

Die neue Normalität: „Es geht um die nationale Sicherheit.“ Na dann ist ja OK.

Der Sündenfall liegt schon lange zurück. Mir ist es das erste Mal bei einer früheren Lieblingsserie ins Gesicht gesprungen. Bei „Castle“.

Da spielt Nathan Fillon den Schriftsteller Richard Castle, der mit seiner Muse der New Yorker Polizisten Kate Beckett, besetzt mit der unglaublich heißen Stana Katic, die verrücktesten Mordfälle löst. Die Serie mochte ich so sehr, weil eben nicht so brutal und ein bisschen witzig, dass ich mir sogar einen Staffelpass gekauft habe und so schon vor Ausstrahlung im deutschen TV, in den Genuss kam, die englische Version zu sehen.

Bis mir dann eine Folge echt die Laune verhagelte. Castles Tochter wird entführt. In einer Schlüsselszene ist der nette Rick Castle allein mit einem Verletzten, der etwas weiß, es aber nicht preisgibt. Und Castle, der witzige Teddybär in dieser doch sonst eher harmlosen Serie, foltert. Mit vollem Einverständnis des Polizei-Teams. Natürlich wird taktvoll weggeblendet. Castle ist nicht „The Blacklist“ und auch kein Tarantino-Film. Aber, selbst was man zeigte, es passte eigentlich nicht wirklich zu dieser Serie.

Castle-Freundin Beckett danach: „Ich wusste nicht, dass das in dir steckt“ Castle: „Wenn meine Liebsten bedroht sind.“ Verständnis auf allen Ebenen. Foltern, na ja, manchmal muss man halt. Nur für die gute Sache. Es ist ein schmutziges Geschäft. Wenn die Bösen nur nicht so böse wären. Die hinterhältigen Schweine zwingen uns GUTE ja dazu.

Diese Botschaft kommt mir seit „24“ einfach ein bisschen zu häufig, um das noch ganz normal zu finden. In „Zero Dark Thirty“ wird mal eben via Hollywood Waterboarding legitimiert. Ganz davon ab, das so eine nicht belegte und fragwürdige Geschichte, wie das Ende von Usama Bin Laden, via Hollywood Wahrheitssrang erhält. Es war so, ich hab es im Fernsehen gesehen.

Welche Kraft das hat, sieht man doch an den Indianern. Da weiß auch mittlerweile jeder, dass der Entdeckung der „neuen Welt“ einer der abscheulichsten Völkermorde der Menschheitsgeschichte folgte. Gesehen haben wir alle, wie grausame, gottlose Rothäute (gespielt von angemalten Weißen) rechtschaffende Häuslebauern niedermetzeln. „Verfluchte Rothäute.“

Immer mehr Krimis in denen unverhohlen geworben wird für Überwachungsstaat. Gesetzesübertretungen beim Datenschutz werden grundsätzlich als Petitesse dargestellt, auch in deutschen Produktionen. Brutale Verhörmethoden, gehören dazu. Nehmen wir nur mal James Bond, wie hart und brutal sind die Filme geworden. Da wirken die Streifen mit Roger Moore  heute doch wie ein Märchen. Der Gott des Gemetzels hält Foltern für die Freiheit offensichtlich für schwer ok. Sicher man hat Gewissensbisse. Aber sonst legitimiert Unterhaltung „zufällig“ genau die Schweinereien die täglich alltäglicher werden. Übrigens auch in der Erwachsenenunterhaltung: Folter-Pornos aus US-Hochglanzproduktion scheint ein Riesenmarkt zu sein, Waterboarding inklusive. Schweden-Pornos aus den 70ern sehen daneben aus wieder Kinderfilme.

Das Bewusstsein großer Bevölkerungsgruppen zu manipulieren, nennt man Social Engineering. Zu Nudging bekennt man sich ja sogar ganz dreist. Wer mag da nach den jüngsten Enthüllungen noch an Zufälle glauben.

Weitere Folgen von Castle hab ich mir zwar noch angesehen. Doch der Spaß ist mir irgendwie vergangen. Magnum hätte nie gefoltert. Gut, der war ja auch dazu da das Image des Vietnamkriegs zu verbessern. Bad war, good guys.

Ist also gar nicht so neu.

Und ein einfacher Deal. Senkt die Kosten der Produktion. Man stellt Polizei, Militär, Gelände für die Aufnahmen, dafür Entgegenkommen bei ein paar Themen.

Oder wie es der Kabarettist Dieter Hildebrandt sagte: „Eine Hand wäscht die andere. Wie kommt es nur, das Beide hinterher dreckig sind.“

Wandere aus, solange es noch geht!
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