Flüchtlingskrise: Wer hat die 26 nigerianischen Frauen ermordet?

Symbolfoto: Durch De Visu/Shutterstock
Symbolfoto: Durch De Visu/Shutterstock

Am Sonntag sind die Leichen von insgesamt 26 Frauen geborgen worden, die ihre Überfahrt von Libyen nach Europa mit dem Leben bezahlt haben. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Mordes aufgenommen.

Von Marilla Slominski

Im Hafen von Salerno hob ein Kran einen Plastiksack nach dem anderen von Bord des spanischen Schiffes Cantabria, das die ertrunkenen Frauen an Land gebracht hatte.

23 Frauen waren von der Cantabria, die im Auftrag der EU gegen Schmuggler im Einsatz ist, tot im Wasser entdeckt worden, nachdem ihr Schlauchboot gesunken war. Drei weitere ertrunkenen Frauen waren während einer anderen „Rettungsaktion“ geborgen und an Bord des spanischen Schiffes gebracht worden, das mit seiner traurigen Fracht Sizilien ansteuerte.

Noch gibt es keine genaue Erklärung dafür, warum es sich bei den Opfern um Frauen handelt, außer dass ihr Risiko bei der Reise über das Meer zu sterben, höher ist. Grund dafür könnte sein, dass sie meist noch schlechter schwimmen können als Männer, sie oftmals beim Versuch ihre Kinder zu retten ertrinken oder sie ihre „schwere“ islamische Kleidung unter Wasser zieht, vermutet Professor Sine Plambech von der Colubia Universität.

„Wir müssen herausfinden, ob es Verdächtige gibt, auf die wir uns konzentrieren können oder ob wir gegen Unbekannt ermitteln müssen“, so der Präfekt von Salerno Salvatore Malfi.

Die Polizei untersucht die Leichen der vermutlich aus Nigeria stammenden Frauen nun nach äußerer Gewalteinwirkung.

„In dem Boot müssen auch Männer gewesen sein“, erklärte Malfi gegenüber der italienischen Presse, nachdem erste Vermutungen laut geworden waren, dass es sich um ein „Sex-Boot“ gehandelt haben könnte, das neuen Prostituierten- Nachschub für Europa an Bord hatte.

„Normalerweise funktionieren die Wege, auf denen Frauen, die für die Prostitution vorgesehen sind, anders. Ein Boot nur mit Frauen zu beladen ist für die Schmuggler zu risikoreich. Wenn etwas schiefgeht, verlieren sie ihre ganze „Ware“ auf einen Schlag“, erläutert Malfi.

Am Freitag gab die Internationale Organisation für Migration IOM bekannt, dass in nur vier Tagen mehr als 2560 Migranten aus dem Mittelmeer gefischt worden waren. Insgesamt sind in den letzten zehn Monaten mehr als 111.700 illegale Einwanderer in Italien angekommen. 2839 Migranten sind tot geborgen worden.