Syrien 2017: Ein Traumurlaub in Damaskus!

Bildschirmfoto Chris Unusualtraveler.com
Bildschirmfoto Chris Unusualtraveler.com

Die öffentlich rechtlichen Medien zeichnen ein Bild von Syrien, das nicht zutrifft. Ein junger Mann aus Norwegen hat daher im Oktober 2017 den Selbstverstuch gestartet und hat Urlaub gemacht – in Damaskus, der Hauptstadt von Syrien.

Von Chris
Übersetzung von Bianca Hoe

„Im Oktober 2017 hatte ich das Glück, ein zehntägiges Touristenvisum nach Syrien zu bekommen.

Freunde und Familie sagten mir, ich müssse wahnsinnig sein, dass ich den Wunsch habe, Syrien 2017 besuchen zu wollen. Jeder weiß doch, dass in dem Land seit sieben Jahren ein brutaler Krieg tobt.

Die Leute, mit denen ich über meine Pläne sprach, sagten alle, dass die Chance, nach Syrien einreisen zu können, bei Null läge, und wenn ich es doch schaffte, irgendwie nach Syrien zu gelangen, würde ich höchstwahrscheinlich getötet oder gekidnappt werden.

Wenig später, hatte ich das Touristenvisum für Syrien in der Hand und buchte den ersten Flug nach Beirut, der Hauptstadt des Libanon, da es derzeit keine Flüge nach Syrien gibt.

Die ersten 10 Tage reiste ich durch Syrien, ich besuchte Damaskus – Aleppo – Homs, in traumhafter Umgebung an der Mittelmeerküste, bevor ich für meinen Rückflug nach Europa in den Libanon zurückkehrte.

Ich bin unvoreingenommen und ohne politische Absichten nach Syrien gereist.

Um ein Visum für Syrien zu erhalten, muss eine Empfehlung von jemandem mit Kontakten innerhalb des Landes vorliegen, dann wird etwas Papierkram ausgefüllt und etwa 9 – 10 Wochen gewartet. Eine Antwort ist nicht selbstverständlich, viele erhalten keine Rückantwort. Ich hatte Glück und erhielt das Visum binnen kürzester Zeit.

Familien laufen durch die Straßen, vorbei an Souvenirläden. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Familien laufen durch die Straßen, vorbei an Souvenirläden. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Ich verließ mein Hotel in Beirut am Nachmittag mit einem Sammeltaxi in Richtung Damaskus und ich würde lügen, wenn ich sagte, ich wäre nicht aufgeregt gewesen, nach Syrien zu fahren. Die Strecke zwischen den beiden Hauptstädten ist nicht mehr als 120 km lang. Eine Fahrt, die vor dem Krieg einschließlich der Grenzkontrolle etwa zwei Stunden dauerte. Ich wäre zufrieden gewesen, hätte ich es in zwei Stunden nur über die Grenze geschafft.

Doch allein Beirut zu verlassen erwies sich als am zeitaufwendigsten, da ich ab dem Stadtzentrum im berüchtigten Beiruter Verkehrststau stecken blieb.

Als ich noch auf libanesischer Seite die Einwanderungsbehörde betrat, bemerkte ich direkt, dass die fünf anderen Westler, mit denen ich unterwegs war, nicht die einzigen Ausländer waren, die die Grenze überquerten. Zusammen mit Dutzenden Einheimischen gab es neun weitere Europäer, die den Libanon zur gleichen Zeit wie ich verließen (die Grenze ist 24 Stunden und sieben Tage die Woche geöffnet). Die libanesische Seite zu verlassen, dauerte nur ein paar Minuten.

Das Erste, was mir beim Betreten der syrischen Seite der Grenze auffiel war, wie organisiert und ruhig alles war. Menschen standen in Warteschlangen aufgereiht. Es gibt keine Soldaten und nur wenige Grenzsoldaten. Um es kurz zu machen: Die Einreise nach Syrien dauerte nur etwa 20 Minuten, dann hatte ich den Visastempel im Pass und war bereit, Syrien zu erkunden.

Die Straßen sind gefüllt mit Menschen. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Die Straßen sind gefüllt mit Menschen. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Ich kam gerade rechtzeitig in Syrien an, um den 19.00 Uhr Gebetsruf der Moscheen in der Ferne zu hören

Wenn man die Grenze überquert hat und weiter nach Damaskus reist, muss man einige militärische Kontrollpunkte durchfahren. Keiner von ihnen war ein Problem. Bei jedem Halt wurden ich und meine Mitreisenden von den Soldaten mit einem breiten Lächeln, einem Händedruck und einem „Willkommen in Syrien, mein Freund“ begrüßt.

Bei der Ankunft in Damaskus fiel mir zunächst das pulsierende Straßenleben auf. Junge Paare hielten Händchen, die Geschäfte waren überall geöffnet, Essensbuden neben Tee- und Kaffeeständen, die Straßen waren voll von Menschen wie in jedem anderen Land. Es gab keine Anzeichen für einen Krieg, außer ein paar entspannten Soldaten, die an einer Straßenecke saßen.

Ich war nur für ein schnelles Abendessen und ein paar Bier in einem traditionellen Restaurant voller Leute, bevor ich ins Bett ging. Ich wollte früh aufstehen und die Straßen von Damaskus am nächsten Tag ausgeruht erkunden.

Traditionelles Restaurant in einem alten Gebäude. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Traditionelles Restaurant in einem alten Gebäude. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Am nächsten Morgen brach ich auf, um die älteste Stadt der Welt zu besichtigen. Ich verließ mein Hotel in der Altstadt und bemerkte schnell den Geruch von frischem Brot. Der Milchmann lieferte auf einem Fahrrad frische Milch aus und die Obst- und Gemüsestände in den alten engen Gassen waren angefüllt mit frischem Obst und Gemüse.

 

Milchmann in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Milchmann in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Beim Spaziergang durch die Altstadt, fängt man an sich zu wundern, dass hier Krieg herrschen soll. Es gibt absolut keine Zerstörung hier. Die Geschäfte sind auf, die Straßen gefüllt und es gibt nur ein paar militärische Kontrollpunkte, die man aber kaum wahrnimmt. Sogar die Soldaten sind glücklich über den Anblick von Touristen. Die Geschäftsbesitzer sind überglücklich, wieder Touristen in ihrer Stadt begrüßen zu können.

Wo ist der Krieg, fragt man sich

Man kann sich völlig frei in Damaskus bewegen. Fotografieren ist überall erlaubt, außer Aufnahmen von Militärkontrollpunkten und Regierungsgebäuden.

Man vergisst sehr schnell, dass man in einem Land ist, in dem Krieg herrscht. Doch dann hört man plötzlich aus der Ferne, wie Raketen das terroristisch verseuchte Jobar-Viertel nur wenige Kilometer entfernt, treffen. Zwischen 10 und 30 Raketen konnte ich an dem Tag hören.

Wie auch vor dem Krieg, gibt es in Damaskus viel zu sehen: Die Umayyaden-Moschee, der 4. heiligste Ort im Islam, ein Spaziergang um den Souq al-Hamidiyya (alter Markt) lohnt sich, besucht die Zitadelle von Damaskus oder man lässt sich einfach durch die schmalen Jahrhunderte alten Gassen treiben.

Der alte Bazar, hier gibt es alles. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/a
Der alte Bazar, hier gibt es alles. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Ist man erschöpft vom vielen Umherlaufen, geht man einfach in eine Kunstgalerie und betrachte die moderne Kunst in Syrien, entspannt in einem lokalen Café und betrachtet das  geschäftige Treiben oder lauscht einem der lokalen Geschichtenerzähler. Alles hier ist wie vor dem Jahr 2011.

Kunstgalerie in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Kunstgalerie in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Genau wie damals ist die Altstadt von Damaskus der bevorzugte Ort, an dem man sich aufhalten sollte. Es gibt natürlich auch einen moderneren Teil der Stadt mit Einkaufszentren im westlichen Stil, wo man einkaufen kann oder Supermärkte findet, die ebenso gut bestückt sind wie jeder andere Supermarkt in Europa oder Amerika. Alles ist hier verfügbar.

Supermarkt in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Supermarkt in Syrien, Oktober 2017. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Supermarkt in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Supermarkt in Syrien, Oktober 2017. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

War überhaupt ein Journalist in den letzten Jahren persönlich hier?

Alles in allem ist Damaskus völlig das Gegenteil von dem, was uns die Medien in den letzten 7 Jahren erzählt haben. Ich frage mich daher, ob die Journalisten tatsächlich jemals selbst hier gewesen sind.

Christliche Kirchen stehen Tür an Tür neben Moscheen. Alle Gotteshäuser sind voller Gläubiger. Sogar die jüdische Synagoge in der Altstadt von Damaskus ist weiterhin offen.  Man kann christliche Hochzeiten in der Stadt beobachten und Priester, die völlig ungehindert in der Öffentlichkeit herumlaufen.

Am Nachmittag füllen sich die Bars und Pubs mit Einheimischen, die sich auf ein paar Bier treffen und europäische Fußballspiele auf großen Bildschirmen sehen. Und alle sind überaus freundlich zu Touristen.Ich saß mit den Einheimischen bis zwei Uhr nachts zusammen, bis ich alleine in mein Hotel zurückging.

Ich hatte das Glück, Damaskus drei Tage erkunden zu können. Nie habe ich irgendwelche feindlichen oder unfreundlichen Menschen erlebt. Jeder war überglücklich, endlich wieder Touristen in der Stadt  zu sehen.

Jack Daniels oder Jägermeister. Alkohol gibt es überall in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Jack Daniels oder Jägermeister. Alkohol gibt es überall in Syrien. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Damaskus im Jahr 2017 als Tourist zu besuchen, fühlt sich an, als wäre man zuhause in Norwegen, als ginge man zu Fuß durch Barcelona oder durch eine andere große westliche Stadt. Damaskus ist sehr sicher und bereit, Touristen wieder willkommen zu heißen.“

Eine junge Frau sieht ihrer Freundin beim Brautfoto zu. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Eine junge Frau sieht ihrer Freundin beim Brautfoto zu. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Einwohner gehen abends tanzen. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/
Einwohner gehen abends tanzen. Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/damascus/

Der Autor Chris hat wunderschöne Fotos in Damaskus gemacht, die auf seinem Blog zu finden sind. Ein Besuch der Webseite lohnt sich: http://unusualtraveler.com/damascus/

Anzeige
TEILEN
Vorheriger ArtikelCSU: Das Kreuz mit den Saupreißen
Nächster ArtikelKeiner glaubt der Anja