Politiker lesen Märchen vor – die AfD darf nicht mitmachen

(Bild: JouWatch / Screenshot)
AfD-Politiker Roland Gläser darf im Berliner Abgeordneten Haus keine Märchen erzählen (Bild: JouWatch / Screenshot)

Berlin – Das Abgeordnetenhaus beteiligt sich im Rahmen der Reihe „Politiker erzählen Märchen“ auch dieses Jahr an den Berliner Märchentagen. So werden vom 9. bis 26. November der Parlamentspräsident Ralf Wieland und Abgeordnete aller Fraktionen Schülern Märchen vorlesen. Jedoch stimmt die Ankündigung auf der Webseite des Berliner Abgeordnetenhauses so nicht. Denn: Nur die Konsensparteien dürfen Märchen erzählen – die AfD nicht.

Darf ein AfD-Abgeordneter Kindern im Abgeordnetenhaus Märchen vorlesen? Oder ist das eine zu große Zumutung für die Vertreter der Konsensparteien von Union bis Linkspartei? Offenbar schon, stellt der AfD-Politiker und MdA Roland Gläser fest. Denn: Seine Teilnahme an einer Lesestunde, zu der alle Fraktionen Vertreter entsenden, wurde kurzfristig abgesagt. Angeblich habe sich niemand angemeldet.

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Ankündigung auf der Seite des Veranstalters (Bild: Screenshot)

Kaum veröffentlicht, schon kam die Absage

Sein Termin zur Märchenstunde war vom Veranstalter „Märchenland  – Deutsches Zentrum für Märchenkultur“ für den 17. November im Festsaal des Abgeordnetenhauses um 10 Uhr für sechs- bis 12-jährige Schulkinder reserviert. Der Termin wurde laut Gläser in der vergangen Woche in den Parlamentsunterlagen, die jedem Abgeordneten zugehen, veröffentlicht.

Gleich danach jedoch erhielt Gläser folgende Email:

„Sehr geehrter Herr Gläser,

wir haben bisher leider keine Anmeldung für Ihre Märchenstunde am 17.11. erhalten.
Aus diesem Grund, muss ich unsere gemeinsame Veranstaltung absagen.
Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen“

Da rollen Köpfe. Möglich, dass Lehrer davor zurückschrecken

Auf Nachfrage erklärte die Absenderin dem AfD-Politiker, dass er der einzige Abgeordnete sei, zu dessen Vorlesung sich keine Schulklasse angemeldet habe. Zwar kenne Gläser die Organisation und den Ablauf dort nicht. Jedoch hätten die Organisatoren ja auch einfach Schülergruppen einteilen können, so dass auch bei Gläsers Lesestunde einige Schüler dabei sind, so die simple Feststellung.

„Kann sein, dass sich Lehrer nicht trauen, sich mit ihrer Schülergruppe explizit an einer solchen Lesestunde mit einem Abgeordneten meiner Partei anzumelden. Denken wir uns nur aus, wie sich auch nur ein Elternteil aus dem rotgrünen Lager hinterher darüber echauffiert. Da rollen Köpfe. Möglich, dass Lehrer davor zurückschrecken“, so Gläsers Mutmaßung.

Möglich sei auch, dass da einige Telefonate geführt wurden, um diesen Termin mit einer passenden Ausrede schnell absagen zu lassen. Dafür spreche der zeitliche Zusammenhang zwischen Veröffentlichung der Liste und Absage sofort danach. Fakt ist:  Auf der Webseite des Parlaments ist Gläser bereits getilgt.

AfD veranstaltet trotzdem eine Märchenstunde im Berliner Abgeordnetenhaus

Gläser teilt jedoch auf seiner Webseite mit: „Egal, was genau hinter den Kulissen passiert ist: Die AfD wird eine eigene Märchenstunde veranstalten. Am 17. November um 10 Uhr gibt es eine Märchenstunde im Berliner Abgeordnetenhaus. Für die Kinder und natürlich auch die Eltern oder Großeltern gibt es zudem eine Führung durch den Landtag. Für die Lesung anmelden kann man sich unter dieser Email-Adresse: [email protected]. (SB)

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