USA: Ein Jahr mit Donald Trump

Max Erdinger Foto: JouWatch

Die Süddeutsche Zeitung beklagt den Umstand, daß Donald Trump auch nach einem Jahr noch immer Präsident der Vereinigten Staaten ist und fragt sich verzweifelt, wie es wohl kommt. Eine Medienkritik.

Von Max Erdinger

Die Süddeutsche: „Donald Trump wird weiterhin von der großen Mehrheit der Republikaner unterstützt, obwohl er ein Jahr nach seinem Wahlsieg nur wenige Versprechen umsetzen konnte.

Es sei hier nur einmal an jenen Richter aus Hawaii erinnert, der Trumps Einreisestopp für Bürger aus ein paar islamischen Ländern „kassierte“. Der Mann war ein „Buddy“ aus Obamas Jugendzeiten und ist von Obama selbst in das Amt eines Bundesrichters bugsiert worden. Es gibt viele Beispiele dafür, daß es egal ist, was Trump will oder macht. Trump wird vom immer noch einflußreichen, „linksliberalen“ Medienkartell allein deswegen schon in der Luft zerrissen, weil er eben Trump ist. Wir kennen dieses Verhalten auch in Deutschland. Die AfD kann vorschlagen, was sie will; es wird abgelehnt, weil es von der AfD kommt. Insofern ist der Nebensatz: „… obwohl er ein Jahr nach seinem Wahlsieg nur wenige Versprechen umsetzen konnte„, von altbekannter Scheinheiligkeit.  Außerdem wüßte ich, wem ich als Süddeutsche Zeitung als erstes ankreiden würde, daß sie Wahlversprechen nicht einhält. War es nicht Angela Merkel, die einmal anmerkte, es sei unfair, Politiker an dem zu messen, was sie im Wahlkampf versprochen haben? – Doch, war es.

Die Süddeutsche: „Er profitiert davon, dass der Kongress unbeliebt ist: Viele Trump-Fans geben nicht ihm die Schuld an der mickrigen Bilanz, sondern den Senatoren und Abgeordneten.“

Völlig zu recht. Trump ist gewählt worden als „Präsident gegen das System“. Mit diesem System und seinen Medienbütteln muß er sich herumschlagen. Trumps Chefstratege aus Wahlkampfzeiten, Steve Bannon, hat seinen Rückzug aus dem Weißen Haus damit begründet, daß er als Medienmann und Chef der Breitbart News viel effizienter für Trumps Agenda wirken könne, als unter den Zwängen des politischen Systems, in das er vorher eingebunden gewesen ist. Das Weiße Haus steht in einer Schlangengrube – und auch die Machtbefugnisse eines amerikanischen Präsidenten sind beschränkt. Im Übrigen wäre die Süddeutsche Zeitung die erste, die jaulen würde wie ein Wolfsrudel im Vollmondschein, wenn Trump diese Machtbefugnisse auszudehnen versuchen würde. Jede Wette, daß sofort von der amerikanischen „Machtergreifung“ die Rede wäre.

Die US-Wirtschaft boomt, schreibt die Süddeutsche, und daß die Wirtschaft zentral ist für die Beliebtheit eines Präsidenten. Das wusste schon Bill Clinton („It´s the economy, stupid!“).

Die Süddeutsche jedoch unverdrossen: „Trump hilft das nicht, bei ihm ist es anders: Fast alle Demokraten lehnen ihn „voller Überzeugung“ ab, während unter den parteiunabhängigen Amerikanern nur etwa 30 Prozent den 45. Präsidenten unterstützt. Beide Gruppen umfassen jeweils ein Drittel der Bevölkerung. Ganz anders sieht es aber unter jenen aus, die sich als Republikaner definieren. Eine riesige Mehrheit ist mit Trumps bisheriger Bilanz zufrieden (Fox News ermittelte zuletzt 83 Prozent, NBC kam auf 81 Prozent).

Das zeigt doch sehr schön, worum sich die Frage nach Trumps Beliebtheit resp. Unbeliebtheit tatsächlich dreht: Um die grundsätzliche Ausrichtung seiner Politik. Wenn noch nicht einmal mehr eine boomende Wirtschaft in einem durch und durch materialistisch orientierten Land etwas an den Ressentiments der notorischen „Liberals“ (den Demokraten also) ändert, dann ist das ein Indiz dafür, daß Trump erfolgreich sein könnte mit was-auch-immer, ohne daß ihm das in der Beliebtheitsfrage helfen würde. Der wahre Grund dafür, Trump das Präsidentenleben so schwer wie möglich zu machen, ist der, daß er den linksliberalen Wolkenkuckucksheimern ganz generell ihre Vogelhäuschen streitig macht. Trump passt den „Liberals“ und ihren Medienbütteln grundsätzlich nicht. So sieht auch die Medienberichterstattung über Trump aus. Nette Nebenbemerkung: Das Shorenstein Center, das sich u.a. mit der Analyse politischer Medienberichterstattung befaßt, ist vor über einem halben Jahr schon zu der Erkenntnis gelangt, daß Trump noch nicht einmal in seinen feindlichsten US-Medien derartig undifferenziert angegangen wird, wie in den deutschen. Wo erscheint die Süddeutsche nochmal? Für welche politische Ausrichtung ist sie berüchtigt?

Zitat: „Noch extremer ist die Stimmung in Europa„. – Gerade schreibe ich es noch. Aber  wer macht denn die Stimmung in Europa? Fällt die einfach so vom Stimmungshimmel?

Die Süddeutsche: „Auch wenn in der aktuellsten …

„Aktuell“ ist nicht steigerungsfähig, Süddeutsche! Und ich weiß, was ich von Leuten zu halten habe, die trotzdem alles steigern: aktuell, freiheitlich, demokratisch usw.usf. Bei der Süddeutschen schreiben ganz offensichtlich Leute, die sich noch keine grundsätzlichen Gedanken über Sinn und Absicht hinter den schleichenden Veränderungen der deutschen Sprache gemacht haben – weiter mit dem Zitat: „(Auch wenn in der aktuellsten) … Washington Post-Umfrage 70 Prozent der US-Bürger Trumps Regierung als dysfunktional bezeichnen, so halten 80 Prozent den Kongress für unfähig. Sogar Kakerlaken und Fußpilz sind in den USA populärer als Abgeordnete und Senatoren. Hier liegt ein Schlüssel für das Verständnis der US-Politik 2017: Trump mag wenig zustande bringen, doch die Schuld geben viele seiner Anhänger den Republikanern im Kongress: Diese würden dem Polit-Neuling keine Chance geben.

Völlig zu Recht sind Kakerlaken und Fußpilz in den USA populärer als Abgeordnete und Senatoren. In Deutschland sind sogar Hundehäufchen auf dem Bürgersteig bei einem immer größer werdenden Teil des Volkes populärer als Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder. Und wenn das so weitergeht mit der linksdrehenden Abgehobenheit dieser Individuen, dann werden Abgeordnete und Minister bald nicht einmal mehr die Popularität von Hodenkrebs erreichen.

Zitat: „Ein großer Teil kriegt anders als Leser von New York Times oder SZ nicht jede Wendung rund um das Weiße Haus mit.

Im Falle SZ heißt „Wendung“ in Bezug auf das Weiße Haus „Verdrehung“. Diese Verdrehungen bekommt aber jeder Leser mit, der außer der SZ auch noch andere, vor allem ausländische Nachrichtenquellen nutzt. Das werden in digitalen Zeiten immer mehr, weswegen die Auflagenzahlen der süddeutschen Verdrehungszeitung auch ständig sinken.

Die Süddeutsche: „Zum Jahrestag des Trump-Siegs wird die Frage „Wie konnte das passieren?“ erneut debattiert. Gerade für Deutsche ist es interessant, jene knapp 63 Millionen Trump-Wähler sowie deren unterschiedliche Motive zu studieren.

Der Deutsche, der sich ernsthaft für das Thema „Die Amerikaner und Donald Trump“ interessiert, ist gut beraten, sich nicht ausgerechnet von der Süddeutschen Zeitung Bericht erstatten zu lassen.

Zitat: „Dieser „Block“ ist eben nicht homogen und wer weiter denkt, dass Trump nur von weißen, wütenden, rassistischen Männern gewählt wurde, wird die Vorgänge jenseits des Atlantiks noch weniger verstehen (hier muss aber betont werden, dass die sexistischen und fremdenfeindlichen Sprüche von Kandidat Trump bestens belegt waren und von all diesen Wählern toleriert, ignoriert oder irgendwie rationalisiert wurden).“

„Rationalisierung“ ist aber auch das letzte, was die Süddeutsche bei ihrer Leserschaft gebrauchen kann. Am Sexismus und an der Fremdenfeindlichkeit gibt es ja auch nichts zu rationalisieren, oder doch? Meinereiner wird einen Teufel tun, sowohl „Sexismus“ als auch „Fremdenfeindlichkeit“ so zu verstehen, wie man das bei der Süddeutschen dogmatisch gern hätte. Trump ist nicht der schönste Mann, aber stinkreich. Seine Frau ist eine der schönsten der Welt, war aber vorher nicht stinkreich: Am besten fragt man wahrscheinlich Melania Trump selbst, wie sie es in diesem ganzen Haufen Geld mit Donalds Sexismus aushält. Und bei Iren, Schotten und Schweizern fragt man am besten nach, wie sehr sie unter Donald Trumps Fremdenfeindlichkeit leiden. Schon wären wir bei einem Lieblingswort der Süddeutschen, sowie einem Sachverhalt, der bei der Süddeutschen niemandem gefällt: „Relativieren“. Das wäre es nämlich, was Trumps Sexismus und seine Fremdenfeindlichkeit recht schnell tun würden: Sich relativieren. Ihren „Sexismus“ und ihre „Fremdenfeindlichkeit“ können sie sich bei der Süddeutschen sonstwo hinstecken.

Die Süddeutsche: „Bewahrer des alten Amerikas (20 Prozent) – Hier sammeln sich jene Menschen, die unter dem Begriff „White Trash“ das öffentliche Bild der Trump-Wähler prägen. Zwei Drittel geben an, dass ihnen ihre weiße Hautfarbe sehr wichtig ist und 50 Prozent nennen „europäische Herkunft“ als Grundlage für das Amerikanischsein. Eine Mehrheit hält es für wichtiger, Kindern Gehorsamkeit beizubringen als sie zur Eigenständigkeit zu erziehen. Migranten (egal ob mit oder ohne Dokumente) werden als Konkurrenz wahrgenommen: 85 Prozent sind überzeugte Anhänger des Einreiseverbots für Muslime.

Da sieht man einmal, wie wenig der Begriff „White Trash“ (weißer Abfall) für diese Leute taugt. Tatsächlich ist „europäische Herkunft“ essentiell für das alte „Amerikanischsein“. Warum? Weil Amerika eine Willensnation ist, in der die Leute durch nichts anderes aneinander gebunden sind, als durch die Verfassung. Die amerikanische Verfassung wiederum ist ein Kind der europäischen Aufklärung, mithin also ein europäisches Gedankenkonstrukt. Je weniger Amerikaner aber im europäischen Geiste leben, desto totaler muß die Machtbefugnis des Staates ausfallen, der diese Verfassung durchzusetzen hat. Muslime haben mit europäischem Denken absolut nichts am Hut. Wer das anerkennt, ist nicht „White Trash“, sondern „Weißer Realist“. Wer eine große Zahl von Muslimen nicht in einem europäisch gedachten Land haben will, der ist mitnichten „irgendwie blöd und zurückgeblieben“.

Zitat: „Überzeugte Konservative (31 Prozent) – Diese Gruppe ist nicht nur zahlenmäßig am größten: Ihre Mitglieder unterstützen Trump ohne Wenn und Aber. Sie blicken misstrauisch auf Einwanderer (vor allem auf Muslime), definieren „echte Amerikaner“ als Christen, die den Großteil ihres Lebens im Land verbracht haben und sind überzeugt, dass Weiße gegenüber Latinos und Schwarzen benachteiligt werden (55 Prozent aller weißen US-Bürger denken so). Höhere Steuern lehnt diese Gruppe ebenso ab wie Abtreibung oder die Homo-Ehe. Staatliche Auflagen sind ihnen ein Graus, Obamacare ist für sie der Weg in den Sozialismus und drei Viertel halten Klimawandel für nicht-existent. Diese Ultrakonservativen sind wohlhabender als die „Bewahrer des alten Amerikas“, sie waren während der Vorwahlen oft Fans von Ted Cruz und schätzen es, wenn Politiker keine Kompromisse eingehen. Hier ist der Anteil an Männern am größten und die Nachrichten werden obsessiv verfolgt (vor allem Fox News und Talkradio).“

Und deswegen verhielte es sich bei meinemeinen dann, wenn er Amerikaner wäre, genau so wie bei dieser Gruppe der überzeugten Konservativen. Das sind realistische Überzeugungen und das „Ohne-wenn-und-Aber“, mit dem meinereiner Trump ebenfalls unterstützen würde, hängt nicht ausgerechnet an Trump, sondern an den Schrecknissen, die eine Zukunft „ohne einen wie Trump“ bereithalten würde. Trump ist halt der Mann, den es gibt. Acht Jahre Obama sind ein Desaster gewesen und Donald Trump muß man allein schon dafür schätzen, daß er den USA eine desaströse Hillary Clinton erspart hat. Ob man ihn persönlich besonders sympathisch findet oder nicht, spielt dabei gar keine große Rolle mehr.

 

 

 

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