Dieser Kleber ist ein Witz

Foto: Imago
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Klaus Kleber wolle es mal mit Ironie versuchen und dem Vorwurf eine Mediennutte zu sein, mal in „Verstehen sie Spaß“-Manier begegnen. Leider hat es keiner gemerkt. Die ZEIT erklärt warum

Von Volker Kleinophorst

Klaus Kleber macht einen Witz. Den niemand versteht. An sich noch keine Meldung, ist ja nicht Jürgen von der Lippe der Mann.

Der Kleber-Witz geht so: An der Heidelberger Universität wollte „Deutschlands führender Nachrichtjournalist“ die Studenten mal so richtig aus der Reserve locken und erklärte, „das die Öffentlich Rechtlichen im Besonderen ja die Presse insgesamt selbstverständlich auf die vitalen Interessen des Staates Rücksicht zu nehmen habe.“

Dann wartete er ab, wie bei jedem Witz, ob einer lacht. Oder was sagt. Oder seine Aussagen anzweifelt. Doch kein Protest, keine Kritik, nicht einmal Rückfragen. Nein: diffuse Zustimmung.

„Der eigentliche Schock, sagte Kleber, sei für ihn gewesen, dass die versammelten Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich davon ausgingen, dass Journalismus nun mal als von Politikern gelenkte Meinungsmache funktioniere.“

Ich persönlich finde das eigentlich sogar ziemlich witzig. Weniger komisch finde ich allerdings, dass die Studenten das offenbar nicht nur annehmen, nein sie „lieben den Großen Bruder“ und halten es für richtig. 1984 reloaded.

Für Kleber war dieses schon zwei Jahre zurückliegende Erlebnis ein Angriff „auf seine Journalistenehre“, die ihn dazu brachte das Buch: „Rettet die Wahrheit“ zu schreiben, als wenn die ausgerechnet von einem der bekanntesten Wirklichkeitsverdreher gerettet werden könnte, dessen Nachrichten nur so strotzen von den üblichen Diffamierungsnarrativen wie rechtspopulistisch, Fremdenfeindlichkeit… Wie kommt denn ein „Mietmaul“ wie Kleber auf die Idee, er wäre ein Hüter der Wahrheit ? Mit seiner undifferenzierten AfD, Trump, Putin…. Hetze. Mit solch bahnbrechende Erkenntnissen, wie das die Scharia doch auch nicht anders sei, als der Heidelberger Katechismus. Mit seinem Kampf für Religionsfreiheit, die ja nur die Freiheit einer Religion nach unbegrenzter Ausdehnung ist. Klebers „Wahrheiten“ sind wahrlich bekannt.

Was ist also sein Problem? Kann Kleber nicht zufrieden sein, dass die Gehirnwäsche funktioniert? Müssen die Leute auch noch glauben, es gäbe keine? Nein zur Gehirnwäsche gehört dazu, dass „Partei immer recht hat“. Das ist typisch Sozialismus, das Offensichtliche nicht nur zu ignorieren, sondern jeden der erkennt, dass der Kaiser nackt bis auf seine bleichen Knochen ist, als Lügner, Spinner, Verschwörungstheoretiker zu verhetzen. Erst wenn jede Lüge als Wahrheit bedingungslos akzeptiert ist, dann, ich muss es noch mal bringen, „liebt man den Großen Bruder“.

Jetzt ist Kleber natürlich nicht allein. Wohl auch, um sein Buch zu promoten, springt Kleber in der ZEIT ein Bernhard Pörksken Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen zur Seite, um ganz klar zu machen, an den Vorwürfen, sei ja nun gar nichts dran.

Diesen Text nimmt Hadmud Danish in seinem Blog so ausführlich wie witzig auseinander, dass ich hier mal nur aus seinen Schlussfolgerungen zitiere:

„Ich bin zu Journalisten hingegangen, auf ihre Konferenzen. Ich habe ihnen zugesehen, sie beobachtet. Und habe genau das gesehen, gehört, erlebt: als übermächtige, autoritär agierende Gatekeeper, die kontrollieren, was gesendet und gedruckt wird, und letztlich auch bestimmen, was sagbar und politisch durchsetzbar scheint. Denn genau darauf werden sie abgerichtet, und danach werden sie ausgewählt. Genau so sind die. Intellektuell meist zwischen unterdurchschnittlich und doof, bilden sich aber ein, die Erzieher und Architekten unserer Gesellschaft zu sein. Und das ist nicht überraschend, denn genau das ist Inhalt der Sozial-, Literatur-, Politik-, Medienwissenschaften. Die bilden sich allen Ernstes ein, es sei ihre Aufgabe, die Gesellschaft umzubauen. Deshalb ständig das Erziehungsfernsehen.“

„Was heißt das im Ergebnis? Man kann und soll keinem mehr glauben. Nicht Kleber, nicht dem Fernsehen, nicht diesem Professor. Und nicht der ZEIT.“

Sehr beliebt, um klar zu machen, wie absurd diese „Verschwörungstheorien“ sind:

Frau Merkel ruft nicht morgens an, um die Nachrichten zu besprechen.

Zuerst behauptete das so ja mal gar keiner. Kleber und Co. behaupten, dass so etwas behauptet würde. Das macht man immer gerne, wenn man etwas als Verschwörungstheorie diffamiert, man nimmt einen absurden Aspekt und versucht, daran seinen Hut zu hängen.

Dabei bin ich mir als Insider mehr als sicher, dass die „Presstituierten“, schon wissen, dass es so natürlich auch gar nicht läuft.

Als ob ein Honecker beim Schwarzen Kanal, ein Stalin bei der Pravda oder ein Hitler beim Stürmer angerufen hätte, das macht auch kein Obama, Li oder Un. Nein dieses Modell muss man auf den Kopf stellen, dann macht es Sinn. Man erwartete von den Leuten die man in den Schlüsselpositionen installiert hat, dass die von selber wissen, was man berichtet und wie. Für 600.000 im Jahr von Kleber doch nicht zu viel verlangt. Für den Zusammenhalt und Auffrischung trifft man sich regelmäßig, je nach Wichtigkeit durchaus bei Bilderberg, sonst Atlantikbrücke, Aspen Institut… und den ganzen Showterminen auf denen „Küsschen, Küsschen“ sich eben trifft. Auch Hintergrundgespräche, zugespielte Information sind ein probates Mittel, Verbundenheit zu fördern. Geheimdienste, Think Tanks, Freimaurer, Rotarier, Stiftungen von Bertelsmann bis Soros mischen da aktiv mit. Wie viele Journalisten schon zu Beginn ihrer Karriere mit Stipendien irgendwelcher Studienwerke, später mit lukrativen „Nebenjobs“, oder einer „helfenden Hand“ um eine bestimmte Position zu erreichen, verpflichtet werden, kann man nur schätzen. Ich würde sagen, wenn ich da noch Udo Ulfkottes „Gekaufte Journalisten“ Revue passieren lasse, mindesten die Hälfte aller bundesdeutschen Journalisten verfügen über einen „Korruptionshintergrund“. Man muss diesen Begriff einfach mal etwas „weltoffener“ interpretieren. So läuft’s Business, das weiß auch Herr Kleber.

Damit man mal ein Gefühl dafür kriegt. Ich war früher in vielen Journalistenzirkel unterwegs, habe selbst endlos an Hintergrundgesprächen teilgenommen. Nachdem Merkel in absolutistischer Selbstermächtigung die Grenzen geöffnet hat, war ich doch mal neugierig, was denn zu dem Thema kommt, oder ob es bei der weltfremden Bräsigkeit bleibt, mit der da eigentlich meist die Themen abgehandelt werden.

An einem Abend war der Chef einer Hamburger Illustrierten, die früher mal wichtig war, da und erzählte, wie man sich doch auch ganz persönlich einbringt in diese Willkommenskultur.

Nun musste er erst einmal rügen, die Hamburger hätten ja viele defekte Räder für die Flüchtlinge gespendet und man habe den Syrern deshalb eine Fahrradwerkstatt gespendet. (Also ich hab mein Fahrrad früher mit einem kleinen Werkzeugkasten repariert, aber ich bin natürlich auch kein Syrer). Jedenfalls würden die da angelernt und jetzt die Räder reparieren.

Ausdrücklich habe man die Redaktion aufgefordert, da teilzunehmen, die Menschen kennenzulernen. Das könne auch während der Arbeitszeit passieren. (An der Stelle habe ich kurz aufgelacht. Die Blicke der „Kollegen“, die dieses subversive Lachen offensichtlich im letzten Kahane-Auffrischungskurs zu identifizieren gelernt hatten, waren durch die Bank missbilligend.) Weiter mit einer wirklich unglaublichen Selbstgefälligkeit: Ja und dann wären die so dankbar gewesen. Da hätten die Syrer  für die Redaktion kochen wollen. Jetzt hatten die aber keine Küche. Hat man ihnen, ich glaube eine gemietet (oder einbauen lassen), damit die Syrer ihre Dankbarkeit zeigen konnten. Applaus, Applaus – Muppetshow.

Auf diversen Veranstaltungen auch zum Thema Lügenpresse habe ich dann doch mit dem Ein oder Anderen das Gespräch gesucht. Und musste feststellen: Auch wenn gerade zu der Zeit überall kontrovers diskutiert wurde. Die Journaille wusste schon woher der bunte Wind weht und ist zu 100 % auf Linie. Und beklagte sich natürlich auch immer weidwund über die Lügenpresse. (Die Journalisten die hier und Anderswo deren Job mitmachen, sind natürlich außen vor.)

Dabei war schon die Vorstellung seiner Person lückig. Vor lauter Talent reingerutscht. Was er nicht erzählt hat. Schon seine Eltern und seine Stiefmutter waren bei dem Blatt, das schon früh sein bahnbrechendes Talent entdeckt. Zu seiner islamophilen Haltung ist auch nicht unwichtig, zu wissen, dass er in Marokko ein Hotel hat.

Nochmal zu Kleber. Dass sein Arbeitgeber Staatsfunk ist, kann man schon allein an der Besetzung der Rundfunkräte erkennen. Aber man will diesen Makel loswerden, quasi Propaganda als Enthüllungsjournalismus verkaufen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien AGRA wehrt sich ebenfalls jetzt gegen die „Dauerkritik“ aus Printmedien mit einer eigenen Erklärung. Natürlich kann man um den bei den Öffis beliebtesten Diffamierungsspruch nicht verzichten: Kritiker würden „sich selbst in die Nähe von Rechtspopulisten stellen“. Geht es eigentlich noch peinlicher.

Mit den Kritikern sind ja so Leute wie Springer-Chef Matthias Döpfner gemeint, der neidisch auf die garantierten Einnahmen des Staatsfunks schaut, während die Privatwirtschaft für ihre Linientreue mit Auflagenverlusten zahlt.

Die AGRA selbst hat das mit der staatlichen Beeinflussung schon mal anders gesehen:

„Wir erinnern an unsere Erklärung vom September 2011 und stellen abermals fest, dass der staatliche Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unverändert hoch ist. Staatskanzleien, Parteizentralen, Rundfunkräte und Freundeskreise wirken in einer Weise auf die Berichterstattung ein, die im klaren Widerspruch zum Prinzip der Freiheit der Berichterstattung stehen. Eine Begrenzung des Einflusses der Parteien in den Kontrollgremien ist deshalb dringend geboten.“

Der Vorwurf ist ja schon viel älter, geht zurück bis in die Gründerzeit des  „Staatsrundfunks“?

Sir Hugh Carleton Greene, Generaldirektor der BBC (bis 1969) hat nach dem 2. Weltkrieg den NWDR, aus dem NDR und WDR hervorgingen, aufgebaut:

„In meiner [letzten] Rede im großen Konzertsaal (1948) , wo ich mich vor mehr als zwei Jahren zum ersten Mal an die NWDR-Mitarbeiter gewandt hatte, unterstrich ich – dies übrigens weder zum ersten noch zum letzten Mal – dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk staatlichen und parteipolitischen Zwängen so weit wie möglich entzogen sein muss…
Als ich vom Podium herunterkam, knurrte mir Herr Brauer (Max Julius Friedrich Brauer SPD), der Bürgermeister von Hamburg, leise, aber unüberhörbar feindselig ins Ohr: »Sie werden Ihr Ziel nicht erreichen, Mr. Greene. Sie werden es nicht erreichen.“

Also? Kleber hat entweder gar keine Ahnung oder zeigt auch hier sein sehr eigenes Verhältnis zur Wahrheit.

Ich weiß nicht, ist es vom Dalai Lama, Fritz the Cat oder von meiner Oma:

Wer in der Wahrheit lebt, muss nicht den ganzen Tag darüber reden.

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