Nachrichten für das Vergessen – Die Tagesschau

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Der Einfluss der Parteien auf die Öffentlich Rechtlichen ist mehr als deutlich (Foto: Collage)

Die Berichterstattung der Tagesschau über die Koalitionsverhandlungen liest sich wie eine Saga über edle Helden, die für das Gemeinwohl kämpfen. In Wirklichkeit aber nur wie das Sandmännchen mit seinem Sack voll Schlafsand, den es in die Augen zu streuen gilt.

von Roi Henry

Zwei Wochen haben Vertreter von Union, FDP und Grünen nun schon sondiert. Bei mehreren zentralen Themen hakt es weiterhin gewaltig. Vor allem bei den Grünen wächst der Unmut. Kanzlerin Merkel gibt sich jedoch betont optimistisch.

Das bedeutet jedoch nichts anderes, als daß man sich noch nicht wagt, dem Volk die Wahrheit zu sagen. Nämlich darüber, daß diesen Polithanseln fast alles egal ist und sie nur ihre eigenen warmen Sessel im Blick haben. Und daß die Grünen an Mutter Merkels Brust liegen, aber dennoch andersherum von ihr ausgesaugt werden.

Zwar wurden mittlerweile alle zwölf Themenblöcke einmal besprochen. Arbeitspapiere kamen jedoch längst nicht in allen Bereichen zustande. Nicht nur bei den vermeintlich größten Knackpunkten Migration und Klima hakt es, am Donnerstag wurden auch große Differenzen beim Thema Wirtschaft und Verkehr deutlich.

Wer kann sich denn noch an die Aussagen erinnern, die vor der Wahl getroffen wurden? Zuwanderung und Familiennachzug, Klimapolitik, klare Kante? Zwölf Themenblöcke? Das wird nicht dargestellt. Warum auch? Es soll vergessen werden. Es wird vergessen werden, wenn es nach der Tagesschau geht.

Eines der umstrittensten Themen sei der Klimaschutz. „Die Klimaziele sind einzuhalten“, sagte Trittin. Deutschland müsse hier mehr machen, weil das Land mehr Schadstoffe emittiere. „Wir haben die größten CO2-Quellen Europas, teilweise der Welt, bei uns stehen. Das sind Kohlekraftwerke, und die müssen halt reduziert werden“, betonte Trittin. „Wir müssen alle über unseren Schatten springen“

Klingt groß, ist aber erbärmlich. Das Wahlergebnis gestattet es diesen Kleinparteien keineswegs, so zu reden. Klima kann jedes Kleinkind nachplappern. Wirklich Sinnvolles wird es nicht geben. Es reicht eben nicht, daß Windräder das deutsche Land verschandeln und der Strompreis bald astronomische Höhen erreicht. Von Klimaschwindel gar nicht zu reden. Die Karawane zieht jedenfalls weiter.

Im Gegensatz zu Trittin gab sich Klöckner jedoch etwas optimistischer: „Ich glaube, es müssen alle über den Schatten springen“, sagte sie. Sie sehe nach wie vor die Möglichkeit, „dass man sich einigt“. Es gehöre bei Sondierungen dazu, dass man die strittigen Themenfelder benenne und unterschiedliche Herangehensweisen deutlich mache.

Über einen Schatten springen. Eher in ein gemeinsames warmes Nest aus Diäten und Gehältern. Kein einziger wirklich wichtiger Sachverhalt wird thematisiert. Klima und Blabla. Sie sagen es sogar deutlich, schweifen dann aber raffiniert ab: „Es gehöre bei Sondierungen dazu, dass man die strittigen Themenfelder benenne und unterschiedliche Herangehensweisen deutlich mache.“ Genau, warum wird das nicht so klar praktiziert? Es ist nicht beabsichtigt, für Transparenz zu sorgen. warum auch. Die Tagespropaganda gibt es schon so lange. Der Zuschauer mag dieses Gedöns mit einem Bier und ein paar Chips.

Die Schwierigkeiten bei den Sondierungsgesprächen seien nicht überraschend, so der Grünen-Politiker im SWR. Schließlich sei eine solche Koalition in Deutschland noch nie „zusammengezimmert worden“. Eine Jamaika-Koalition sei wie eine arrangierte Ehe.

Und einer Ehe will der Zuschauer natürlich nicht im Wege stehen. Sein Amen sagen und ansonsten seinen Mund halten. Geht es noch deutlicher, aufzuzeigen, wie verkommen Journaille im Dienste der politischen Kasper steht? Nicht eine konstruktive Frage, keine Kritik, lediglich ein Abnicken des unwürdigen Schauspiels. Klima, Ehe, Blabla. Das sind keine Informationen, das ist Betrug am Leser, am Zuschauer, am deutschen Bürger.

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