So erziehst du deinen Sohn feministisch… oder besser, gar nicht

Foto: Durch Malyshev Oleg/Shutterstock
Heul doch! (Foto: Durch Malyshev Oleg/Shutterstock)

 Bei der Benutzung des Internets können einem ziemlich viele Fehler unterlaufen. Einer der harmloseren ist sicherlich das versehentliche Aufrufen von Seiten jeglicher Couleur (in diesem Fall war es SPIEGEL ONLINE). Da sich die Seite bereits geöffnet hatte und eine gewisse Neugier menschlich ist, arbeitete ich mich durch das Angebot und stieß auf die Überschrift „Feministische Erziehung – lass deinen Jungen weinen“ von bento (das junge Angebot von SPIEGEL ONLINE).

Von Nils Kröger

Das dies nichts Gutes erahnen ließ, ist selbstverständlich. Denn der Titel in der TAB-Leiste lautete: „Harvey Weinstein und Vorurteile: Wie erziehe ich meinen Sohn feministisch?“. Daher weht der Wind. Es ging also um Harvey Weinstein, die (ziemlich weibliche) #metoo-Diskussion bzw. die Verweiblichung der Männer. Bereits die Einleitung des Artikels war „vielversprechend“:

Seit der Affäre um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein diskutieren Menschen (sicherlich 99% Frauen von bento, Intouch, Gala etc.) unter #metoo auf der ganzen Welt (außer der arabischen) über Sexismus in Beruf und Alltag – und darüber, wie Männer und Frauen sich verhalten sollten, wenn sie in einer offenen, toleranten Gesellschaft leben möchten (das durfte natürlich nicht fehlen).*

Wer sich die Debatte genauer ansieht, stellt schnell fest, dass es dabei oft um weibliche Perspektiven geht: Was können Frauen machen, um sich zu wehren?Wie handelt die feministische Frau? Wie erziehe ich Mädchen, wenn ich sie auf das Leben in einer Gesellschaft vorbereiten will, in der Debatten wie diese geführt werden? Doch wer sich damit auseinandersetzt, kommt wohl nicht umhin, sich diese Fragen auch für das männliche Geschlecht zu stellen.*

Allein diese Einleitung lässt mich daran zweifeln, dass die Redaktionsstuben vom SPIEGEL über eine ausreichende Frischluftzufuhr verfügen. Natürlich hat man für folgende epochale Frage eine „Expertin“ zu Rate gezogen.

Wenn wir Mädchen zeigen, wie sie diese Gesellschaft besser, feministischer machen können – was gilt dann für Jungen, für den eigenen Sohn?

Das haben wir Susanne Maurer (oh, kein Doppelname) von der Uni Marburg gefragt. Als Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin forscht sie über Geschlechterverhältnisse in dieser Gesellschaft, aber auch zu anderen Verhältnissen von Ungleichheit und Diskriminierung.*

Ein Blick auf die Vita von besagter Dame erspart jeden Kommentar. Trotzdem sollen erhellende Antworten der „Expertin“ präsentiert werden.

  1. Hilf deinem Sohn, sich in andere Menschen hineinzufühlen.

 Nach dem üblichen Vorwurf, die Männer würden immer zum Dominanzverhalten erzogen, der geniale Vorschlag zur Abhilfe:

„Hilf ihm (dem Sohn) dabei, die Perspektiven so oft wie möglich zu wechseln“, sagt Maurer. „Lade ihn ein, sich in die Situation einer anderen Person hineinzuversetzen, lass ihn mal in den Schuhen dieser anderen Person laufen. Und dann rede darüber: Welche Erfahrung ist das, wie fühlt sich das an?“

 Durch die Blume wird also wieder die wirre Ideologie des „sozialen Konstrukts“ vertreten und jedem Jungen und Mädchen sollte dies erspart bleiben.

  1. Es gibt Vorurteile. Beschönige das nicht.

 Nur Mädchen spielen mit Puppen, nur Mädchen tragen Nagellack? Davon auszugehen, dass der Sohn in Konfliktsituationen, die auf Grund von Vorurteilen entstehen, später schon irgendwie zurechtkommen wird, wäre naiv. Stattdessen kann es die Wahrnehmung des Kindes frühzeitig schärfen, wenn es von diesen Stereotypen weiß und Eltern mit ihm darüber sprechen.*

Kann es sein, dass solche Situationen bei Eltern mit gesundem Menschenverstand gar nicht erst entstehen? Weiter wird gefragt:

Und wie geht das?

„Denk dir nichts künstlich aus“, sagt Susanne Maurer. „Nimm konkrete Situationen zum Anlass.“ Zum Beispiel nach der Kita: Wenn der Sohn nach Hause kommt, und dann erzählt, dass nach dem Spielen im Regen alle Sachen nass waren – und er sich aus der Kleiderkiste mit Ersatzkleidungsstücken für alle Kinder eine rosa Leggins genommen hat, die Erzieherin aber gleich sagte: „Das ist doch nichts für Jungs!“ „Dann greife genau das auf“, sagt Maurer. „Diskutiere, warum die Erzieherin das wohl gesagt haben könnte. Und ermutige deinen Sohn, in solchen Situationen die Farbe wählen zu dürfen, die ihm gefällt – auch, wenn er damit aneckt.“*

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass auch an der Uni Marburg Probleme bei der Sauerstoffversorgung bestehen müssen. Wenn eine Erzieherin in solch einem Kindergarten, in dem die Kinder keine eigenen Ersatzkleidungsstücke haben, diesen Satz fallen lässt, gebührt ihr Lob und Anerkennung. Da erübrigt sich jede Diskussion.

  1. Lies ihm vor, was ihn stark macht.

Es gibt Geschichten, die dazu anregen, sich mit Geschlechterrollen auseinanderzusetzen – spielerisch. Susanne Maurer empfiehlt:*

Auch hier sollten beim Wort „Geschlechterrollen“ sämtliche Alarmglocken schrillen. Das Gute bei der Empfehlung ist, man weiß, welche Bücher getrost in den Hallen der Händler liegen bleiben können. Die Namen dieser Machwerke können bei Bedarf aus besagtem Artikel entnommen werden.

  1. Lass deinen Sohn weinen.

Die getätigte Aussage entbehrt jeglicher Logik und bedarf keiner Erörterung. Denn, warum sollte ein Junge nicht weinen dürfen?

  1. Sei kein Besserwisser. Sag Hoppla.

Und wenn es dann doch einmal passiert, und mir selbst eine blöde Bemerkung herausrutscht? Ein Spruch, „reiß dich doch mal zusammen, Junge!“, den ich gleich darauf vielleicht bereue? „Sowas passiert“, sagt Susanne Maurer. Aber wie geht man dann damit um? Wer das Verhalten gemeinsam mit dem Sohn reflektiere, zeige ihm, wie er selbst später handeln kann, wenn er etwas tut oder sagt, das er eigentlich gar nicht tun oder sagen wollte, sagt Maurer.*

Langsam dröhnt einem der Kopf durch solche Aussagen und man zweifelt nicht nur am eigenen Verstand. Hoppla!

  1. Rege seine Fantasie an.

„Mach dem Kind – ob Junge, Mädchen, oder alles darüber hinaus und dazwischen – klar, dass es viele Möglichkeiten gibt, Mensch zu sein“, sagt Maurer. Welche am besten passt, das finde man nur heraus, wenn man probieren darf.*

Schluss, aus, Ende. Die Grenze des Zumutbaren ist erreicht. Nach dem Studium dieses Artikels hat man das Gefühl, im Aufwachraum nach einer OP zu sein und man(n) stellt fest, am feministischen Wesen soll die Welt genesen. Hoppla!

* Quellen:

http://www.bento.de/future/harvey-weinstein-und-vorurteile-wie-erziehe-ich-meinen-sohn-feministisch-1790881/#refsponi

https://www.uni-marburg.de/fb21/erzwiss/personal/prof/maurer_hp/bio17

 

 

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