Nach 17 Jahren Norwegen – Falscher Somalier will jetzt Asyl in Island

Jouwatch Collage: Mahad Mahamud fühlt sich von Norwegen im Stich gelassen und will jetzt Asyl in Island
Jouwatch Collage: Mahad Mahamud fühlt sich von Norwegen im Stich gelassen und will jetzt Asyl in Island

17 Jahre hielt ein Mann aus dem afrikanischen Dschibuti die norwegischen Behörden zum Narren. Er bekam ein Haus, einen tollen Job und sogar die norwegische Staatsbürgerschaft. Für viele Migranten galt er als Vorbild. Als dem Bioingenieur Mahad Mahamud seine neuen Staatsbürgerschaft wieder entzogen wurde, weil er falsche Angaben zu seiner Herkunft gemacht hatte, löste das eine heftige Debatte in Norwegen aus. Jetzt hat er in Island Asyl beantragt.

Von Bianca Hoe

„Ich war auf dem Weg nach Kanada, wurde aber während eines Zwischenstopps in Island gestoppt. Nachdem ich von meinem Fall erzählt hatte, sagten sie mir, ich könne Asyl in Island beantragen“, sagte Mahamud jetzt zu TV 2.

Mahad Mahamud kam im Jahr 2000 als 14-jähriger unbegleiteter Flüchtling nach Norwegen und erhielt 2008 die norwegische Staatsbürgerschaft. Die Einwanderungsbehörde und das Amt für Migration erhielten im März vergangenen Jahres die Information, dass Mahamud wahrscheinlich aus Dschibuti kommt und nicht aus Somalia, wie er behauptet hatte und erkannten ihm die norwegische Staatsbürgerschaft wieder ab. Er klagte dagegen vor Gericht.

Nach Angaben des Fernsehsenders verlor er nicht nur seinen norwegischen Pass, sondern auch das Haus in Nittedal und schließlich auch die Arbeitserlaubnis. Der Bioingenieur musste daraufhin seine Arbeit im Krankenhaus am 20. Januar in Ullevål beenden.

Mahamud tauchte im Januar diesen Jahres das erste Mal im TV 2 auf, wo er von seinem ‚Schicksal‘ berichtete, als sein schönes Leben nach 17 Jahren in Norwegen in Schutt und Asche fiel. Seitdem ist der 31-Jährige ohne Einkommen und wird von Freunden ausgehalten, die ihn unterstützen.

„Ich habe alle meine Rechte verloren, und es war schwer, ohne Leben in den Straßen von Oslo zu sein. Ich war einfach in Not, und deshalb habe ich beschlossen, Norwegen zu verlassen“, erklärt Mahad Mahamud.

Am Montag sprach er bei der isländischen Einwanderungsbehörde vor und berichtete von seinem schlimmen Leben in Norwegen, woraufhin er umgehend in einem Auffanglager für Asylbewerber außerhalb von Reykjavik einquartiert wurde.

„Die Isländer halfen mir dabei, mein Asylgesuch für die isländischen Behörden auszufüllen“, sagt Mahad Mahamud und erwähnt, dass er gut aufgenommen wurde, als er am Mittwoch landete. „Sie waren sehr nett zu mir und haben mir ein Bett und Brot gegeben und ein bisschen Geld zum Leben.“

Laut Mahamud erhält er wöchentlich rund 750,00 isländische Kronen- knapp 6 Euro- und wartet jetzt auf die Bearbeitung seines Asylantrags.

In Island ist Mahamud das erste Mal. „Es ist eine Vulkaninsel mit kleinen Bäumen. Es ist kalt und es regnet ein bisschen. Das Wetter ist wie im März, aber die Leute sind sehr freundlich“, sagt Mahamud.

Er hofft, dass die isländischen Behörden ihn nicht nach Norwegen zurückschicken werden. „Falls ich zurück muss, werde ich die norwegischen Behörden bitten, mir einen Pass zu besorgen, damit ich wie bisher arbeiten kann. Sie müssen eine Lösung für mich finden“, fordert er.

Mahamud fügt hinzu, dass er alleine im Jahr 2000 als Flüchtling aus Somalia kam, als er gerade 14 Jahre alt war. In Norwegen lebte er in Brumunddal, machte seinen Abschluss als Bioingenieur und galt für andere Somalier als ein Vorbild bis ein anonymer Hinweis an die Behörden seine Lügen aufdeckte.

Im März dieses Jahres waren sich die Einwanderungsbehörde und das Osloer Bezirksgericht einig: Mahad Mahamud stammt in Wirklichkeit aus dem Nachbarstaat Dschibuti und nicht aus Somalia, obwohl die Behörden in Dschibuti das bestreiten.

„Ich habe sie gebeten, mich nach Dschibuti zu fliegen, etwas, was sie nicht getan haben“, sagte Mahamud, der weiterhin standhaft darauf beharrt, aus Somalia zu kommen.

Mahamud Anwältin Arild Humlen geht davon aus, dass die isländischen Behörden ihn auf Grund des Dublin-Abkommens wahrscheinlich nach Norwegen zurückschicken werden. Doch wenn er zugäbe, in Wirklichkeit aus Dschibuti zu stammen, bestehe die Möglichkeit, dass Island im Asyl gewährt.

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