Danke Pegida

Foto: P.I.
Pegida Demo in Nürnberg (Foto: P.I.)

Für mich war Pegida eine Zäsur. Meine naive Vorstellung von Meinungsfreiheit hat meinen Freundeskreis verändert. Selbstentsorgung

Von Volker Kleinophorst

Pegida feierte dreijähriges Bestehen. Ich wollte es erst nicht glauben. Gefühlt gibt es Pegida für mich schon viel länger. Für mich war Pegida von entscheidender Bedeutung, hatte ich mich doch schon vorher gefragt, wann den Menschen in unserem Land endlich mal ein Licht aufgeht, was den Islam und die Islamisierung unseres Landes angeht. Ich, Jahrgang 1957, habe noch in der Schule gelernt, dass mit dem Islam nicht zu spaßen ist: Flamme und Schwert, Türken vor Wien, Karl Martell in Spanien…

So war ich denn ziemlich erstaunt, was für ein Getöse losbrach wegen der nachvollziehbaren Forderung, dass eine Islamisierung Deutschlands nicht wünschenswert sei. Nun bin ich als Journalist eigentlich der Überzeugung, Meinungsfreiheit muss man nicht an jeder Stelle einzeln begründen. Meinungsfreiheit gilt nun mal auch für Meinungen, die nicht jedermann passen.

Also habe ich mich, damals noch bei Facebook siegesgewiss in die Diskussion gestürzt: Pegida durch die Meinungsfreiheit gedeckt? Mein Standpunkt in Kurzform: „Wieso sollen die nicht ihre Meinung sagen dürfen und am Islam gibt es ja nun wirklich eine Menge zu kritisieren. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Als erstes fiel auf, das heute in der Schule wohl andere Inhalte vermittelt werden, als zu meiner Zeit. Besonders die jungen User waren extrem islamophil, eine Einstellung, die ich wirklich nur schwer nachvollziehen kann, besonders von jungen Frauen. Dann merkte ich auf einmal, Mensch von dem haste aber schon länger nichts mehr gehört. Und stellte fest: In Windeseile hatten mich viele entfreundet. Ohne mal anzurufen, oder auch nur die Nachricht zu senden. Diskussion unnötig. Besonders stark vertreten: die Kollegen. Ich bin seit 35 Jahren Journalist und war mit vielen auf FB vernetzt. Noch nicht mal ein „Sag zum Abschied leise Nazi“.

So schnell ist man draußen. Manche davon kannte ich seit Jahrzehnten, deswegen habe ich den ein oder anderen versucht, mal anzurufen. Mehr als ein Anrufbeantworter war nie zugegen. Meiner Bitte um Rückruf inklusive Gesprächsangebot wurde nicht einmal entsprochen.

Im Presseclub das gleiche Bild. Kein Diskussionsbedarf. Ein Kollege: „Nicht jede Meinung ist von der Meinungsfreiheit gedeckt.“ In kleiner Runde: „Du, nicht uninteressant, was du da sagst. Müssen wir mal in Ruhe drüber reden.“ Früher oft zusammen Champions League geguckt, schon zu Zeiten als es noch Europapokal hieß. Nie mehr getroffen.

Dafür bin ich Pegida doppelt dankbar:

  1. Jetzt weiß ich, was ich vorher schon befürchtet hatte, dass viele „Kollegen“ ein rückgratloser Haufen sind, denen es im Wesentlichen um Gehalt und Status geht. Dafür springen sie über jedes Stöckchen, was ihnen hingehalten wird.
  2. Wie überflüssig Facebook doch ist und das es dort auch nicht um einen demokratischen Austausch von Meinungen ging. Obwohl selber nie gesperrt, wurde mir das Geplärre von Pro Asyl und Co. einfach zu blöde. Ich habe mich abgemeldet und es keinen Tag bereut. Dabei hatte das in den Anfängen ja wirklich mal Spaß gemacht.

Erstaunlich: Mit dem Abfeuern der Migrationswaffe im Herbst 2015 und den darauf folgenden Fikki Fikki Sylvester war ja doch so Einiges wahr geworden, was Pegida angeblich so rassistisch an die Wand gemalt hat.

Reaktionen von den ehemaligen „Freunden“. Keine. Einem Kollegen geht es ähnlich. Seitdem witzeln wir immer: „Und hat sich schon einer bei dir entschuldigt?“ „Nö, immer noch alle beleidigt.“ Lustig fand ich, als ich Nicolaus Fest, wegen eines islamkritischen Kommentars bei Bild entfernt, las, das Fest regelmäßig von einem Unbekannten eine Postkarte bekommt: „Und hat sich die Bild-Redaktion schon bei Ihnen entschuldigt?“ Raten Sie mal. (Ist schon etwas her, dass ich es bei Fest gelesen habe, würde mich aber wundern, wenn es sich geändert hätte.)

Einen ehemaligen Kollegen traf ich auf einer Wahl-Veranstaltung: „Nun, wie sieht es aus. Immer noch nicht begriffen, wie gefährlich die Situation ist?“ „Lass mich doch einfach mit deinen rechten Verschwörungstheorien in Ruhe. Mein Leben (in HH-Pöseldorf) betrifft das nicht.“ „Kommt noch, kommt noch.“

Eigentlich doch urkomisch. Ich wurde eigentlich bis vor drei Jahren seit meiner Schulzeit als Kommunist (war ich nie) beschimpft, wenn ich mich zum Beispiel in der Firma dafür einsetzte das Überstunden und Sonntagsarbeit gefälligst zu bezahlen seien. War auch nie so für Globalisierung (jedenfalls nicht so) oder Neoliberalismus.

Innerhalb von Tagen durch das komplette politische Spektrum geflogen zu sein, ohne mich selbst auch nur einen Millimeter bewegt zu haben, auch diese Erfahrung hätte ich ohne Pegida nie gemacht.

Also auch von meiner Seite: Danke, meinen Glückwunsch und nicht unterkriegen lassen.

Wandere aus, solange es noch geht!
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