Pegida: Die junge Handelsblatt-Luise aus Dresden

Foto: Imago
Kämpferisch, nicht pöbelig: Pegida-Demo in Dresden (Foto: Imago)

Im Handelsblatt ist ein selten dämlicher Jungfrauen-Artikel zum dreijährigen Jubiläum von PEGIDA erschienen. Verfasst hat ihn anscheinend irgendeine junge „@Luise“. Jedenfalls läßt sich kein anderer Autorenname identifizieren. Eine väterliche Medienkritik.

von Max Erdinger

Schon der Titel von @Luises Empörungswerk ist von herausragender Dämlichkeit – Zitat: „Wie Hass in meiner Heimat Dresden normal wurde.“ – Zitatende.

Wollen mal so sagen, Luise: Der Hass ist überall normal. Wer friedliebende Leute mit seinem abgefeimten Blödsinn laufend auf die Palme bringt, erntet mit dem Hass eine völlig normale Reaktion. Den unlauteren Blödsinn, wonach immer derjenige, der sich in seinem Hass unwohl fühlt, auch schuld an seinem miserablen Gefühl sei, kannst du deinem Friseur erzählen. Richtig hinterfotzig ist es nämlich, erst Hass zu stiften -und sich dann scheinheilig darüber aufzuregen, daß es einen gibt. Hätte es nie anderswo als in Dresden PEGIDA-Demos gegeben, würde ich sogar sagen, Dresden ist die einzige Stadt in Deutschland, wo noch ganz normale Leute wohnen. Hass ist zwar kein wünschenswertes -, dennoch aber ein ganz normales menschliches Gefühl.

Die Luise vom Handelsblatt – Zitat: „Wut, Hass, Intoleranz: Seit drei Jahren protestieren „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden. Das Schlimmste: Sie ruinieren den Ruf meiner Heimat.“ – Zitatende.

Da nun Dresden bei mir und Millionen Anderer einen ganz ausgezeichneten Ruf hat, kann ich dir versichern, daß es sich dann, wenn jemand Dresdens Ruf ruiniert, um Leute deiner schrägen Denkungsart handelt. Das kannst du dir abschminken, Luise, daß ich es dir überlasse, zu definieren, wer wessen Ruf ruiniert. Wir haben Meinungsfreiheit, offiziell wenigstens. Kannst du dir das vielleicht mal merken?

Die nunmehr aufmerksame Luise, bevor sie sich etwas gemerkt hat – Zitat: „Am Anfang hielten wir Pegida für einen schlechten Scherz. Ich hatte gerade angefangen in Dresden Politikwissenschaft zu studieren, als die pöbelnden Fahnenträger im Oktober 2014 die ersten Male Wut und Hass auf die Straße trugen. In den Seminaren, der Bibliothek, der Mensa — Pegida war das Thema schlechthin.“ – Zitatende.

Du bist also so ein politisch-korrektes Jungvögelchen, wie es sie nach Jahrzehnten destrutiver Bildungspolitik heutzutage in Massen gibt. 2014 mit dem Studium angefangen, wie? Da bist du doch dieses Jahr erst richtig volljährig geworden, oder? Glückwunsch  nachträglich!

Die Sache ist die, Luise: Ich war selber schon in Dresden bei einer montäglichen PEGIDA-Demo. Fahnenträger habe ich dort zwar gesehen, gepöbelt hat aber keiner davon. Wut und Hass hat auch keiner auf die Straße getragen. Ich kann dir aber sagen, wer Wut und Hass auf die Straße getragen hat. Das war nicht in Dresden, sondern in Hamburg bei den G20-Krawallen. Nicht ein einziger pöbelnder PEGIDA-Fahnenträger unter den „Wut-und-Hass-auf-die-Straße-Tragenden“, ehrlich! Allerdings ist es ein alter Hut, daß sich junge Schnatterliesen gern über eingebildete Ärgernisse unterhalten. Bei hanebüchenen Sexismusdebatten zum Beispiel.

Die ganz und gar empörte Luise – Zitat: „Aber wir dachten uns: Wenn der Winter kommt, sind die weg. Wer geht schon im Schneeregen freiwillig stundenlang durch die Stadt? Und das an einem Montagabend? Was haben wir uns getäuscht.“ – Zitatende.

Was lernen wir also, Luise? Du sollst nicht von dir auf andere schließen. Daß du keine Artikel schreibst, wenn du es dabei nicht warm und gemütlich hast, hättest du mir nicht erst erzählen müssen. Das habe ich vorausgesetzt. Stell´dir vor: Es gibt Leute, die für ihre Überzeugungen demonstrieren, obwohl die Sonne nicht scheint. Du würdest natürlich sagen: Gottogott, müssen die einen Hass gehabt haben, bei so einem Sauwetter draußen rumzulaufen. Es ist anders, Luise: PEGIDA-Demonstranten sind halt nicht so dekadente Mimöschen wie du. Ihr Anorak heißt auch dann nicht Hassorak, wenn´s schneit. Das ist alles.

Die Zählerbsen-Luise – Zitat: „Zu Spitzenzeiten folgten mehr als 20.000 Menschen den Aufrufen von Gründer Lutz Bachmann. Inzwischen ist das Interesse zwar deutlich zurückgegangen, doch an diesem Samstag wird die Bewegung drei Jahre alt.“ – Zitatende.

Mit den Spitzenzeiten hast du aber auch sowas von recht. 30.000 sind deutlich mehr als 20.000. Quizfrage: Um wieviel mehr sind 30.000 als 20.000? Wenn du selber nicht draufkommst, frag´einfach den politisch-korrekten Mathematiker deines Vertrauens.

Nachdem uns die brave Luise nun erzählt hat, daß die beliebtesten Demoplätze Dresdens wegen weit wichtigerer Veranstaltungen bereits belegt seien, stellt sie fest – Zitat: „Wo Pegida feiert, ist also noch unklar. Ohnehin ist „feiern“ das falsche Wort. Schließlich klingt es nach Ausgelassenheit und Lachen, nach Sekt und Chips. Geht es um Pegida, wäre „trauern“ wohl das bessere Wort.“ – Zitatende.

Bei PEGIDA ist man tolerant. Du kannst dich unbesorgt greinend mit einer Großpackung Tempo-Taschentücher unter die Feiernden stellen und dabei ein Schild hochhalten, auf dem zu lesen ist: „Ich bin´s, die traurige Luise vom Handelsblatt!“.

Luise nun aber verzweifelt – Zitat: „Drei Jahre, das sind ungefähr 150 Montage. 150 Montage, an denen mal hunderte, mal tausende Menschen ihre Parolen durch die Gassen brüllen. Sie wollen die Grenzen schließen, die „Asylanten“ rausschmeißen und die „Lügenpresse“ am besten gleich ganz abschaffen. Manchmal haben sie auch gleich einen Galgen für die so verhassten Politiker dabei.“ – Zitatende.

„Lügenpresse ganz abschaffen“ ist ja jetzt Quatsch. Du mußt zugeben, daß „ein bißchen Abschaffung“ von ganzer Verzagtheit zeugen würde. Bei den PEGIDA-Demonstranten gibt es aber keine Verzagten. Das kann man daran sehen, daß sie auch bei Schneeregen draußen umherlaufen. Der Galgen, von dem du redest, war übrigens nur etwa einen Meter hoch und aus Pappe. Unter dem hätte sogar Heiko Maas noch ganz ohne Luftnot stehen können. Das war mehr symbolisch gemeint, Luise. Beruhige dich!

Aufregen kannst du dich über geworfene Molotow-Cocktails und geworfene Pflastersteine. Erstere sind nicht aus Pappe, sondern aus splitterndem Glas und brennbarem Benzin und Zweitere sind härter, scharfkantiger und schwerer als jeder Papperlapapp-Galgen. Für das vollauthentische Aufregungsgefühl hättest du also nach Hamburg fahren müssen, anstatt in Dresden einen auf Mimimi zu machen.

Luise, offenbar ganz schlecht belichtet – Zitat: “ Dresden wurde zum Inbegriff für Dunkeldeutschland.“ – Zitatende.

Das ist kein Wunder, wenn Dresden deine Heimat ist. Hat dich bei Dunkelheit eigentlich schon mal jemand übersehen, Luise?

Anstatt zu antworten, zeigt die Luise nun aber ihr auswendig gelerntes Differenzierungsvermögen her – Zitat: „Zwar darf man Pegida nicht über einen Kamm scheren: Das sind nicht alles Nazis.“ – Zitatende.

Mach´Sachen! Das sind nicht alles Nazis? Mach´dich nicht unbeliebt beim Handelsblatt!

Die differenziert fortfahrende Luise – Zitat: „Der Ton ist schriller und aggressiver geworden, ausländer- und islamfeindliche Äußerungen gehören auf Platz eins jeder Pegida-Tagesordnung.“ – Zitatende.

Feindliche Äußerungen gegen alles außer den Islam kannst du dir beim Islamischen Staat anhören, Luise. Bald auch in deiner Heimat. Nach den Gebietsverlusten im ursprünglichen Kriegsgebiet verteilen sich die IS-Kämpfer gerade großflächig in der gesamten westlichen Welt. Und das mit dem Ausländerhass stimmt ja nun gar nicht. Einer der beliebtesten PEGIDA-Demonstranten aller vier der drei Jahreszeiten ist der Ed gewesen. Ed ist Ausländer. Er kommt aus den Niederlanden und ist oft sehr freundlich empfangen und fotografiert worden. Da kannste mal sehen. Wo du nur deine Informationen her hast? Ich muß schon sagen …

Die unverdrossen weiter vor sich hin differenzierende Luise  – Zitat: „Doch viele Teilnehmer sind einfach unzufrieden mit der Demokratie, den Politikern, dem System. Pegida ist zum Großteil wie die AfD als Demo. Aber das macht die Sache eben kaum besser.“ – Zitatende.

„Besser“ ist die Steigerung von „gut“, Luise. Was du sagen wolltest, ist wahrscheinlch gewesen, daß eine AfD als Partei kaum weniger schlimm ist als eine AfD als Demo, die sich PEGIDA nennt. Nichts zu danken.

Die besorgte Heimatluise – Zitat: „Denn Pegida hat einen Keil in die Dresdner Gesellschaft getrieben.“ – Zitatende.

Du mußt schon ein bißchen über die Kirchturmspitze hinausschauen. Einen sehr viel größeren Spaltkeil hat Frau Merkel in die gesamte deutsche Gesellschaft getrieben. Deswegen sitzt die AfD jetzt mit über 90 Abgeordneten im Bundestag. PEGIDA ist die Folge des großen Merkelkeils. PEGIDA treibt keine Keile in Stadtgesellschaften, sondern fordert Einigkeit der Stadtgesellschaften gegen Merkels Generalspalterei. Das ist ein Unterschied, Luise!

Die Luise über Demonstrationen gegen PEGIDA: „Aber trotzdem ist die Stadtgesellschaft seltsam schweigsam. Natürlich gab es einzelne Großdemos, auch diesen Samstag werden gleich fünf Demonstrationen den Pegidisten ihren Geburtstag verderben.“ – Zitatende.

Von fünf individuellen Einzeldemonstranten, die sich jeweils für eine komplette Gegendemo halten, hat sich PEGIDA noch nie einen Geburtstag verderben lassen. Sei ganz beruhigt, mein Sorgenkind.

Die Luise, zum Ende hin eher resignativ – Zitat: „Aber die Gegendemos haben im Vergleich zu Pegida kaum noch Zulauf. Das ist das Schlimmste an Pegida: Man hat sich daran gewöhnt. Einmal war ich montagabends am Dresdner Hauptbahnhof unterwegs, nichtsahnend auf der Suche nach einem Kaffee.“ – Zitatende.

„Nichtsahnend“ scheint deine Lieblingsseigenschaft zu sein, habe ich recht?

Ahnungslos und hochverdrossen ist Luise auch erschrocken – Zitat: „Plötzlich rief jemand durch ein Mikro, dass man den „Vergewaltigungs-Dschihad“ stoppen müsse. Er erntete Grölen, als hätte Dynamo gerade ein Tor geschossen. „Stimmt ja“, dachte ich mir dann: Es ist Montagabend. Pegida-Zeit.“ – Zitatende.

Wie sah es eigentlich zur selben Zeit am hauptbahnhöflichen Montagabend mit dem Vergewaltigungs-Dschihad aus, Luise? Könnte es sein, daß wegen der vielen PEGIDA-Demonstranten gerade keiner stattgefunden hat? Hast du dir das mal überlegt?

Du kannst mir gerne eine private Mail schreiben. Der liebe Max hilft der verzagten Ahnungslosen traditionell gern bei der Suche nach dem Kaffee. So ein Lieber bin ich, obwohl ich PEGIDA klasse finde. Das sprengt dein Weltbild, stimmt´s? Freundlich und väterlich gestimmte Grüße vom alten Sprengmeister an die junge @Luise in Dresden!

 

 

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