Michael Klonovsky: Närrische Kolumnistin

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Neulich in der "Spiegel"-Redaktion (Foto: Durch Sunny studio/Shutterstock)

Nun – endlich! – hat erstmals eine Spiegel online-Kolumnistin und nicht eben unbekannte Schriftstellerin zu Gewalttaten gegen Rechtsintellektuelle sowie deren Verlage aufgerufen, ein bisschen vermurkst und verdruckst zwar, doch mit hinreichender Deutlichkeit. Sybille Berg, ein skurril-kentaurisches Wesen aus großartiger Romanautorin und närrischer Kolumnistin, bezeichnet die Petition der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen gegen den linken Vandalismus auf der Frankfurter Buchmesse (Acta diurna vom 17. sowie 13. Oktober) als eine Aktion „für das Recht der Rechten, ungestört Menschenhass zu verbreiten“, und die darin erhobene Forderung, bei der intellektuellen Auseinandersetzung zivilisierte Standards einzuhalten, verhöhnt sie als einen Ruf nach „Zonen der Ruhe, damit Rechte sich entfalten können und Feuerchen vor Heimen legen und Juden angreifen“ – weil ja Manuscriptum-Autoren wie z.B. der Verfasser dieser besinnlichen Zeilen speziell Jüdinnen dermaßen auf die Pelle zu rücken pflegen, dass es einen Goj graust.

Von Michael Klonovsky

Nachdem sie sich solcherart in Kampfeslaune versetzt hat, legt unsere Walküre vom Zürichsee ihr eigenes Feuerchen mit den Worten: „Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat. Es wird nichts mehr von alleine gut. Die Regierung wird uns nicht retten. Allein eine Neudefinition des Begriffs linker Aktivismus kann den Schwachsinn des Hasses und der Menschenverachtung stoppen. (…) Die Zeit des Redens ist vorbei. Es geht um die Rettung der Menschlichkeit.“ (Den ganzen Seim finden Sie, so Sie ihn suchen, hier.)

Davon abgesehen, dass die zur Hatz anfeuernde Antifa-Schildmaid die ersten 22 Jahre ihres Lebens in der DDR verbracht hat und als Intellektuelle bei menschheitsanmenschelnden Erlösungsfloskeln das totalitäre Gras wachsen hören müsste, davon ferner abgesehen, dass die Formulierung, eine Heilsbewegung begegne „Faschisten mit dem einzigen Argument, das Rechte verstehen“, semantisch ungefähr so stimmig ist wie der Satz, ein Skinhead begegne Katrin Göring-Eckardt mit dem einzigen Argument, das Boris Palmer versteht, und überdies noch davon abgesehen, dass zumindest für Mad. Berg die Zeit des Redens leider nicht vorbei sein, sondern sie ihre immergleichen Kolumnen in ennuierender Zähigkeit Woche für Woche hervorkreißen wird, anstatt Romane zu schreiben und die Hasskommentare einer Kanaille wie Georg Diez zu überlassen, der im Gegensatz zu ihr ja nichts anderes kann (und bei Lichte besehen auch das nicht wirklich hinreißend)… – ich erlaube mir, neu anzusetzen: Von all dem abgesehen ist unsere schneidige Schwertleite also der Ansicht, dass einzig eine rote SA die von ihr halluzinierte Wiederkehr der braunen Stiefschwester zu verhindern und jene Menschlichkeit zu retten imstande sei, welche derzeit speziell bei der ungebremsten Einfuhr von u.a. Antisemiten, Frauenauflauerern, Schwulenklatschern, Antänzern, Messerstechern und wallebärtigen Glaubenszweifelzerstreuern ihre Opferfeste feiert.

Was genau begehrt die wonnige Maid? Saalschlachten? Bürgerkrieg? Schwimmkurse im Landwehrkanal? Aber wo! Frau Berg, Friede sei mit ihr, fingiert ja nur, das reale Verhältnis der Kräfte nicht zu schnallen, sie weiß sehr wohl, dass die Gegenseite, AfD, Pegida et al., allein schon aus Altersgründen ostentativ friedfertig auftritt (die Nazis waren eine allzeit handgemengetaugliche Jugendbewegung, doch nach dem zweiten Bandscheibenvorfall mischt sich niemand gern in ein solches), was ja im Falle unserer Niveauspagat-erprobten Spiegel-Gerhilde mühelos daran zu erkennen ist, dass sie sich überhaupt traut, eine solche Gewaltanfeuerung in die Öffentlichkeit zu tröten. Tatsächlich kann sie sich sicher sein, dass ihr und all den anderen so ungeheuer couragierten Kolumnisten „gegen rechts“ nach dergleichen Maulheldenmutbekundungen außer Beifall von den Kollegen buchstäblich nichts droht – ich bitte den geneigten Besucher meines kleinen Eckladens um Pardon, dass ich mich zu gewissen Wiederholungen genötigt sehe –, weil der „Kampf gegen rechts“ eine garantierte Überzahlveranstaltung ist, mit Lob von allen offiziellen Seiten sowie einem kleinen Shitstorm seitens derer mit den Bandscheibenschäden, welchen unsere zeitgeistgeschützten Zündler dann als jene Gefahr verkaufen, der sie mutig die Stirn geboten haben. Von H. Maas bis zwar nicht mehr ganz an die Memel, aber immerhin an den Zürichsee verschanzen sich diese Held*innen hinter ihrer schwarzgekleideten Bodentruppe, deren Treiben sie mit der klammheimlichen Freude des versetzten Täters verfolgen, der selber weder zur Tat taugt noch eine einzige Attacke aushalten würde. In Frau Bergs Tagträumen sind die „Rechten“, vor denen sie so schneidbebend warnt, die einzigen Ziele von Gewalt. Womöglich muss man sogar ein bisschen Mitleid mit unseren einstigen Wortführern und linken Lautsprechern haben, Brexit, Trump-Wahl, AfD-Einzug in alle Parlamente und der nun doch – Hunde wie Bellen beißen nicht – stattgehabte Rechtsruck in Österreich, das ist alles ein bisschen viel gewesen für unsere Weltheilsplandurchschauer i.R. (Wir werden es beim mählichen Erstarken des radikalen Islam in den nächsten Jahren beobachten, dass diese Couragesimulanten bei einer echten Gefahr keinen Mucks von sich geben; das ist deren Art von „Islamophobie“.)

Als Freund des Fairplay finde ich diese Kräftekonstellation ein bisschen ungerecht. Zwar hat bislang die Polizei im Rahmen der ihr von sozialdemokratischen Innenministern gestatteten Möglichkeiten AfD-Veranstaltungen solide geschützt, doch solange die von Frau Berg ganz unnötigerweise aufgehetzte Seite kein Risiko eingeht, ist es doch langweilig. Wenn die feminisierten biodeutschen Jünglinge nichts mehr taugen, müssen auf der Rechten eben Auxiliarkräfte rekrutiert werden, Russlanddeutsche, Osteuropäer, Sachsen, Kurden, Israelis, Hooligans, Rocker und Assassinen. Oder was meinen Sie, Frau Berg? Und wissen Sie, von welchem großen Humanisten der Satz „Pas de liberté pour les ennemis de la liberté“, den Sie ja hier in Variation vortragen, eigentlich stammt?

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