Krefeld: Zwei Grundschulen vom Martinszug ausgeladen

Jouwatch Collage: Martinszug Symboldbild
Jouwatch Collage: Martinszug Symboldbild

Der Bürgerverein in Lehmheide hat jetzt die beiden Grundschulen „Buchen- und Regenbogenschule“ von der Teilnahme am Martinszug ausgeladen. Grund ist unter anderem, dass die Schulen wegen Migrantenkindern, die Angst vor Feuer haben, nur eine Teilstrecke mitgehen wollten.

Von Bianca Hoe

Jedes Jahr findet ein St. Martinsumzugs mit Laternen statt, das weiß in Deutschland jedes Kind. Zukünftig wird es hier scheinbar jedoch Kinder geben, denen unser Brauchtum fremd bleibt, obwohl sie hier in Deutschland aufwachsen und zur Schule gehen.

Der Martinszug der Stadt Krefeld ist einer der größten und traditionsreichsten und sehr beliebt über die Stadtgrenzen Krefelds hinaus. Bisher war es in jedem Jahr so, dass die Grundschulen an dem Zug teilnahmen, was für die Kinder immer wieder eine spannende Erfahrung war. In diesem Jahr laufen jedoch die Kinder aus zwei Grundschulen allerdings nicht mit, denn der Bürgerverein Lehmheide hat sie kurzerhand ausgeladen. Was war passiert?

Der Ausladung waren Entschuldigugen und Mitteilungen der zwei Grundschulen voraus gegangen, in denen sie dem Bürgerverein mitteilten, dass sie nur noch eine Teilstrecke mitgehen und somit sowohl die nachgespielte Mantelteilung als auch das Martinsfeuer nicht ansehen möchten.

Der Leiter der Martinskommission Klaus Hess ärgert sich über den mangelnden Respekt gegenüber unserem Brauchtum. Er sieht vor allem haftungsrechtliche Bedenken, da die Regenbogenschule angekündigt hatte, an der Ecke Gladbacher- und Ispelsstraße entlang der Gladbacher Straße zurück zum Schulgelände zu laufen. „Was, wenn einem Kind dort etwas passiert?“, wird Klaus Hess zitiert.
Er sorgt sich betreffend der Verantwortung seitens des Martinskomitees und sieht sich nicht in der Lage, weitere, zusätzliche Ordner für diese Sonderwünsche bereit zu stellen. Die Polizei unterstützt seine Bedenken und steht dem teilweisen Ausscheren von Gruppen aus dem Zug, ablehnend gegenüber.

Es ärgert ihn besonders, dass die Schulen den Martinszug noch vor dem Erreichen des Feuers verlassen wollen und er vermutet Alibigründe, die er auch benennt. Seinem Gefühl nach wollen die beiden Schulen das Martinsfest schön kurz halten, damit sie nicht an einem Samstagnachmittag zu viel Zeit verschwenden müssen. Klaus Hess denkt dabei mit Wehmut an die Kinder, die mit viel Leidenschaft ihre Laternen basteln.

Die Schulrektorin der Regenbogenschule, Silke Spira, verwies darauf, „dass sie im letzten Jahr die Laternen tragen musste, da es den Kindern zu weit war“ und wiederholt von den Kindern gefragt wurde, wie lange der Weg noch wäre. Neben quengelnden Kindern bemängelte sie auch das Verhalten der Erwachsenen, die sich im letzten Jahr am Feuer in die erste Reihe drängten, so dass die Kinder nichts mehr sehen konnten. Es sei zudem „zu dunkel“ und „es war schwierig, Kinder im letzten Jahr in der Dunkelheit zu finden“. Als weiteren Grund sagt sie, dass zudem Kinder von Flüchtlingen an der Schule seien, die Angst im Dunkeln und vor Feuer hätten. Sie hatte sich bereits im letzten Jahr darum bemüht, mit dem Planungskomitee Kontakt aufzunehmen, um diese Probleme anzugehen, aber ihr wurde gesagt, sie sei zu früh. Die Regenbogenschule hatte daher in diesem Jahr beschlossen, nicht die gesamte Strecke des Martinszugs mit zu laufen und stattdessen eine Martins-Szene auf dem eigenen Schulhof zu organisieren.

Der Weg des Martinsumzugs beträgt in etwa fünf Kilometer. Die Regenbogenschule wurde in den vergangenen Jahren immer vom Zug am eigenen Schulgebäude abgeholt und musste generell nur etwa zwei Drittel der Strecke laufen.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...