BILD – die Zahlen sind viel schlimmer!!

Wer am Boden liegt, hat‘s schwer. Erst recht, wenn er nicht mehr aufstehen kann – wie BILD. Am Tag nach dem ich bei PI-NEWS schrieb: „Über 10% Minus: Es rast ein Zug nach Nirgendwo …“ bekam ich eine SMS: „Vertraulich! Es sind 14,4 Prozent…“

Von Peter Bartels (PI-News)

„Jemand“ hatte aus dem Vertrieb das wahre Minus gesteckt bekommen: Nicht Minus 188.000, sondern Minus 240.000! PI-NEWS hatte 10,5 Prozent geschrieben. Wie JOUWATCH. Wie MEEDIA. Die Auflagen-Buchhalter von IVW hatten diese Zahlen für das 3. Quartal gemeldet … Nur noch 1,6 Millionen Käufer! In Wahrheit also 1,5 Millionen. Und rechnet man die 80.000 der BZ, die 50.000 von Fußball BILD raus, die Springer immer rein rechnet, um die BILD-Auflage aufzuhübschen, sackt BILD auf katastrophale 1,37 Millionen.

Und das ist noch furchtbarer als befürchtet.

Richtig ins Grübeln aber kommt, wer nachliest, was MEEDIA am 15. Februar 2017 um 14.48 Uhr meldete: „Die Auflage sank im 4. Quartal 2016 zum Vorjahr um rund 186.000 auf 1,6 Millionen.“ Nochmal: MEEDIA schrieb das über 2016!! Für mich und andere Klippschüler: BILD sinkt offenbar seit drei Quartalen nicht mehr tiefer als 1,6 Millionen. Obwohl BILD laut IVW jedes Quartal um 10 Prozent verlor …

Nun ja, IVW kann nur melden (und glauben), was die Verlagshäuser den Auflagen-Buchhaltern liefern. Vertrauen gegen Ehrlichkeit. Die Anzeigenkunden brauchen belastbare, also ehrliche Zahlen. Schießlich müssen sie jeden Quadratzentimeter Zeitung teuer bezahlen. Also was tut einer, dem das Wasser Unterlippe Oberkante steht? Er stellt sich auf einen Schemel. Der erste Schemel hieß BZ … der zweite Fußball-Bild. Und dann?

Verantwortlich für den schleichenden Tod der BILD – Kai Diekmann

Ja, was … wenn die verdammten Leser trotzdem immer schneller weg laufen … Wenn man sie weder mit iPads und Reisen noch mit Millionen-Spielen zum Bleiben überreden kann?… Wenn weder eine Frau als Chefredakteurin den Exodus stoppen kann, noch ein Chefredakteur der rote Socken trägt? Was tun, sprach Zeus, legte den Bauch in Falten und verschwand darin …

Der schleichende Tod kam vor 17 Jahren zu BILD: Kai Diekmann, der erste Chefredakteur mit glatt gegelten Löckchen im Chefsessel. Unfaßbare, handwerkliche Fehler – die Eisenstange in Trittins Händchen war ein Seil … Ein Blatt für Leser, die BILD nie hatte – Smarties mit perfektem Denglisch … Und immer mehr Politik, links vorbei an der Mitte, Muttchen Merkel hinterher; ein gönnerhaftes Schulterklopfen vom Mainstream war „Pulitzer mit Brillanten”! Nur: Journalisten KAUFEN keine Zeitungen, sie MACHEN Zeitungen …

Doch obwohl die Leser längst in Scharen liefen, ließ der Herr Chef sie in Dresden als Nazi-Gröler verteufeln .. … Und obwohl er es längst besser wußte, hieß er seine Redakteure lauter „Facharbeiter, Ärzte, Ingenieure“ lügen. Und die jungen, strammen Analphabeten überfluteten weiter Deutschlands Grenzen, die Dom- und Bahnhofs-Platten, die Parks und Pedalenwege. Dann sogar BILD für Moslems, die nicht lesen konnten. Maulkorb für Redakteure, die nichts sagen durften. Pranger für Leser, die auf Facebook schäumten. Aber Kaischi warf weiter Welcome-Teddys, verschwieg einen Nafri nach dem Afri.

Ausgerechnet im 3. Quartal schlechteste Auflage des Jahres

Endlich, nach 15 endlosen Jahren, machte der Totengräber sich von Gottes kleinem Acker. Seine hübsche Büroleiterin sollte den bis zu den Radnaben im Schlamm steckenden Karren wieder flott lächeln, sein embedded Trump- und Putin-Hasser sollte in die Speichen greifen. Und ein Nicolaus Schäl machte auf Sportpalast: Wir wollen den totalen Sieg …

Nun also die IVW-Quittung im 3. Quartal… Dazu muß man wissen, dass Massenzeitungen gute und schlechte Zeiten haben: 1. Quartal (Januar, Februar, März) durchwachsen; Glatteis, Schnee und Karneval. 2. Quartal (April, Mai, Juni) geht so; Ferien, Urlaub, Stau. 3. Quartal (Juli, August, September) volle Pulle; alle wieder auf Abbeit, der Verkauf löppt. 4. Quartal (Oktober, November, Dezember) keine Zeit für Zeitung; Geschenke, Glühwein, Weihnacht und Silvester. Die vier Jahreszeiten des Boulevards …

Das 3. Quartal ist fast immer das beste des Jahres. Und ausgerechnet hier daddelten sie die schlechteste Auflage des Jahres. Trotz Bundesliga, Bundestagswahl und AfD im Bundestag. 180.000 oder 240.000 – der Unterschied ist eigentlich wurscht. Seit 17 Jahren geht’s nur noch runter: Von 5,3 auf fast 1,3 Millionen. Noch fünf Jährchen bis Buffalo. Wallraff kann schon mal das Bierchen kalt stellen. …

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