Die ganz unglaubliche Frau Berg

Collage: Sibylle Berg
Collage: Sibylle Berg

Es gibt beim SPIEGEL seit Jahren eine sensationelle Kolumnistin. Sie heißt Sibylle Berg. Das Sensationelle an ihr ist, daß sie laufend am Gegenteil dessen leidet, was tatsächlich ist.

von Max Erdinger

Sibylle Berg ist Autorin, Dramatikerin und Regisseurin. Sie kam 1962 in Weimar als Tochter eines Musikprofessors und einer Bibliothekarin zur Welt. Wer ihre tragische Vita bei Wikipedia auch nur überflogen hat, kann leicht erahnen, daß der Grundstein für ihren veritablen Dachschaden bereits in der Kindheit gelegt worden sein muß. Jedenfalls bezaubert sie als Kolumnistin den notorischen SPIEGEL-Leser seit langem mit ihrer extrem verschobenen Realitätswahrnehmung. Ihren beruflichen Erfolg verdankt sie wahrscheinlich der Vorliebe einer linken Kulturszene für das Beschädigte und dem Unwillen derselben Kulturszene, Wahnsinn von Exzentrik zu unterscheiden.

Auf der Frankfurter Buchmesse ist es dieses Jahr bekanntlich zu Handgreiflichkeiten zwischen linken Demonstranten und Ausstellern rechter Verlage gekommen (Jouwatch am 12.10.2017). In Anlehnung an Martin Lichtmesz´aktuelles Buch „Mit Linken leben“, welches er mit Caroline Sommerfeld zusammen geschrieben hat und das auf der Buchmesse vorgestellt worden ist, titelt die Berg also in ihrer SPIEGEL-Kolumne: „Mit Rechten reden“ – und fordert genau das Gegenteil davon, nämlich mit Rechten nicht mehr zu reden. Soll mir recht sein. Als ehemaliger Gewohnheitslinker redet meinereiner wegen erwiesener Vergeblichkeit schon längst nicht mehr mit Linken, sondern allenfalls noch über sie.

Zitat: „Während die Linken über gelungene Gesprächsführung mit Schlägern, Brüllern und Menschenhassern nachdenken, formiert sich in aller Ruhe eine faschistische Bewegung. Die Zeit des Redens ist vorbei.“ – Zitatende.

Sehr richtig, Frau Berg. Endlich ist der linke Dauermonolog zu Ende. Endlich kann die Stimme für das Unbeschädigte, das Schöne, das Immergültige und das Eigene nicht mehr von destruktivem Linkengeschwätz niedergehalten werden. Sie ist zu stark geworden.

Zitat: „Oh, was ist das denn? Eine Petition, wie schön, eine Petition.“ – Zitatende.

Frau Berg meint diese Petition. Eine Petition ist eine Bittstellung, weswegen meinereiner Petitionen rundheraus ablehnt. Ich will nichts, was mir nicht sowieso zusteht. Deswegen bitte ich auch nicht, sondern ich fordere. Wer mir verweigert, was mir zusteht, dem pinsele ich den Bauch nicht auch noch mit einer Bittstellung. Das aber nur nebenbei. Es scheint der wahnsinnigen Frau Berg aber noch nicht aufgefallen zu sein, daß diese Petition „Charta 2017“, gerichtet an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, derzeit nicht unterzeichnet werden kann. „Open Petition“, die Seite, auf der alle möglichen Petitionen gebündelt sind, teilt zur Stunde lapidar mit: „Diese Petition steht im Konflikt mit unseren Nutzungsbedingungen für zulässige Petitionen“. Mit anderen Worten: Es gibt jemanden, der über die Zulässigkeit von Bittstellungen befindet. Das wäre ein interessantes Thema. Allerdings nicht für Frau Berg. Aber worum ginge es denn nach Frau Bergs Worten mit dieser Petition, wäre sie zugelassen?

Zitat: „Für das Recht der Rechten, ungestört Menschenhass zu verbreiten. Für den friedlichen Frieden, den Rechte nicht wollen, aber brauchen, um gegen Menschen zu hetzen, die nicht männlich und biodeutsch sind. Für den Schutzraum, den Rechte brauchen, um Andersdenkende auszubuhen, körperlich anzugreifen, mit Trillerpfeifen und der immer gleichen Verächtlichmachung zum Schweigen zu bringen.“ – Zitatende.

„Do legst di nieder“, wie der Niederbayer sagt. „Menschenhass verbreiten“. Nur mal so gefragt, der logischen Schönheit wegen: Wen könnte man denn noch hassen, außer „die Menschen“? Die Waldameisen vielleicht? Den Mond? Und wenn man schon „Menschenhass“ in sich trägt, bezöge der sich dann auf alle „die Menschen“ oder auf eine genau umrissene Teilmenge von „die Menschen“? So viel steht fest: Die Frau Berg hat noch nicht geschnallt, welche Perfidie hinter dem ubiquitären Gebrauch der Totschlagvokabel „die Menschen“ steckt. Ah, die Rechten hetzen gegen „Menschen“, die nicht männlich und biodeutsch sind? Anscheinend möchte Frau Berg erstens gerne glauben, daß es keine rechten Nicht-Biodeutschen gibt und daß es auch keine rechten Frauen gibt. Und zweitens will sie, daß diesen Blödsinn alle glauben sollen, die ihre dämliche Kolumne lesen. Korrektur also, Frau Berg: Es gibt einen türkischstämmigen Bestsellerautor namens Pirincci, den Sie ohne weiteres als „rechts“ bezeichnen würden. Und die Ehefrau des Verlegers Götz Kubitschek, Ellen Kositza, ist auch keine Linke.

Nun zu den Trillerpfeifen. Solche kamen bekanntlich bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden letztes Jahr zum Einsatz. Frau Roth, die grüne Bundesempörungsbeauftragte, fühlte sich nach eigenem Bekunden von der Pfeiferei „arg gestört“. Meinereiner fand darauf ein Bildchen von Frau Roth im Netz, das sie dabei zeigt, wie sie eine Kundgebung Andersdenkender mit einem grünen Trillerpfeifchen stört. Ich postete es bei Facebook und es wurde immerhin rund tausendmal geteilt. Tausend ist auch so eine schrecklich rechte Zahl, stimmt´s, Frau Berg?

Zitat: „Es braucht Zonen der Ruhe, damit Rechte sich entfalten können und Feuerchen vor Heimen legen und Juden angreifen, dafür müssen wir unbedingt und dringend eintreten, wir müssen den Dialog suchen, die andere Wange hinhalten, denen demokratische Grundrechte zusichernd, die die Demokratie verachten, Trutzburgen schaffen für Hetze, die sich blumengleich entfalten darf und muss. Wir müssen Lichterketten für Verlage mit klar intellektueller rechtsextremistischer Ausrichtung bilden, beten für deren Autoren, die bekennende Faschisten sind.“ – Zitatende.

Die größten Demokratieverächter sind Linke wie Sie, Frau Berg. Ihre Behauptung einer Wertschätzung der Demokratie durch Linke ist lediglich dem Umstand geschuldet, daß linke Zungen die Demokratie als Steigbügel zur eigenen Inthronisation als Herrscher über das Denken aller Anderer mißbrauchen wollen. Das ist ungefähr so wie bei Menschenfressern. Die erklären ihren Opfern zweckmäßigerweise auch nicht, was sie zwei Stunden vorher auf die Speisekarte geschrieben haben. Sie müssen auch keine Lichterketten bilden oder für „klar intellektuell rechtsextremistisch“ Ausgerichtete beten. Sie sollten aber sicherheitshalber zusehen, daß Ihnen Ihr Wohnsitz in Zürich erhalten bleibt. Niemand kann genau vorhersagen, was passieren wird, wenn sich der Zorn der von Linken gegängelten, zensierten und diffamierten Nichtintellektuellen Bahn bricht. Es wäre durchaus denkbar, daß wir „Menschenjagden“ sehen, wie wir sie bisher nur von Linksextremisten gewohnt waren.

Zitat: „Und endlich ist da wieder eine Klarheit vorhanden, was früher verwässert und ohne Bedeutung war, gilt wieder was. Es gibt rechts und links.“ – Zitatende.

Das halte ich für zutreffend, weil es im Präsens dasteht. Für die Zukunft wird das aber anders aussehen. Es gibt rechts und es gab links. Und wenn es mit dem SPIEGEL weiter so bergab geht wie allerweil, dann wird es dort auch keine Kolumnen mehr geben.

Zitat: „Die Trägheit der Politik und den Schwachsinn des unregulierten Kapitalismus vergessend, heißt es Stellung beziehen, in einer Zeit, in der das Phlegma des Geistes nach einfachen Lösungen schreit und in der ein Kampf begonnen hat, darum, wie die Menschen leben wollen. In einer Diktatur der Lautesten, die sich außer Verachtung, Herabsetzung und Asozialität durch nichts auszeichnet, oder in einer Welt, in der die Menschen wider ihre Natur versuchen, miteinander auszukommen und schwächere Mitglieder der Gemeinschaft zu schützen.“ – Zitatende.

Was die Einfachheit Ihres Geistes angeht, Frau Berg, kann ich Ihnen ein paar hervorragende Gesprächspartner vorschlagen. Unterhalten Sie sich doch einmal mit Ralf Stegner, mit Heiko Maas oder mit Sigmar Gabriel. Da kommen Sie voll auf Ihre Kosten. Da wächst sozusagen zu einer Geistlosigkeit zusammen, was zusammengehört. Hat denn tatsächlich ein Kampf darum begonnen, wie „die Menschen“ leben wollen? Ja, wer kämpft denn da, Frau Berg? Das werden doch nicht etwa solche „die Menschen“ sein, die sich von Linken eben nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie leben zu wollen haben. Stecken Sie sich Ihren dämlichen Paternalismus sonstwo hin! Und machen Sie sich mal keine Sorgen darüber, mit welchen „die Menschen“ meinereiner auskommt. Es sind viele. Sie sind über die ganze Welt verteilt. Wahnsinnig viele Frauen darunter, auch. Ich kann Ihnen aber auch genau sagen, mit welchen „die Menschen“ meinereiner unter gar keinen Umständen mehr auskommen kann und will: Mit Realitätsverweigerern, Illusionisten und  Utopisten. Mit prinzipiellen Idioten also, – mit Linken. Meinereiner will bewahren, was immer gilt. Immer gilt, daß sich die Realität noch nie nach Visonen und Utopien gerichtet hat, daß sie das auch nie tun wird und daß man die Realität zwar ignorieren kann, nicht aber die Folgen, die das hat.

Man kann nicht ignorieren, daß linke Traumtänzer in der Vergangenheit, als Globalisierung noch kein Thema gewesen ist, halbe Völker ermordet – und ganze Länder ins Chaos gestürzt haben. Deswegen muß man heute, in einer Zeit, in der die Globalisierung läuft, alles daran setzen, daß sich global nicht wiederholt, was regional bereits geschehen ist. Entweder das linke Jahrhundert ist zu Ende – oder meine Heimat ist im Zuge dieser Globalisierung am Ende, respektive nicht mehr wiederzuerkennen. Was auf dasselbe hinausläuft. Jedermanns Heimat ist genau gar keine Heimat. Im Gegensatz zu Linken begnügt sich meinereiner deswegen damit, anstatt für die gesamte Menschheit zu sprechen, sich um das Eigene zu kümmern. Das ist überschaubar, das läßt sich organisieren. Daß meinereiner sich um die schwächeren Mitglieder der Gemeinschaft sorgt, ist eine Selbstverständlichkeit. Nur: Wen diese Gemeinschaft genau umfasst, – das werde ich mir keinesfalls von globalistischen Linken diktieren lassen.

Daß deutsche Rentner im Müll nach Pfandflaschen suchen müssen, obwohl Deutschland ein „linksdrehendes“ Land ist, während illegal eingewanderten Kulturfremden das Geld wie Staubzucker in den Hintern geblasen wird – dafür werden sich Linke noch zu verantworten haben. Und wenn man sie zu diesem Zweck an der Flucht hindern muß.

Zitat: „Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat.“ – Zitatende.

So, und hier ist jetzt Schluß mit Gespräch und Höflichkeit, Sibylle. Es wird andersherum laufen, ganz so, wie ich es seit langem befürchtet habe. Was derartig vor Arroganz tropft wie dein Spatzenhirn, was derartig verkommen ist, das es glaubt, es sei das einzige auf der Welt, das jemand anderes zu verstehen hätte; was derartig vor selbstgerechter Doofheit stinkt, hat nichts anderes verdient, als die eigene Medizin zu schlucken. Du oder ich. Ende jedweder Diskussion.

 

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