„Reform-Muslim“ Tariq Ramadan unter Vergewaltigungsverdacht

Foto: Collage
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Im Zuge des Weinstein-Sex-Skandals trauen sich immer mehr Frauen auch in Europa, ihre Vergewaltiger beim Namen zu nennen. Jetzt steht ein bei Politikern und Medien beliebter aber nicht unumstrittener „Reform-Muslim“ am Pranger – es handelt sich um den Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan.

Von Marilla Slominski

Gestern erhob die französische Buchautorin und Ex-Salafistin Henda Ayari schwere Vorwürfe gegen den 55jährigen Ramadan. Er habe sie in einem Pariser Hotel, in dem sie sich mit ihm im Anschluss an eine Lesung von ihm getroffen habe, schwer misshandelt, so die Tochter einer Algerierin und eines Tunesiers auf ihrer Facebook Seite.

Ayari erstattete Anzeige wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung, sexueller Belästigung, Einschüchterung und Gewalt bei der Staatsanwaltschaft im französischen Rouen. Henda Ayari sagte, sie habe bisher aus Angst geschwiegen.

Sie hatte die Vergewaltigung in ihrer im November 2016 erschienenen Biografie „J‘ai choisi d‘être libre“ (Ich habe mich entschieden, frei zu sein“) beschrieben und ihrem Peiniger den Namen „Zubair“ gegeben. Nun teilte sie auf Facebook mit, bei „Zubair“ handele es sich um den bekannten Islamwissenschaftler Ramadan.

Tariq Ramadan, Muslim mit ägyptischen Wurzeln, ist der Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbruderschaft. Sein Vater, auch Mitglied der Muslimbruderschaft verließ unter der Regierung von Abdel Nasser 1954 das Land und ging nach Deutschland. Nachdem er in Köln promoviert hatte, ließ er sich in Genf nieder. Sein Sohn und nun mutmaßlicher Vergewaltiger Tariq machte Karriere als Islamwissenschaftler und gehört verschiedenen Kommissionen im Europaparlament an und ist inzwischen als Professor an der Oxford Universität tätig.

Für Ramadan galt nach 9/11 lange ein Einreiseverbot in die USA, weil er einer palästinensischen Hilfsorganisation Geld gespendet hatte, die mit der Hamas zusammenarbeitete. Im Jahr 2011 unterzeichnete die damalige US-Außenministern Hillary Clinton eine Ausnahmegenehmigung für Ramadan. Seither kann er wieder in die USA einreisen.

In seinem Buch Muslimsein im Westen fordert er „die Partizipation am gesellschaftlichen Leben, kulturelle Projekte im Einklang mit der europäischen Kultur und der muslimischen Ethik“. Er bezeichnet sich selbst als „Reformsalafisten“.

Mit Tariq Ramadan, der inzwischen Professor an der Oxford Universität und dem der britische Guardian zu Beginn des Jahres noch einen großen Artikel widmete, steht ein weiterer Prominenter unter Vergewaltigungsverdacht.

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