AfD-„Bodensatz“: Grüner Kretschmann macht Rückzieher

Winfried Kretschmann (Bild: JouWatch)

Die Stuttgarter Zeitung berichtet von einem Rückzieher Kretschmanns. Der baden-württembergische Ministerpräsident hatte in einer Analyse kurz nach der Bundestagswahl gesagt, die eine Hälfte der AfD-Wähler könne für die Altparteien zurückgewonnen werden, die andere Hälfte sei jedoch „Bodensatz“, wie es ihn in jeder Gesellschaft gebe. Seine Einlassung hatte für viel Empörung gesorgt, vor allem in den sozialen Netzwerken.

von Max Erdinger

Es ist ein halbgarer Rückzieher, den Winfried Kretschmann da macht. Eine reine Formsache, nicht besonders glaubwürdig. Er hat Wähler als „Bodensatz“ bezeichnet und so hat er es auch gemeint. Was er von der AfD und ihren Wählern hält, ändert sich durch diesen Rückzieher nicht. Ob er sie auch weiterhin als „Bodensatz“ bezeichnet oder nicht, ist eigentlich unerheblich. Kretschmann ist von Beruf Lehrer und bei Lehrern verfestigt sich nach ein paar Jahren im Schuldienst wegen des dauernden Umgangs mit Schulkindern schleichend die Gewißheit, zu den Klügsten unter der Sonne zu gehören. Sie lehren schließlich und sind tagtäglich mit der Inferiorität der Anderen konfrontiert. Die Nannystaats-Attitüde, mit welcher die Abgeordneten des Bundestags dem mündigen Bürger gegenübertreten, dürfte zu einem guten Teil auf der Tatsache beruhen, daß sich im Bundestag überproportional viele freigestellte Lehrer tummeln. Von einem befreundeten Arzt weiß ich, daß Lehrer seine schlimmste „Kundschaft“ sind. Es gibt nicht viel, sagt er, das sie nicht besser wüssten als der Arzt. Als er einmal einem besonders Gescheiten gehörig über den Mund gefahren ist, war er ihn als Patienten für alle Zeiten los.

Es ist aber bezeichnend für unser Land, daß ein ehemaliger Kommunist schamlos eine dicke Lippe riskieren – und Ministerpräsident werden kann. Der grüne Lehrer war in seinen jungen Jahren für den öffentlichen Schuldienst erst einmal gesperrt, weil der Verfassungsschutz das zuständige Schulamt über den Genossen Kretschmann informiert hatte. Erst nach einer Überprüfung durfte der Kommi seinen Lehrerjob bei einer privaten Kosmetikschule an den Nagel hängen und in den öffentlichen Schuldienst wechseln.

Kretschmanns Wortwahl interessiert mich da nur noch am Rande. Wenn jemand andere für „Bodensatz“ hält, dann soll er das auch sagen dürfen. Man weiß schließlich gern, woran man ist. Einmal aufrichtig beleidigt worden zu sein, ist mir lieber, als ständig politisch-korrekt angeschleimt zu werden. Als AfD-Wähler ist mir außerdem egal, wofür mich ein Grüner hält, weil ich keinerlei Illusionen darüber habe, was ein Grüner ist. Und zwar allein schon deswegen, weil er sich in dieser Partei tummelt. Als harmlosen Mitläufer kann man Kretschmann schließlich nicht bezeichnen – und die Entgrünifizierung wird kommen wie anno dazumal die Entnazifizierung. Ob einer brauner, roter oder grüner Totalitarist ist, spielt keine Rolle hinsichtlich dessen, was ein für allemal überwunden gehört. Wenn Kretschmann Glück hat, erlebt er die Entgrünifizierung nicht mehr. Der Mann ist 69 Jahre alt.

Zitat StZ: „In den sozialen Netzwerken fachte die AfD die Empörung noch zusätzlich an. Wie abseitig der Vergleich sei, illustrierte die Fraktion mit einer Liste der „Abgesandten des Bodensatzes“, die aus Baden-Württemberg in den Bundestag einzögen: ein Polizist, ein Staatsanwalt, ein promovierter Philosoph, ein früherer Hochschulprofessor – all diese und ihre Wähler würden durch Kretschmanns Wortwahl beleidigt.“ – Zitatende.

Ja, schon. Aber das kann doch nicht das Problem sein. Wie muß man gestrickt sein, wenn man Wert darauf legt, sogar von einem Grünen nicht beleidigt zu werden? Das kommt doch indirekt dem Eingeständnis gleich, daß man Wert auf das legt, was ein Grüner so von sich gibt. Das ist doch pille-palle. Gleichzeitig nimmt man sich selbst die Option, bei passender Gelegenheit deutlich zurückzukeilen. Außerdem sieht man doch, wer in diesem Fall der Gelackmeierte ist: Kretschmann selbst. Wäre es anders, hätte er sich wohl kaum veranlasst gesehen, nunmehr seinen halbgaren Rückzieher zu machen. Ich halte es nicht für klug, sich über die Wortwahl Anderer aufzuregen, weil man sich dadurch in der eigenen Wortwahl beschneidet. Schon ist die Chance vertan, Kretschmann einen staatsgläubigen   Dünnbrettbohrer zu nennen und die Grünen einen Haufen enthirnter und entklöteter Punzenfiffis.

Zitat StZ: „Bisher ließ der Premier die Kritik ins Leere laufen. Nun aber, zwei Wochen später, äußerte er sich doch dazu. Er wisse jetzt nicht, „was schlimm sein soll an dieser Aussage“, sagte er vor Journalisten; er habe damit niemanden diskriminieren wollen. (…) Dann meinte er, der Begriff sei gar nicht unbedingt notwendig; er wolle ihn „gerne in Zukunft vermeiden“.“ – Zitatende.

Verlogen bis dort hinaus. Erstens wollte Kretschmann sehr wohl „diskriminieren“, auch wenn der Begriff „Diskriminierung“ besonders von Roten und Grünen notorisch falsch verwendet wird, weil er nicht Herabsetzung, sondern Unterscheidung bedeutet. Aber geschenkt. Ich weiß, was Kretschmann meint, wenn er „Diskriminierung“ sagt. Zweitens muß er keine Begriffe vermeiden, wenn er nicht weiß, was schlimm an ihnen sein soll. Und drittens nimmt ihm kein Mensch von Verstand den jovialen Onkel ab, den er dadurch mimt, daß er großzügig auf etwas verzichten will, von dem er nicht weiß, was schlimm daran sein soll. Kretschmanns selbstlose Zugeständnisse? – Nicht mit mir.

Zitat StZ: „Zugleich drehte der Grüne den Spieß um. Es sei doch „erfreulich, dass auch die AfD will, dass politisch korrekt gesprochen wird“. Der Kampf dagegen sei schließlich „ein Hauptthema“ der Partei. „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“, proklamierte etwa die Spitzenkandidatin Alice Weidel. Wenn die AfD selbst betroffen sei, sehe sie das offenbar anders, konterte Kretschmann; dann sei sie plötzlich „sehr sensibel“, was die Wortwahl angehe.“ – Zitatende.

Und schon haben wir den Salat. Oben habe ich es gerade noch geschrieben. Es gefällt mir nicht, Kretschmann Punkte gutzuschreiben. Aber hier hat er einen gemacht. Wenn die politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte gehört, wovon ich zutiefst überzeugt bin, dann darf man nicht wie eine Mimose reagieren, wenn sie jemand über Bord wirft. Gottlob ist Kretschmann dämlich genug, den Spieß, den er gerade erfolgreich umgedreht hat, gleich nochmal umzudrehen und sich wieder selbst zu stechen. Und zwar mit diesem …

Zitat StZ: „Sein Fazit verband er mit einer Mahnung: Es sei nur zu begrüßen, wenn sich alle um eine angemessene Sprache bemühten – aber man solle es damit „auch nicht übertreiben“. – Zitatende.

Da wüßte ich aber, wer es gnadenlos übertreibt. Auf der Facebookseite der SPD mußte sich erst kürzlich ein User darüber belehren lassen, daß der Begriff „Asylbewerber“ nur von Nazis verwendet wird und daß es richtig „Asylsuchender“ heißen muß. Und wenn ich mir überlege, wieviele Drucksachen der Grünen es gibt, in denen hemmungslos mit Unterstrichen und Sternchen operiert wird, um nur ja den letzten geschlechtsverwirrten Hühnerhabicht nicht zu „diskriminieren“, dann sehe ich den scheinheiligen Oberlehrer Kretschmann bereits als Prediger durch die Reihen der Delegierten des nächsten Grünen-Parteitags schreiten, wie er, ein rauchendes Cannabiskesselchen schwingend, die Botschaft unters Deppenvolk bringt: „Nun übertreibet es nicht, ihr grünen Schwestern und Schwesterinnen im unseligen Geiste der Politischen Korrektheit! Benennet den Bodensatz als Bodensatz und verknotet euch nicht die Zunge, auf daß die glubschäugige Mondgöttin Wohlgefallen finde an eurer Rede!“

Wenn Linke die Pest wären, dann wären Grüne die Pestbeulen. Und um das gleich klarzustellen: Ich denke im Traum nicht daran, das zurückzunehmen, weil mir partout nicht klar ist, was daran schlimm sein soll. Kannste nachvollziehen, Winnie, alter Kommi, oder?

 

 

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