Tunesien vs Al-Azhar-Uni

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Hort des fundamentalistischen Islams (Foto: Durch Waj/Shutterstock)

Der tunesischen Präsident legt sich bei seinen Bemühungen, sein Land mit Reformen in Richtung Säkularisierung zu bringen, mit der mächtigsten sunnitischen Autorität, der Al-Azhar Moschee und Universität an.

Von Marilla Slominski

Die von westlichen Politikern hofierte und als modern und gemäßigt bezeichnete Al-Azhar Universität zeigt sich wenig begeistert über die Ankündigung des tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi, muslimischen Frauen die Ehe mit Andersgläubigen zu gestatten. Wenn es nach ihm geht, sollen sie auch beim Erbschaftsrecht nicht mehr der Scharia-Gesetzgebung unterstehen, sondern gleichberechtigt sein.

Im September hob Präsident Essebsi einen Erlass aus dem Jahr 1973 auf, der Frauen die Ehe mit Nicht-Muslimen verbot.

Die Al-Azhar Universität hat die Reformen wütend als „unislamisch“ zurückgewiesen. Sie seien unvereinbar mit den Grundlagen des islamischen Glaubens, so die sunnitischen Autoritäten, die in der gesamten muslimischen Welt Gehör finden.

Die Ehe einer Muslima mit einem Nicht-Moslem könne ihr, wegen der Unterschiede im Glauben und der Tradition, schaden und sie daran hindern ihre Religion frei auszuüben, so der stellvertretende „moderne“ Al-Azhar Imam Abbas Shoman.

Auch die Gleichberechtigung von Frauen im Erbrecht passt den geistigen Islam-Führern überhaupt nicht. Sie würde im Widerspruch zur koranischen Lehre stehen. Das Erbrecht sei im Koran (Sure 4:12) klar geregelt.

Es sieht vor, dass der Mann im Falle einer Erbschaft den doppelten Anteil wie die Frau erhält. Begründet wird das damit, dass der Mann für alle Haushaltskosten einschließlich der Versorgung der Frauen und Mädchen aufkommt, bis diese verheiratet werden und den Haushalt verlassen.

Obwohl der Einfluss der Al-Azhar Universität nicht mit dem des Papstes auf die katholische Welt vergleichbar ist, werden ihre Anweisungen und Fatwas in der gesamten islamischen Welt gehört.

Die Al-Azhar Universität in Kairo galt bis in die 1950er Jahre als modern und gemäßigt. Ab diesem Zeitpunkt gewannen ultra-konservativen Kräfte, die Muslimbrüder und salafistische Glaubengrundsätze immer mehr die Oberhand in den Lehrplänen.

Die jetzt vom tunesischen Präsidenten angestoßenen Reformen, sind ein weiterer Schritt auf dem säkulären Weg des Landes und ein harter Schnitt zu allen anderen muslimisch dominierten Ländern, weshalb der Protest des Al-Azhar Scheichtums auch so laut und heftig ausfällt.

Die Hoffnungen auf eine religiöse Erneuerung, die bei seiner Ernennung zum Scheich der islamischen Universität im Jahr 2010 in den Islamgelehrten Ahmad Mohammad al-Tayyeb gesetzt wurden, sind mittlerweile verflogen.  Unter ihm hat die Verfolgung von ägyptischen Islam-Reformern wie z.B. Islam Al-Beheiry an Fahrt gewonnen. Al-Beiheiry verbrachte ein Jahr wegen Blasphemie im Gefängnis, weil er es gewagt hatte, eine Zusammenhang zwischen traditionellen islamischen Lehren und dem Terrorismus zu ziehen.

Trotz allem ist al-Tayyeb, der 2002 ausdrücklich Selbstmordattentate gegen Israel befürwortet, die arabische Welt zum Kampf an der Seite der Palästineser aufgerufen und 2011 vor der „Judaisierung“ Jerusalems gewarnt hatte, ein gern gesehener Gast bei deutschen Politikern. Am 15. März vergangenen Jahres durfte er, der im Islamischen Staat eine „zionistische Verschwörung“ sieht, im Großen Protokollsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin vor Bundestagsabgeordneten eine Rede halten. Auf die Frage von Abgeordneten nach der Notwendigkeit einer Modernisierung des Islam, antwortete er, diese sei nicht nötig, denn der Islam sei wandelbar genug, sonst würde er nicht seit über 1000 Jahren bestehen.

Bei einem Treffen mit Volker Kauder, MdB und Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte er diesem: „Hören Sie bitte auf, mit mir darüber zu reden, dass der Islam durch die Aufklärung muss. Wir wollen nicht durch die Aufklärung, denn bei der Aufklärung ist das Ergebnis gewesen, dass der Staat über der Religion steht und bei uns muss die Religion über dem Staat stehen….

 

 

 

 

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