Abt. Plusvierdrei: Die Kurzwahl für Österreich

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Die Welt - Medienkritik (Foto: Collage)

In der „Welt“ ist eine Hintergrundanalyse zum Ausgang der Wahl in Österreich erschienen. „Rechtsruck in Österreich – Folgen für die Europäische Union.“ Der Artikel ist aufgrund seiner Wortwahl aufschlußreich. Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

Die „Rechtpopulisten“ sind auf dem Rückzug. Nicht politisch, aber sprachlich. Vorbei sind die Zeiten, als der Medienmainstream einen hemmungslosen Verdammungskurs fahren konnte. Zu stark ist der „Rechtspopulismus“ in Europa geworden, als daß man ihn als eine ärgerliche Randerscheinung abtun könnte. Besonders in der Europäischen Union wird sich einiges ändern. So einfach wie bisher wird sich die EU nicht mehr in eine EUdSSR verwandeln lasssen. Verbal bedeutet das für die Medien, daß man einen Rückzug hinlegen muß, der nicht allzu sehr nach Rückzug aussieht. Bei der „Welt“ verlegt man sich daher von offener Feindschaft auf die subtile Insinuation.

Österreich übernimmt nächstes Jahr den Ratsvorsitz in der EU. Es wird in Österreich eine Koalition von Sebastian Kurz und der FPÖ geben, die heute fälschlicherweise noch als eine ÖVP/FPÖ-Koalition bezeichnet wird. Die ÖVP jedoch besteht lediglich noch aus drei Buchstaben. Tatsächlich ist sie zu einer Führerpartei im geschichtsneutralen Wortsinn geworden, seit Kurz nach dem Rückzug des ÖVP-Chefs Mitterlehner den Vorsitz übernommen hat. Es handelt sich also um eine Kurz/FPÖ-Koalition. FPÖ-Chef Strache hat bereits angekündigt, daß er harte Bedingungen für eine solche Koalition stellen wird. Kurz wird also nicht von der komplett kastrierten ÖVP „gesteuert“, sondern von der Notwendigkeit, FPÖ-Positionen ausreichend zu berücksichtigen, wenn er medial nicht laufend das Bild von Hader und Zwietracht generieren will. Ein solches Bild würde ihn selbst mehr schwächen als die FPÖ, welcher in der Konstellation Kurz/FPÖ auch weiterhin noch das Image des „Koalitionsrebellen“ anhaften wird und die deshalb auch forscher auftreten kann. Es ist die FPÖ, die in einem ungleich größeren Maß für Veränderung steht, als Kurz, der mehr als Reformer durchgeht.

Wie behandelt also die „Welt“ die Kurzwahl von Österreich?

Zitat: „Brüssel – Allen Schmutzkampagnen zum Trotz haben sich Brüssel und die EU-Partner zum Wahlkampf in Österreich wenig geäußert. Die EU-Kommission mischt sich in diesen Tagen ohnehin nur äußerst widerwillig öffentlich in politische Auseinandersetzungen in den einzelnen Mitgliedstaaten ein.“ – Zitatende

„Schmutzkampagnen“ also. Die Welt schreibt bewußt nicht, wer wen mit Schmutz beworfen haben soll. Hätte sie Schmutz aus Österreich gemeint, der gen Brüssel geworfen worden sein soll, dann wäre aufschlußreich, daß sie statt „Schmutz“ nicht „Kritik“ verwendet hat. Anscheinend soll niemand auf die Idee kommen, die EU könne sich laufend selbst beschmutzt haben, so verschmutzt, wie sie dasteht. Und daß sich die EU nur widerwillig in die politischen Auseinandersetzungen ihrer einzelnen Mitgliedsstaaten einmischt, klingt aus der „Welt“-Feder fast wie ein Tadel. Man darf fragen, ob sie das nach Meinung der „Welt“-Redaktion wohl „pflichtbewußt“ hätte tun sollen. „Schmutzkampagne“ und „widerwillige Nichteinmischung“: Das sind keine Informationen, sondern baunernschlaue Insinuationen. Man darf schließlich nie vergessen, wem die „Welt“ gehört (Merkelfreundin Friede Springer) und wem sie sich daher verpflichtet fühlt: Angela Merkel. Die wiederum muß mit allzu offensichtlicher Schmutzbewerfung der „Rechtspopulisten“ vorsichtig sein, wenn sie nicht noch mehr trotzigen Widerspruch gegen ihre eigene Politik heraufbeschwören möchte.

Zitat:“Nach dem klaren Wahlsieg der Konservativen unter Sebastian Kurz und dem starken Abschneiden der Rechtspopulisten in der Alpenrepublik ist aber klar: Der Schwung der vergangenen Monate für Europas Reformer ist erstmal dahin. Dennoch herrscht vielerorts noch Hoffnung.“ – Zitatende.

Man verzeihe bei der „Welt“ meine Frage: Um welchen Schwung bei welchen Reformen und Reformern soll es sich dabei handeln? Und wo genau liegt das malerische Vielerorts?

Zitat: „In der EU streiten sich die sogenannten Visegrad-Staaten in Osteuropa oft mit den älteren EU-Mitgliedstaaten im Westen. Könnte diese Achse gestärkt werden?“ – Zitatende.

Ja, schon schlimm, diese Respektlosigkeit und diese Aufmüpfigkeit, mit der die Sogenannten sich gegen die Älteren auflehnen. „Sogenannt“ und „älter“: Geht´s eigentlich noch, Welt? Muß ich mir wirklich solche plumpen Insinuationen bieten lassen? Natürlich wird es mit dem starken Abschneiden der FPÖ und einem Getriebenen Kurz zur Stärkung einer Achse der Sogenannten kommen. Bei allem unbekannten Schwung sämtlicher  unbekannten Reformer sogar, wenn ich mir die kleine Anfügung erlauben darf.

Zitat: „Vor allem in der Flüchtlingsfrage herrscht in der EU eine tiefe Ost-West-Teilung.“ – Zitatende.

Siehste, Welt, das „sogenannt“ hätte einen hervorragenden Platz vor „Flüchtlingsfrage“ gehabt. Die „sogenannte Flüchtlingsfrage“, nicht die „sogenannten Visegrad-Staaten“. Bei diesem kleinen Einwurf handelt sich übrigens nur deswegen um eine „tiefe Mitteilung“, damit das „tief“ auch noch irgendwo untergebracht ist.

Zitat: „Sollte aber die FPÖ mit ihrer ausländerfeindlichen Haltung künftig den Innenminister in Österreich stellen, könnte es zumindest bei dem Thema noch mehr Schnittmengen geben. Auch Kurz, der einen fast monothematischen Wahlkampf gegen illegale Migration führte, könnte hier andocken.“ – Zitatende.

Die „ausländerfeindliche Haltung“ der FPÖ ist tatsächlich ein Skandal. Dieses permanente Hetzen gegen Schweizer, Südtiroler und Oberbayern – unerträglich. Und die illegale Migration aus diesen drei „Ausländern“ erst!? – O tempora o mores. Aber raffiniert eingefädelt habt ihr das bei der „Welt“. Leider nicht raffiniert genug. Die generelle „Ausländerfeindlichkeit“ der FPÖ mit Kurz´ „fast monothematischen Wahlkampf gegen illegale Migration“ in einem Absatz zu einem xenophoben Brei zusammenzurühren, ist einfach der dreiste Versuch einer Leserverarschung. Ich korrigere das mal, wenn´s recht ist: Weder ist die FPÖ ausländerfeindlich, noch haben Ausländer generell etwas mit illegaler Migration zu tun. „Auch Kurz“ – Leute, Leute, das ist doch nur noch plump!?

Zitat: „Hat die EU gerade nicht schon genug Baustellen? Werden Reformprojekte nun schwieriger?“ – Zitatende.

Projekte, meinetwegen. Baustellen auch. Aber welche Reformprojekte? Kann Inexistentes schwieriger werden? Geht mal in euch, anstatt Leserverarsche zu betreiben. Und schämt euch anständig, vor allem.

Zitat: „Die SPÖ von Bundeskanzler Christian Kern kommt mit 26,7 Prozent nur auf Rang drei. Die Grünen hoffen noch auf die Stimmauszählung der Briefwahl, denn derzeit liegen sie unterhalb der Vierprozenthürde.“ – Zitatende.

Yeah, Yeah,Yeah, Yippie-yeah! Österreich ist regelrecht entkernt worden! Und die Hoffnung stirbt zuletzt, die Grünen als vorletzte. Mehr Euphorie, wenn ich bitten darf! Wo sind die Adjektive? „Die linkspopulistische SPÖ“ muß es heißen und daß die Österreicher „ein klares Zeichen gegen den tiefen Linkspopulismus gesetzt“ hätten! Die „überflüssigen Grünen“ wäre auch nicht schlecht gewesen. Ist es bei den Grünen wirklich nur ein „hoffen noch“ oder eigentlich ein „liegen derzeit noch unter der Vierprozenthürde“? – Ihr würdet uns doch kein Exclusivwissen vorenthalten, wenn ihr eines zum Thema „Briefwahl“ und „Auszählung“ hättet, oder?

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