Der Absturz von Air Berlin

(Foto: Durch byvalet/Shutterstock
Runter kommen sie immer (Foto: Durch byvalet/Shutterstock)

Mit dieser spektakulären Landung sagt ein Air Berlin-Pilot „Goodbye“

 „Es war der letzte Flug der Maschine aus den USA nach Düsseldorf. Der Pilot nutzte das für eine besondere Landung – und hielt eine bewegende Ansprache. In einem weiteren Video ist die berührende Ansprache des Kapitäns an Passagiere und Crew zu hören, die dem Manöver voraus geht: „Im Namen meiner Besatzung und meiner Kollegen, ob am Boden oder in der Luft, möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns so viele Jahre und bis zuletzt die Treue gehalten haben.“ sagt der Kapitän des letzten Langstreckenfluges der insolventen Airline.

Dann folgt eine lange Pause. Der Pilot ist hörbar emotional ergriffen. Er bedankt sich bei seiner Besatzung und spricht seiner Hochachtung aus „für die professionelle Durchführung dieses letzten Fluges.“

Die Maschine startet durch. Nach einer längeren dramatischen Pause fügt er hinzu: „Wir sagen heute nicht auf Wiedersehen, sondern tschüs!“

 Von Thomas Schlawig

Als ich in dem Video diese letzte Ansprache des Kapitäns hörte, hat es mir die Tränen in die Augen getrieben. Ich habe über das Thema Air Berlin hier schon einmal geschrieben und es scheint tatsächlich so zu sein, daß die Airline bewußt in die Pleite geflogen wurde. Die Pleite von Air Berlin, als die zweitgrößte deutsche Airline ist dem Größenwahn und der Unfähigkeit des Managements zu verdanken. Eine Airline, zusammengewürfelt und aufgeblasen mit diversen anderen Airlines, auf allen Hochzeiten tanzend, (Kurz-, Mittel- und Langstrecke, Städteziele und Ferienorte, Geschäftsreisende und Urlauber) muß sich zwangsläufig verzetteln. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß derjenige, der meint, alles zu können, am Ende nichts richtig kann. Ganz abgesehen von der Tatsache, daß Air Berlin mit sieben verschiedenen Jet-Typen von Airbus bis Boeing geflogen ist. Jede Spedition achtet darauf ihren Fuhrpark Typenrein zu halten um besonders gute Konditionen bei Kauf/Leasing, Service und Versicherungen zu erhalten. Permanent wechselnde Chefs (fünf in sechs Jahren) tragen weder bei Personal noch bei Kunden dazu bei, Vertrauen zu erwecken. Und wenn es sich dann auch noch um die Person Mehdorn handelt, schon gar nicht. Somit konnte es nur bergab gehen. Zitat: „Aber auch unter ihm [Thomas Winkelmann] geht es weiter bergab, es häufen sich Verspätungen und ausfallende Flüge, Im Mai weist der Flugdaten-Anbieter Flightstats Air Berlin als unzuverlässigsten Carrier Europas aus: mit 547 ausgefallenen Flügen und 5587 Verspätungen in einem Monat. Viele Mitarbeiter sind demotiviert.“

Es regiert ab 2016 nur noch Chaos. „Unter anderem verleast Air Berlin 38 seinerseits geleaste Maschinen samt Besatzung an die Lufthansa-Gruppe weiter.“    Air Berlin fliegt einen Rekordverlust von 781,9 Mio. Euro ein. Angesichts der Schulden bekommt der Name des sechsten und gegenwärtigen Chefs von Air Berlin, Thomas Winkelmann eine besondere Bedeutung. Winkelmann war vorher Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings und ist Vertrauter von Lufthansa-Chef Spohr. Zitat:  „Viele Mitarbeiter sind demotiviert; für sie ist Winkelmann ein Lufthanseat. Und: „Die Lufthansa hat alles getan, um Air Berlin in den jetzigen Zustand zu bekommen“. Es stellt sich die Frage, ob Air Berlin gezielt in die Insolvenz geflogen wurde? Zitat: „Nicht nur wegen der Personalie Winkelmann ist die Komplettübernahme durch den heimischen Branchenführer Dauerthema bei Air Berlin. Bisher ist der Deal allerdings nicht zustande gekommen: Vor allem wegen Air Berlins Schulden von zuletzt rund 1,2 Milliarden Euro, die die Lufthansa nicht übernehmen will. Nun öffnet die Insolvenz den Weg, diese Schulden loszuwerden. Und tatsächlich hat Lufthansa bereits angekündigt, Teile des Unternehmens übernehmen und auch Mitarbeiter einstellen zu wollen. „Dieses Szenario ist für die Lufthansa ideal“, sagt der langjährige Luftfahrtmanager Wissel. „Das Hindernis Schulden ist weg.“

 „Die Gläubiger von Air Berlin müssen nach dem Insolvenzantrag um ihr Geld bangen. Der Chef der Fluggesellschaft, Thomas Winkelmann, hat diese Sorge nicht. Zur Absicherung der Verpflichtungen aus seinem bis Januar 2021 laufenden Vertrag gibt es eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro. Winkelmann hat laut dem jüngsten Geschäftsbericht für den Fall einer ordentlichen Kündigung Anspruch auf sein vertragliches Grundgehalt. Es liegt bei 950.000 Euro im Jahr und kann sich durch Boni verdoppeln.“

Für die Piloten von Air Berlin sieht die Zukunft dagegen alles andere als rosig aus.
„Katerstimmung in der Belegschaft von Air Berlin. Einen Tag, nachdem die Deutsche Lufthansa einen Vertrag für die Übernahme von großen Teilen des insolventen Rivalen unterzeichnet hat, ist die Ernüchterung in Teilen der Pilotenschaft groß. „Die meisten hatten gehofft, von der Lufthansa zu deren Konditionen übernommen zu werden“, beschreibt Markus Wahl von der Vereinigung Cockpit (VC) die Befindlichkeit unter den Flugzeugführern von Air Berlin…[…] Das Gros der etwa 1200 Piloten von Air Berlin muss sich auf die dann noch verbleibenden 1300 (von insgesamt 3000) Stellen formal bewerben, die der Lufthansa-Konzern bei seiner Billigflug-Plattform Eurowings geschaffen hat. Viele von ihnen, die im Schnitt 20 Jahre im Cockpit gedient haben, empfinden das als Zumutung: „Erfahrene Piloten werden in dieser Prozedur als unreife Schuljungen behandelt“, wettert VC-Mann Wahl. Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der selbst über die Fluglizenz für einen A320 von Airbus verfügt und die Qualifikation der Kollegen schätzt, versucht die Wogen zu glätten: „Ich bedaure, dass wir bei Eurowings aus kartellrechtlichen Gründen nur insgesamt um 3000 Mitarbeiter wachsen können“, sagte er in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, „denn wir hätten gerne noch mehr Mitarbeitern von Air Berlin eine sichere Perspektive gegeben“.

Während aus „kartellrechtlichen Gründen“ keine weiteren Mitarbeiter von Air Berlin übernommen werden können, versucht Lufthansa nun auch noch Alitalia unter seine Fittiche zu bekommen. „Für die Lufthansa sei ein Kauf von Alitalia in der aktuellen Verfassung zwar kein Thema, machte Spohr in einem Interview unmissverständlich klar. Aber wenn Alitalia strategisch neu aufgestellt und im Zuge eines radikalen Umbaus von der Bürde seiner vielen (finanziellen) Altlasten befreit ist, könnte die Übernahme von Geschäftsteilen laut Spohr durchaus erwogen werden.

Was die rasche Integration von ehemaligen Konkurrenten angeht, sammelte der Lufthansa-Konzern binnen Kürze viel Erfahrung: Zum einen wurden von Europas größter Fluggesellschaft in jüngster Vergangenheit die Swiss und die österreichische AUA übernommen.

Zudem wurden Teile des Flugbetriebs von Brussels sowie 38 Flugzeuge von dem insolventen Rivalen Air Berlin auf die frisch formierte Billigflug-Plattform Eurowings übertragen. Auch wenn in den kommenden Monaten weitere Betriebsteile von Air Berlin in die Regie der Lufthansa übergehen, sieht sich Spohr – von den Kapazitäten seines Managements her – für weitere Zukäufe in der Branche durchaus gerüstet.“

Es wird geschehen, wie mit Air Berlin – Lufthansa wird sich die profitablen Teile des Unternehmens unter den Nagel reißen, überflüssige Mitarbeiter entlassen, die Flugzeuge unter vor allem die  Landerechte von Alitalia übernehmen und somit noch stärker als bisher  aufgrund seiner Monopolstellung die Preise am Markt diktieren. Das hat mit einer gesunden Marktwirtschaft nicht das Geringste zu tun und es bleibt zu hoffen, daß dem von Seiten des Kartellamtes ein Riegel vorgeschoben wird.

„Das Unrecht gewinnt oft Rechtscharakter einfach dadurch, daß es häufig vorkommt“  Berthold Brecht

 

 

 

 

 

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