Linke Gehirnwäsche: Doku Raser

(Foto: Durch travelview/Shutterstock
Rüpel vs. Rowdys (Foto: Durch travelview/Shutterstock)

Der NDR hat dieses Jahr eine Doku mit dem Titel „Raser und Raudis: Kampf gegen Kamikaze-Fahrer“ herausgebracht, die in der Art, in der dort Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt werden, ihresgleichen sucht. Als Autor mit einem philanthropischen Interesse an der Menschwerdung des Idioten erlaube ich mir daher anzubieten: Eine kostenlose Fahrstunde für linke Betroffenheitsjournalisten.

von Max Erdinger

Zitat: „Eine deutsche Spezialität: Gasgeben bis der Arzt kommt.“

… falsch. Die deutsche Spezialität ist zu schnarchen bis der Wecker klingelt.

Zitat: „Mit über 200 km/h hat ein PS-Protz einen kleineren Wagen von der linken Spur gerammt.“

… aha. Vordringlich, wie´s scheint, eine Frage der sozialen Ungerechtigkeit. Danke für die professionelle Einstimmung auf das Thema.

Zitat: „Es dauert nur Minuten, bis wir ahnen, was auf Deutschlands Autobahnen los ist.“

… besser wäre gewesen, ihr hättest es nicht geahnt, sondern gewußt. Und zwar, bevor ihr losgefahren seid, nicht erst nach Minuten. Wer auf die Autobahn fährt, ohne zu ahnen oder gar zu wissen, wie es dort zugeht, macht sich einer schweren Straßenverkehrsgefährdung schuldig.

Zitat: „Obwohl wir vorschriftsmäßig und auch zügig fahren …“

… es mag ja sein, Jungs, daß man mit einem Wohnmobil, welches mit Kameras bestückt ist, vorschriftsmäßig fahren kann. Zügig geht aber auf gar keinen Fall.

Zitat: „… erleben wir im Minutentakt schwere Verkehrsverstöße.“

… da könnt ihr mal sehen, was ihr für ein Verkehrshindernis gewesen sein müsst.

Zitat: „Wir brauchen höhere Bußgelder, aber in einem moderaten Rahmen, aber auch mehr Kontrollen.“

… können wir machen. Höhere Bußgelder plus Maulschellen für Mittel- und Linksspurblockierer in einem drastischen Rahmen und doppelt so viele Kontrollen. LKW auf Bundesstraße trotz Absenz jedweden Gegenverkehrs bis zum St. Nimmerleinstag nicht überholt: Zehn Maulschellen und 500 Euro. Hinter einem hergeschlichen, der einen LKW nicht überholt, immer noch 250 Euro und fünf Maulschellen. Kostenlos wird´s ab Platz vier hinter dem LKW, sogar klageberechtigt gegenüber Nummer eins und zwei wegen: Verstoß gegen Menschenwürde und Selbstbestimmung. Nicht einvernehmlich von Schnarchaffen zum Schleichaffen degradiert worden.

Zitat: „Für diesen Verkehrsverstoß bezahlt man in Holland das Doppelte und in Norwegen das Vierfache.“

… in Norwegen verdient man auch das Vierfache, ihr Nasen.

Ab Minute 16:00 der Klassiker. Filmsequenz: Kombi blockiert ohne Not die linke Spur der BAB. Auf zwei Spuren rechts neben ihm ist alles frei. Es gibt absolut nichts zu überholen. Klarer Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot. Von hinten fährt einer dicht auf, gibt Lichthupe. Keine Reaktion des Kombis. Hintermann überholt rechts und läuft dabei auf einen auf, der just in diesem Moment und wiederum ohne Not von der rechten in die mittlere Spur wechselt. Überholer wechselt schließlich in die rechte Spur und überholt alle miteinander in der rechten Spur. Kommentar: „Das Internet ist voll von Videos von Rüpeln, die ihre gefährlichen Aktionen sogar noch stolz präsentieren.“

… die asozialen Rüpel, die in dickfelliger Hartnäckigkeit ihre Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot begangen haben, sind offensichtlich nicht gemeint. Warum nicht? Die sind doch die Provokateure! Autofahren ist potentiell lebensgefährlich! Ihr könnt doch nicht so tun, als ob es keine Rolle spiele, daß vollkommen verantwortungslose Schlaftabletten sich auf einer Autobahn benehmen, als würden sie durch die Landesgartenschau bummeln!? Die Pest im Verkehr sind diese Penner, die sich jahrzehntelang jeden Verkehrsstoß leisten können, den sie wollen, solange nur einer nicht dabei ist: Mal schneller gefahren als erlaubt.

Merkt euch: Wer rechts überholt worden ist, hätte auch links überholt werden können, wenn er selbst rechts gefahren wäre. Wer ist hier der Rüpel? Der asoziale, verantwortungslose Schnarchrüpel, der zwei Drittel der vorhandenen, sauteuren  Verkehrsfläche für sich und seine stinkende Bräsigkeit reserviert – oder der, der eine individuelle Lösung für das Problem findet?

Aber es kommt noch dicker: Der Unfallforscher Siegfried Brockmann philosophiert – Zitat: „Man ist in Deutschland eher nicht geneigt, dem Anderen Raum zu lassen. In Frankreich ist man da entspannter …“

… gequirlte Hühnerkacke. In Deutschland gibt es nicht unendlich viel Raum, den man jeder Schnarchnase überlassen könnte, die in ihrem Raum gerne schnarchen möchte. Der Verkehr auf den deutschen Autobahnen ist um etliches dichter als der im ländlichen Frankreich. Außerdem geht es nicht um irgendeinen Raum, sondern um den Raum, den ein Dilettant widerrechtlich für sich beschlagnahmt. Es geht um die Ordnung in einem System, das wegen der physikalischen Kräfte, die in ihm wirken, um etliches gefährlicher ist, als das System Fernsehcouch. Um Raum für verantwortungslose Schnarchnasen geht es, wenn überhaupt, erst danach.

Zitat Unfallforscher: „In Deutschland sind wir alle Rechthaber.“

… wenn der Rechthaber recht hat, in so einem gefährlichen System wie dem Straßenverkehr zumal, dann hat er eben recht. Wie anders, als über Rechte, Pflichten und Regeln soll das System denn funktionieren? Mit Rechthaberei im Sinne von „Klugscheißerei“ hat das nichts zu tun. Wem Leib und Leben lieb sind, der bewegt sich auf Autobahnen umso sicherer, je mehr er darauf vertrauen kann, daß die Regeln eingehalten werden.

Deswegen gehören die lebensgefährlichen Dilettanten, die sich aus Freundlichkeit entschliessen, auf einer Vorfahrtsstrasse ohne jede Vorwarnung den Anker zu werfen, um einen Wartepflichtigen einbiegen zu lassen, ohne jede Vorwarnung maulschelliert. Der Straßenverkehr ist keine soziokulturelle Veranstaltung, in der die Kriterien von Freundlichkeit – oder besser noch: „Menschlichkeit“ – irgendeinen Wert hätten. Deswegen gibt es dort Regeln. Wer sie im Kopf hat und sie beachtet, der hat recht. So einfach ist das abseits jedweder soziologischen Philosophiererei. Wer ohne Not permanent die mittlere Spur einer dreispurigen Autobahn im Wohnmobiltempo blockiert, der ist, so leid es mir tut, ganz einfach ein asoziales Arschloch. Und zwar als allererstes. Alles, was deswegen  passiert, ist Folge dieser Ursache.

Minute 17:00: Leise schleicht sich tragische Pianomusik pietätvoll in den Gehörgang, während die Kamera auf das Wrack eines japanischen Kleinwagens zoomt. Das Heck ist bis auf Höhe der Vordersitze praktisch nicht mehr existent. Es hängt in wirren Blechfetzen davon. Eine Mutter und ihre Tochter, beide erwachsen, sind in dem Wrack gestorben. Das ist tragisch. Der Fahrer eines Audi A6 war mit 190 km/h von hinten in den Kleinwagen hineingefahren. Von Interesse: Der Fahrer des Audi war Manager eines Pharmakonzerns. Nicht von Interesse: Der Unfallhergang. Weiß also der Geier, warum das passiert ist. Die einzige Info: Es ist passiert, als der Kleinwagen in die linke Spur zog, um einen LKW zu überholen. Bei dem Crash wurde der Kleinwagen 130 Meter weit geschleudert. Da sollte sich doch ausrechnen lassen, wie langsam der Kleinwagen gewesen ist, als er hinter dem LKW in die linke Spur zog – und wie nahe der Audi da bereits gewesen sein muß. Es ist eigentlich ein klarer Fall: Daß jemand mit 190 Sachen einfach so einem Langsameren ins Heck rauscht, obwohl er ihn längst hätte sehen können, ist eher unwahrscheinlich.

Vielfach zu beobachten ist aber, daß ohne zu blinken und mit einer lediglich geringen Differenzgeschwindigkeit zum LKW in die linke Spur gewechselt wird, nachdem im Außenspiegel ganz kurz gecheckt wurde, wie weit der rückwärtige Verkehr in der linken Spur noch entfernt ist. Ein wesentlicher Punkt ist dabei nie von Interesse: Wie schnell kommt der da von hinten? Man müsste glatt ein halbes Sekündchen länger in den Spiegel schauen, dann wüsste man auch das. Zu viel der Konzentration, ganz offensichtlich. Jede Wette: Der böse Manager des Pharmakonzerns in seinem „PS-Protz“ wurde von dem Kleinwagen kurz noch überrascht, bevor es krachte. Der war zwei Sekunden vorher garantiert noch nicht direkt vor ihm, sondern rechts vor ihm, hinter dem Laster. Aber wer soll schuld sein laut NDR? – Klarer Fall: Der Manager im Audi, weil: 190. Was lernen wir? 190 ist ein Scheißtempo. Besser wären in dem Fall 240 gewesen, weil der Audi dann zu dem Zeitpunkt, als der Kleinwagen ausscherte, bereits an der verantwortungslosen Schnarchnase vorbei gewesen wäre, die den gräßlichen Unfall verursacht hat. Leider hat sie ihre Verantwortungslosigkeit in diesem Fall nicht überlebt und sogar noch einen weiteren Menschen mit in den Tod gerissen. Gestorben wegen Schnarchnasigkeit. Kein ehrenhafter Abschied von dieser Welt.

Aber was sehen wir als nächstes beim NDR? Das Doku-Team im trauten Heim bei den Hinterbliebenen der verantwortungslosen Schnarchnase. Alle haben verweinte Augen und sind ganz unendlich traurig. Sie erzählen uns mit zitternder Stimme, wie sehr sie leiden, seit sich die Schnarchnase entleibt hat, wie traumatisiert alle sind und wie überhaupt alles ganz schrecklich ist, weil es ihr ganzes Leben verändert hat. Jetzt wissen wir aber ganz genau, wer Schuld hat. Auch ohne Unfallhergang. Am liebsten würden wir den gewissenlosen Pharmamanager lynchen. Erst recht, als wir erfahren, daß er sich bei den Hinterbliebenen der Schnarchnase, die sich entleibt und ihn schwer geschädigt hat, nie gemeldet hat.

Ich sage euch etwas anderes, ihr NDR-Fuzzis: Diese leidgeprüfte Familie soll wenigstens froh sein, daß sich der Manager nie bei ihr gemeldet hat und daß er den schnarchnasigen Mordanschlag der geliebten Verblichenen überlebt hat, weil er in einem crashsicheren Audi saß. Die 190 Sachen, mit denen er der suizidalen Schnarchnase hinten reingerauscht ist, hätte er auch in einem kleinen Lotus Elise oder auf einem Motorrad draufhaben können – ganz legal an der Stelle des Unfallorts übrigens – und dann wäre der arme Mann auch noch tot. So schaut´s aus, ihr linken Schwachsinnsdokumentierer. Nur, weil der Manager eines Pharmakonzerns den verpeilten Anschlag einer Kleinwagenfahrerin auf sein Leben im Gegensatz zu der Angreiferin überlebt hat, ist er noch lange nicht das Schwein.

Der absolute Brüller aber ist der Verkehrspsychologe im Gespräch mit einem reuigen Temposünder. Ein junger Mann um die dreißig, keine Punkte in Flenburg, immer unfallfrei gefahren, ist auf seiner Hausstrecke mit über 180 km/h geblitzt worden. Erlaubt waren an der Stelle 100 km/h. Ihm droht nun der Führerscheinentzug. Der Verkehrspsychologe soll ihm helfen: „Schön, daß du (!) gekommen bist. Wollen wir nochmal über dein Delikt reden?“ Und dann reden sie darüber. Und wie! Grundannahme: Absolut niemand kann es verantworten, auf irgendeiner Landstraße 180 zu fahren. Auch nicht ganz kurz mal. Weil: Wenn man auf einer Landstraße mit 180 gegen den Baum fährt, ist man mausetot. Und dann weinen die Hinterbliebenen. Das Auto ist noch nicht abbezahlt und sie müssen es weiter abbezahlen, obwohl niemand mehr etwas vom Baumauto hat. Und das alles nur, weil einer ausnahmsweise mal das Gaspedal durchgedrückt hat. Ob der junge Mann wohl so viel Leid über die Welt bringen wolle, will der Verkehrspsychologe wissen. Ob er sich das einmal überlegt habe, hakt er nach.

Wenn der junge Mann nun seinen Führerschein partout abgeben wollte, müsste er folgendermaßen antworten: „Hör´ma, Alter, ich fahr´nicht 180 auf der Landstraße, um mich dabei um den Baum zu wickeln. 180 und 180 sind nicht dasselbe. Wenn deine Oma 180 auf der Landstraße fährt, überlebt sie es nicht. Ich schon. Mein Auto beschleunigt besser, es hat ein besseres Fahrwerk, bessere Reifen und bessere Bremsen als das deiner Oma. Und ich kann besser fahren, bin fitter, sehe besser und reagiere schneller und präziser. Daß man nicht 180 fahren darf, ist ein ganz anderes Thema.“ – Führerschein futsch.

Was macht der junge Mann also? Er mimt den Geknickten, den Einsichtigen. Nein, sagt er, das habe er sich in dem Moment nicht überlegt. Wir lernen: Wer beim Verkehrspsychologen sitzt, sollte sich nicht so benehmen, als ob er sich für schlauer als den Verkehrspsychologen hielte. Daß es dabei nicht darauf ankommt, ob er tatsächlich schlauer ist, versteht sich von selbst. Im Therapiezimmer des Verkehrspsychologen ist gefälligst der Psychologe derjenige, der recht hat. Und zwar immer.

Wir lernen also: Wenn wir 180 auf der Landstraße fahren wollen, dann tun wir das auf einem verwinkelten, buckeligen und geflickten Kreissträßchen zweiter Ordnung, das wir wie im Schlaf kennen – und wo so wenig Verkehr herrscht, daß es sich für die geldgeile Blitzermafia mangels Masse nicht lohnt, einen Blitzer aufzustellen. Außerdem macht es mehr Spaß, als auf einer schnurgeraden Bundesstraße. Besonders, wenn der Straßenverlauf von lauter Obstbäumen flankiert ist. Was lernen wir noch? Linke Verkehrspsychologen sind von den Realitätsverweigerern die allerschlimmsten. Fürchterliche Kollektivisten.

Was noch? Wir sind nicht nur Verkehrsteilnehmer, sondern auch noch Menschen, die gerne Auto fahren. Wir lassen uns das nicht zu einer soziokulturellen Großveranstaltung kleinreden, die nach den Kriterien von Menschlichkeit, Ängstlichkeit, Leid, Mitleid und Trauer funktioniert, sondern wir bestehen darauf, daß es uns Spaß machen darf und daß Regeln gelten. Wegen der Lebensfreude, die ein hohes Gut darstellt. Was wir können und was nicht, wissen wir genauso gut, wie wir wissen, was erlaubt ist und was nicht. Abwägungen treffen wir selbst und solange wir unsere Abwägungen richtig treffen und niemandem etwas passiert, können uns die kollektivistischen Sicherheitsfuzzis mit ihren fehlerhaften Grundanahmen gepflegt den Buckel herunterrutschen. Wir leben nicht im Kindergarten.

_____________________________________

Der Autor hat über 3 Mio. Kilometer in ganz Europa unfallfrei zurückgelegt, verschiedene Fahrsicherheitsseminare absolviert und hat keine Eintragung im Zentralregister in Flensburg. Er weiß absolut, wovon er redet.

 

 

 

 

 

 

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.