Behördenversagen: Weihnachtsmarkt-Gemetzel hätte verhindert werden können

Jouwatch Collage: Attentat auf Weihnachtsmarkt hätte laut Bericht vereitelt werden können - Behörden haben versagt
Jouwatch Collage: Attentat auf Weihnachtsmarkt hätte laut Bericht vereitelt werden können - Behörden haben versagt

In einem von Sonderermittler Bruno Jost jetzt veröffentlichten Abschlussbericht zu den Polizeiaktionen um den Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri geht hervor, dass die Polizei den Tunesier vor dem Anschlag vermutlich hätte stoppen können. Doch weil sie ihn nur „sporadisch“ überwachten und nicht an Wochenenden und Feiertagen observierten, konnte es zu dem verheerenden Anschlag kommen.

Von Bianca Hoe

Der ehemalige deutsche Staatsanwalt Bruno Jost legte die Methoden der Beamten des LKA in seinem 72 Seiten umfassenden Bericht vor. Laut Jost hätten die Beamten „unzureichend“, „verspätet“, „versagt“ und „unprofessionell“ gehandelt. Der Sonderermittler vertritt die Ansicht, dass wenn die Polizei ihre Arbeit ordnungsgemäß erledigt hätte, der Anschlag mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ hätte vereitelt werden können.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass Beamte des Landeskriminalamts LKA den tunesischen Asylbewerber Amri nur an Wochentagen im Auge behielten und sich nicht die Mühe machten, ihn auch an Wochenenden und Feiertagen präventiv zu beobachten.

Jost sagte, da die radikalen, islamischen Aktivitäten von Amri nicht ernst genug waren, um ihn hinter Gitter zu bringen, verschleppten LKA-Ermittler die Gelegenheit, ihn im Zusammenhang mit Drogenhandel zu verhaften und auszuweisen.

Ein Grund dafür, dass Amri nie wegen Drogenhandels verfolgt wurde, sei ein völliger Mangel an Kommunikation zwischen Polizei und der Staatsanwaltschaft gewesen. Am Ende wollte niemand für Amri verantwortlich sein, und sein Fall landete daher nie vor Gericht.

Die Berliner Behörden sind nicht die einzigen, die sich in dem Bericht harter Kritik gegenübersehen. Als Amri in Baden-Württemberg war, wurde er im Besitz einer gefälschten, italienischen Identitätskarte angetroffen, so der Sonderermittler Jost. Trotz dieses Vergehens wurde Amri von den Behörden in Friedrichshafen ohne Anklage freigelassen.

Jost untersucht derzeit auch die Vorwürfe, dass LKA-Beamte Beweise in Bezug auf Amri manipulierten, um ihre eigenen Fehler zu vertuschen. Bruno Jost beschuldigt auch einen nicht näher genannten Polizeichef, die Akten manipuliert zu haben, da er die letzte Person war, die sich an dem Computer anmeldete, auf dem die Daten gespeichert waren.

Der als Asylbewerber abgewiesene Tunesier Anis Amri tötete 12 Menschen und verletzte 55 zum Teil schwer, nachdem er am 19.Dezember vergangenen Jahres mit einem Sattelschlepper auf den überfüllten Weihnachtsmarkt an der Gedächtnis Kirche in Berlin gefahren war. Er flüchtete nach dem Anschlag und wurde später von bewaffneten Polizisten am 23. Dezember in der Nähe von Mailand in Italien erschossen.

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