Ouistreham – das neue Calais

Foto: Durch Edward Crawford/Shutterstock
Einen Weg, um nach Großbritannien zu kommen, findet sich allemal (Foto: Durch Edward Crawford/Shutterstock)

Nachdem es in Calais für sie immer schwieriger wird, haben sich die illegalen Einwanderer aus Afrika in Frankreich einen neuen Standort ausgesucht, um nach Großbritannien zu kommen. Die kleine Hafenstadt Ouistreham in der Normandie hat jetzt das „Vergnügen“ mit den Migranten und ruft nach Hilfe.

Von Marilla Slominski

Die Einwanderer kommen aus dem afrikanischen Eritrea und dem Sudan, aus Pakistan, Afghanistan, Albanien und dem Iran. Sie brechen auch hier, wie schon zuvor in Calais, in einem unbemerkten Augenblick Lastwagen auf und verstecken sich auf den Ladeflächen, um illegal nach Großbritannien einzureisen. Vom nahegelegenen Hafen der Stadt aus, starten täglich drei Fähren in das auf dem britischen Festland gelegenen Portsmouth.

„Es wird immer schlimmer. Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen mehr Polizisten. Es ist eine große Anzahl von Migranten, die auf die Gelegenheit warten, überzusetzen. Wenn es einigen gelingt, auf die Fähren zu gelangen, werden immer mehr hierherkommen,“ so der stellvertretende Bürgermeister Luc Jammet.

Die Migranten, die gut organisiert sind, rechnen sich von ihrem neu entdeckten Standort bessere Chancen für ihre Reise nach England aus: „Mir ist gesagt worden, das hier ist der beste Platz, um auf die Fähren zu kommen. Jeder redet nur noch über Ouistreham. Nach England zu kommen ist mein Traum, sei ich vor sechs Jahren Pakistan verlassen habe. Dort gibt es keine Arbeit“, erklärt Asad Gul, 33, aus Peshawar in Pakistan.

Die mit der Situation überforderte Polizei ist angewiesen, bei ihren Lastwagen-Aufbrüchen erwischte Migranten wieder laufen zu lassen, so dass sie einen nächsten Versuch starten können.

Ein Sudanese erzählt, dass er in den letzten zwei Monaten 45 mal geschnappt worden ist und auf den Straßen der kleinen Hafenstadt schläft. „Es ist alles ein Katz und Maus Spiel. Wir wissen, welche Lastwagen wir nehmen können. Die älteren lassen sich leichter aufbrechen. Eines Tages werden sie mich nicht erwischen und ich werde es schaffen, da bin ich sicher“, so der Sudanese.

Drei Stunden, bevor die Fähre startet, beziehen die illegalen Einwanderer Position an verschiedenen Punkten der Stadt. Die einen versuchen die Polizei abzulenken, die anderen auf die Laster zu kommen. Hält ein Lastwagen an einer Ampel, springen die Migranten aus ihren Verstecken und versuchen auf die Ladeflächen zu kommen. Die Fahrer schließen sich ein und halten inzwischen nicht mehr an roten Ampeln an, sondern fahren weiter und werden so zum Risiko auf den Straßen.

Auch die Bürger sind verängstigt: „Jeden Tag sitzen sie an meiner Hauswand. Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Kürzlich haben sie versucht, meiner Freundin das Handy zu klauen. Es gibt hier nicht genug Polizei. Wir sind hier mitten an der Frontlinie und keiner hilft uns“, berichtet der 46jährige Anwohner Alain Hurel.

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