Forsa-Chef Güllner warnt Union vor Kurskorrektur nach rechts

Foto: Forsa-Chef Manfred Güllner (über dts Nachrichtenagentur)
Foto: Forsa-Chef Manfred Güllner (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – So kann nur ein Linksradikaler denken: CDU und CSU ziehen nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner die falschen Konsequenzen aus den starken Stimmenverlusten bei der Bundestagswahl, wenn sie jetzt ihr rechtes Profil schärfen wollen. Es sei ein „Irrglaube“, wenn manche in der Union meinten, sie könnten AfD-Wähler mit dem Begriff Heimat zurückholen. „Das rechtsradikale Wählerpotential, von dem die AfD profitiert hat, gab es schon immer. Da geht es nicht um Heimat“, sagte Güllner dem „Handelsblatt“. Da spielten antidemokratische Aspekte eine Rolle. Die Dauer-Nichtwähler, die das demokratische System an sich ablehnten, seien zur AfD gewandert, sagte Güllner weiter.

Das sei problematisch. „Denken Sie nur an die Weimarer Republik. Die NSDAP ist zur Massenpartei geworden, weil sie zunehmend die demokratiefernen Wähler mobilisieren konnte.“

Das sei auch der AfD gelungen – sowohl bei den Landtagswahlen als auch bei der Bundestagswahl. Die CDU hingegen vergesse, dass sie „viele Wähler an den Friedhof verloren“ habe. Deshalb müsse die Union vor allem die jungen Wähler gewinnen.

„Stattdessen krähen CDU und CSU aber, man müsse das rechte Profil schärfen. Diese Unionsstrategie ist völlig idiotisch.“ Es sei auch „ein Märchen, wenn die Konservativen in der Union glauben, sie hätten ihre konservativen Stammwähler verloren“, sagte Güllner weiter. „Die katholischen Kirchgänger sind die treuesten der treuen Wähler der Union.“ Das habe sich bis heute nicht geändert. „Deswegen sind die ganzen Gedankenspiele in der Union falsch.“ CDU und CSU müssten sich vielmehr fragen, wie sie jüngere Wähler an sich binden könnten. „Die kriegt man aber nicht mit einer bürgerlich-konservativen Erneuerung“, betonte Güllner. „Die Union muss die Jungen ansprechen, die eben nicht rechts ticken, sondern eher links von der Mitte.“ Für sinnvoll hält Güllner die Forderung in der Union, ein Heimatministerium auf Bundesebene zu etablieren, um die Bedeutung des ländlichen Raums zu stärken. „Wenn man das als Infrastrukturministerium für den ländlichen Raum sieht, dann ist das sicherlich eine richtige Überlegung. Das trifft den Nerv der Leute“, sagte der Forsa-Chef. „Denn es gibt ja großen Unmut darüber, dass sowohl öffentliche als auch private Infrastruktureinrichtungen auf dem Rückzug sind.“ Deshalb sei es richtig, darüber nachzudenken, wie man verhindern könne, dass das „Gefälle zwischen Stadt und Land“ noch größer werde. „Ob man das dann mit dem Etikett Heimatministerium versehen muss, ist eine andere Frage.“ (Quelle: dts)

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