Der Sexismus-Beauftragte spricht

(Foto: Durch Ollyy/Shutterstock
Geile Werbung, oder? (Foto: Durch Ollyy/Shutterstock)

In der Jouwatch-Redaktion hat es bis vor wenigen Monaten keinen Sexismus gegeben, was als sehr betrüblich empfunden wurde. Ein Sexismus-Beauftragter musste her. Seither gibt es Sexismus bei Jouwatch

von Max Erdinger

Die Berliner Zeitung meldet heute, daß die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg eine Sexismus-App empfiehlt. Monika Herrmann (53), Grüne, ermuntert dazu, sich recht rege via App über sexistische Werbung zu beschweren. Wer zu viel nackte Haut auf Werbeplakaten entdeckt, kann sich bei „Werbemelder.in“ empören. In zwei Jahren sollen die Beschwerden ausgewertet werden. Warum und wozu, werden wir dann erfahren.

Ich habe das Thema heute mit dem Heinerhofbauern seinem Knecht besprochen – und er meint, daß die Herrmann bloß neidisch ist auf die Weiber, die schöner sind als sie selbst. Dem Heinerhofbauern sein Knecht sagt, daß es immer die optisch benachteiligten Weiber sind, die sich über die nackte Haut ihrer schöneren Geschlechtsgenossinnen aufregen. Und daß er das verdächtig findet. Es gibt auch schöne Weibsleute, die sich aufregen, sagt er. Aber die waren früher schön. Damals hätten sie sich nicht aufgeregt. Inzwischen wären wieder Schönere nachgewachsen.

Dem Heinerhofbauern sein Knecht sagt, daß er das nicht versteht, weil: Er kennt Weibspersonen, die in ihrer Schönheit von der Herrmann kaum zu unterscheiden sind, keinerlei Anmut und Liebreiz verströmen und trotzdem viel nackte Haut zeigen. Er meint, die hätten auch viel zu viel Haut. Der Trick, den sie dabei anwenden, sagt er, ist der, daß sie ihre nackte Haut tätowieren lassen, so daß man sie anschaut, um die Bilder zu betrachten. Letzthin hätte er in der Stadt eine gesehen, die mindestens zwei Zentner hatte. In dünnen, halb durchsichtigen Leggins sei sie, die Nasenspitze in die Luft gestreckt, in pinkfarbenen Gymnastikschühchen mit Glitzersternchen drauf durch die Fußgängerzone geschwabbelt wie eine hatschende Preßwurst, die sich für appetitlich hält. Und ihre Haare hätten drei verschiedene Farben gehabt: Grün, lila und wasserstoffblond. Daß diese Metzgerseele glaubt, irgendwer würde sich an ihrem Anblick erfreuen, sagt er, ist Sexismus gegen den Mann. Dem Heinerhofbauern sein Knecht ist Sexismusbeauftragter bei den Almtätigen. Er weiß also, wovon er spricht.

Wenn Sexismus schlecht wäre, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, dann könnte die Herrmann ja mal in die Normandie fahren und sich Soldatenfriedhöfe anschauen. Da gäbe es etwas zu protestieren. Darüber könnte sie sich beschweren. Die Soldatenfriedhöfe dort, sagt er, sind eine einzige sexistische Sauerei. Weil: Die schönen Weiber auf den Werbeplakaten sind immerhin noch am Leben und haben ihre eigenen Gesichter. Aber die Soldatenfriedhöfe, sagt er, das sind tausende vollkommen gleicher, weißer Kreuze, alle in Reih und Glied, die alle Toten unterschiedslos auf ihr Geschlecht reduzieren. Nicht eine einzige tote Weibsperson dabei, sagt er. Wenn mehr Weiber auf solchen Friedhöfen liegen würden, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, dann würden sich weniger über die Plakatwerbung aufregen. Logisch.

Richtig schöne Weibspersonen, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, haben mit dem Sexismus nicht das geringste Problem. Weil sie davon profitieren. Die Werbeschönheiten lassen sich ja nicht kostenlos fotografieren, sondern verlangen Geld dafür. Eine gutaussehende Frau mit großer Oberweite, sagt er, verdient mit ihren Brüsten so viel Geld wie drei Einsteins mit ihrem Gehirn. Weil Männer den Verstand verlieren, wenn sie schöne Frauen sehen, nicht, weil Schönheit aus sich heraus einen materiellen Wert hätte. Schöne Weibspersonen könnten ja nichts dafür, daß sie schön sind und hätten trotzdem etwas davon. Deswegen haben sie auch nichts gegen Sexismus. Manche behaupten das zwar, aber es sei geschwindelt, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht.

Überhaupt, sagt er, müsse man sich fragen, ob man nicht jede Person, die von Sexismus, Gleichberechtigung, Frauenförderung und dem ganzen Gedöns daherredet, besser maulschellieren sollte, anstatt sie ernstzunehmen. Dem Heinerhofbauern sein Knecht betrachtet es als eine Quasi-Kriegserklärung gegen seine geschlechtliche Identität, daß genau die Weibspersonen, die sich ständig über alles mögliche beschweren, was mit ihrer Weibsenhaftigkeit zusammenhängt, kein Sterbenswörtchen darüber verlieren, daß es innerhalb nur eines Jahrhunderts eine extreme Spreizung bei der durchschnittlichen Lebenserwartung zu ihren Gunsten gegeben hat. Nicht eine nimmt das als Grund her, sich zur Abwechslung einmal für Männer einzusetzen. Umgekehrt gibt es aber Tausende von krawattierten Beischlafbettlern, die sofort hüpfen wie die dressierten Affen, wenn irgendwo Weibsgemecker ertönt.

Mit den Weibern, sagt er, besonders mit den durchpolitisierten, sei es wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau. Sie wollen immer noch mehr für sich. Wie es dem Fischer dabei geht, ist ihnen völlig wurscht. Die sollen froh sein, daß sie eine Mumu haben, sagt er, weil: Hätten sie keine, wüssten selbst drei Einsteins noch nicht einmal theoretisch, wozu diese unverschämten Geschlechtslosen überhaupt gut sein sollen. Schafe liefern immerhin Wolle, auch unverschämte Schafe. Von diesen übergewichtigen, benachteiligungsneurotischen und unterbumsten Xanthippen mit ihren grauen Kurzhaarfrisuren hingegen käme nichts als Hader und Zwietracht. Er sei einmal mit dem Bauern in einem mittelalterlichen Kriminalmuseum gewesen, sagt der Knecht. Dort habe er Schandmasken gesehen. Die hätte man früher keifenden Weibern aufgesetzt und sie so zum Gespött der Anderen durch die Stadt laufen lassen. Er fragt sich, was daran fortschrittlich sein soll, daß es das heute nicht mehr gibt. Als Sexismusbeauftragter wolle er sich dafür einsetzen, daß der Sexismus nicht ausstirbt und daß die Anti-Sexismus-Protestierer keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Bis wir normalen Männer so sexistisch seien wie diese Xanthippen mitsamt ihren Haaren auf den Zähnen, müssten wir noch viel lernen. Er lehnt es aber ab, unnützes Zeug zu lernen. Wo man hinschaut, sagt der Knecht, würde den Anti-Sexistinnen sexistischer Anti-Männer-Zucker in ihre fetten Hintern geblasen. Sie hatten nie eine Wehrpflicht, sie werden vor Gericht gnädiger behandelt, sie leben länger, das gesamte Scheidungs- und Unterhaltsrecht hat man in ihre Dienste gestellt, lediglich für positiv konnotierte Begriffe gebraucht man penibel eine männliche und eine weibliche Form, während negativ konnotierte allesamt rein männlich bleiben dürfen usw.usf.

Daß sich vollkommen unbegehrenswerte Weiber über die vorteilhafte Nacktheit ihrer schöneren Geschlechtsgenossinen aufregen und hysterisch gegen Sexismus keifen, sagt der Knecht, sei schon ein starkes Stück. Absolut ausrasten könnte er aber, wenn sie in ihrem Anti-Sexismuswahn auch noch behaupten, es handele sich um männlichen Sexismus gegen die Frauen insgesamt. Das Gegenteil sei der Fall. Männer seien seit jeher willfährige Objekte von weiblichem Sexismus gewesen. Und daß das nicht das Verkehrteste gewesen sei, sagt er, weil: Wenn sich Männer nie die Seele aus dem Leib geschuftet hätten, um die materiellen Voraussetzungen zu schaffen, die ihnen die Geneigtheit einer begehrenswerten Frau verschafft, – wir wären nie eine wohlhabende Nation geworden. Es hätte eine ganze Reihe bahnbrechender Erfindungen nie gegeben.

Männer, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, sind im allgemeinen Sklaven ihrer Triebhaftigkeit. Sie tun alles, um zum Zuge zu kommen. Der Grundstein jedweden Wohlstandes sei der Minnesang. So gesehen, meint der Knecht, seien Männer wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach die wahren Begründer des okzidentalen Wirtschaftswunders und Ludwig Erhard nur ein kleines Licht. Man sehe das an Kulturen, in denen die Frauen nicht idealisiert werden. Daß es die Moslems in den letzten fünfhundert Jahren zu nichts gebracht haben – und somit niemandem etwas gebracht haben -, sagt er, läge daran, daß sie ihre Weiber nicht verzögen. Obwohl sie sie natürlich begehren.

Wenn es aber schon so ist, sagt der Knecht, daß sich in unserer Kultur, in der sich – nicht im Detail, aber im Prinzip -, schon seit hunderten von Jahren alles um die Nasenspitzen der Weiber dreht, die unbegehrten Weiber zu Sprecherinnen ihres gesamten Geschlechts aufspielen, dann ist das von einer verlogenen Politdekadenz, die zu gar nichts anderem führen kann als zur kulturellen Degeneration und in der Folge zum wirtschaftlichen Abstieg. Die Kultur des fortwährenden Wirtschaftswachstums, sagt der Knecht, hängt in ihrem tiefsten Grunde daran, daß man Männern Titten zeigt und sie dadurch sozusagen „einnordet“, ein Ideal vor Augen stellt, ihnen die Marschrichtung vorgibt, ihnen Orientierung verschafft. Ohne Weiber, sagt der Knecht, gäbe es für Männer sehr wenig zu tun. Sie kämen nämlich mit sehr wenig zurecht und wären dennoch zufrieden.

Das alarmistische, antisexistische Sexismus-Geplärre nicht begehrenswerter Frauen hat überhaupt keine Berechtigung, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Es ist völlig vergeblich. Wofür, fragt der Knecht, sollte jemand eine Frau Herrmann von den Grünen begehren? Für ihren Geistesreichtum? Für ihren Humor? Für ihre sympathische Bescheidenheit angesichts der Realität? Und wenn man sie erstens schon nicht begehren kann und zweitens von ihr auch noch als verdammungswürdiger Sexist verunglimpft wird, fragt er, was ist so ein Weib dann, außer einem einzigen lästigen, überflüssigen und blöden Ärgernis? – Die Frage konnte ich ihm auch nicht beantworten.

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