Deutschland gehen langsam die Ziffern – und das Hirn – aus

(Bild (re)- Von Pein: Der-ernst-bier; CC-BY-SA 4.0; siehe Link); Bild: JouWatch)
Überall "Nazis!"- SPD-Politiker Tobias von Pein hat den Kampf aufgenommen (Bild (re)- Von Pein: Der-ernst-bierCC-BY-SA 4.0; siehe Link)

Kiel – Hinter jeder noch so harmlos daher kommenden Zahlenkombination entdecken die „Kämpfer gegen Rechts“ mittlerweile Zahlencodes der „Nazis“. Die SPD  in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein hat es sich zur Aufgabe gemacht, dafür zur sorgen, dass die „Nazis“ ihre Gesinnung nicht auch noch auf ihren Autonummernschildern zu Schau tragen und überlegen sich, die „Liste der bösen Zahlen- und Ziffernkombinationen“ zu verlängern.

Wie es scheint, sind sie überall. Mit versteckter Symbolik erobern die „Nazis“ unaufhörlich unseren öffentlichen Raum. Hinter jedem Busch, hinter jedem Strauch und – wenn wir nicht endlich etwas dagegen unternehmen, auf jedes Autonummernschild schmuggeln die „Rechten“ ihr menschenverachtendes Gedankengut.

SPD in Kiel will „rechten Lifestyle aufdecken und bekämpfen“

Wer in Deutschland versucht, die Kürzel NS, KZ, HJ, SA oder SS auf sein Nummernschild zu bekommen wird – Nazi hin oder her – jedoch scheitern. Denn diese stehen bundesweit auf der „Blacklist“ der Zulassungsstellen, da diese Buchstabenkombinationen böse sind, da sie einen eindeutigen Bezug zum Nationalsozialismus haben.

Der SPD in Kiel jedoch ist die Liste noch nicht lang genug. Denn, so der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion mit dem vielsagenden Namen „Tobias von Pein“, es gehe ja darum, den „rechten Lifestyle aufzudecken und zu bekämpfen“. Und das hier akuter Handlungsbedarf besteht, das zeigt uns ganz deutlich die Amadeu-Antonio Stiftung. Anetta Kahane und ihre willigen Helferlein listen das ganze grauenhafte Ausmaß auf und zeigen, zu welchen Mitteln „Nazis“ greifen, um sich unauffällig in der Gesellschaft bewegen zu können und trotzdem von Gleichgesinnten erkannt werden.

Die grauenhafte 18 und die nicht minder schreckliche „Nazi-88“

Zahlencodes! Auf ihrer Internetseite „Bell Tower – Netz für digitale Zivilgesellschaft“  -vormals die, wegen massiver Gegenwehr eingestampfte Denunziantenseite „Netz gegen Nazis“ – listet der verlängerte Denunziationsarm von Heiko Maas (SPD) diese schlimmen, schlimmen Codes auf. Dort wird der grauenhaften 18 (18 = Adolf Hitler), aber auch der nicht minder schrecklichen 88 (Heil Hitler, das Alphabet rückwärts abgezählt auch SS) die fiese „Nazi-Maske“ vom Gesicht gerissen. Wer aber glaubt, dass die 74 oder die 84 irgendwie harmloser sei, der erkennt nicht die Gefahr, die auf uns alle lauert. Auch die Ziffernfolge 28 benutzen, wie wir als aufmerksame Amadeo-Antonio-Stiftung-Leser wissen, Rechtsextremen als Code für das, seit 2000 verbotene neonazistische Netzwerk Blood & Honour.

Tobias von Pein, studierter Sozialökonom und irgendwie lebenslang schon für den Staat tätig, greift die Liste der ehemaligen Stasi-Zuträgerin Kahane willig auf und zeigt sich, wie auch sein grüne Genosse Lasse Petersdotter überzeugt, dass „die Regulierung von Kfz-Kennzeichen ein kleiner, aber notwendiger Mosaikstein in unserer Arbeit gegen Rechtsextremismus“ sei.

Bernd Buchholz (FDP), ehemaliger Vorstandvorsitzender von Gruner + Jahr Ag & Co., jetzt aktueller Verkehrsminister in Schleswig-Holstein, eint zwar die Ambition mit dem SPD-Funktionär, „Nazi-Propaganda“ zu unterbinden. Jedoch gibt es laut LN-Online seiner Ansicht nach in Sachen Kfz-Kennzeichen keinen Nachholbedarf. Darüber hinaus würde es in der betreffenden Region keine Kombination HEI-L und oder kein IZ-AN (rückwärts: „Nazi“) geben. Kollege Kay Richert (FDP) warnte vor einem Wettlauf, bei dem am Ende kaum noch erlaubte Kombinationen übrig blieben. Schließlich müssten dann auch linke Codes verboten werden. DDR und SE-D gehen übrigens nicht.

Hirn gesucht!

Dass dieser linksverdrehte Irrsinn noch gut Luft nach oben hat, zeigte 2016 der heiß diskutierte Weihnachts-Werbesport der Handelskette Edeka. Die zuständige Werbeagentur hatte – wohl ohne Annetta Kahane das Material vorab zur Abnahme zu schicken – ein Filmchen gedreht, in dem es nur so von „Nazi-Zeug“ wimmelte.

Unter anderem stellte die zur Hilfe gerufene Leiterin der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung, Sabine Bamberger-Stemmann, letztes Jahr zur Weihnachtszeit zweifelsfrei und mannigfaltig feststellen, dass im Edeka-Spot doch tatsächlich ein Auto mit dem Kennzeichen „MU-SS-420“ zu sehen war. Wegen „SS“ muss wohl kein Wort mehr verloren werden – „420 ist die gängige Abkürzung für Hitlers Geburtstag am 20. April“, so die Feststellung von berufener Stelle. Glasklarer „Nazi-Alarm“ war für Bamberger-Stemmann angesagt, weil das Werbefilmchen besonders am Anfang eine „heile Welt“ zeige und Werte transportiere, die auch für die Neue Rechte stünden. Denn – unfassbar für uns alle: Die Kinder spielen eine altmodische Version von „Mensch ärgere dich nicht“. Edeka hatte sich sogleich versucht, vom „Nazi-Verdacht“ rein zu waschen und umgehend eine vollumfängliche Entschuldigung hinterher geschoben.

Sollten die schleswig-holsteinischen Zulassungsstellen demnächst auf ihrer Suche nach neuen Ziffern- und Buchstabenkombinationen auf das abhandengekommenen Hirn von Herrn von Pein oder Frau Bamberger-Stemmann stoßen, können sie dieses gleich bei der Amadeo-Antonio-Stiftung abgeben. Denn dort sind diese „Dinger“ ebenfalls extreme Mangelware. (SB)

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