Italien: Kann ein Wald faschistisch sein?

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Ein ganz, ganz böser Wald (Foto: Screenshot/Youtube)

Kann ein Wald faschistisch sein? Mit dieser Frage schlagen sich unsere italienischen Nachbarn herum, seit es im August an den Hängen des Monte Giano 100 Kilometer nordöstlich von Rom gebrannt hat.

Von Marilla Slominski

Im Jahr 1939 waren auf dem Berghang Bäume in der Form des Wortes „DUX“ für „Duce“, zu Ehren des Faschisten Führers und Diktators Benito Mussolini gepflanzt worden. Bei dem Feuer, das versehentlich beim Kochen einer Tomatensauce entstand, wurden im Sommer das „U“ und das „X“ zerstört. Soll der Wald, der als Kulturgut geschützt ist, nun wieder aufgeforstet werden oder soll er seinem Schicksal überlassen werden, darüber ist nun ein heftiger Streit entbrannt.

„Ein wichtiger Teil unserer Identität ist in Flammen aufgegangen“, schrieb der Bürgermeister der nahen Gemeinde Antrodoco, Alberto Guerrieri, auf Facebook. Wegen der verbrannten Bäume steige nun das Risiko von Überschwemmungen.

Andere freuen sich politisch korrekt über die abgebrannten „faschistischen“ Bäume. Für sie sind die 20.000 Pinien ein Zeichen für die Besitznahme des Landes und der Natur durch das Mussolini-Regime und sollten nun ihrem Schicksal überlassen werden.

Über die Jahrzehnte wurde das vernachlässigte Naturdenkmal zum symbolkräftigen Ort für neofaschistische Gruppen.

1998 stellte die damalige linke Regionalregierung ca. 130.000 Euro für die Wiederaufforstung des Waldstücks bereit. Ziel war es damals, durch Neupflanzung von Bäumen die Buchstaben DUX im Grün verschwinden zu lassen. Schon damals stritten die Italiener heftig, bis in das Parlament hinein, über diese Maßnahme – ohne Ergebnis.

2004 übernahm ein Politiker des rechten Lagers die regionalen Regierungsgeschäfte und machte es sich zur Aufgabe die Diktator- Buchstaben nach vorangegangenen Bränden, die in den heißen italienischen Sommern immer wieder ausbrechen, wieder sichtbar zu machen. Dafür richtete er extra einen öffentlichen Spendenfond ein.

In den USA hat die Verbannung „rassistischer“ Denkmäler von Personen der Vergangenheit, die das Gesicht der Nation prägten, das ganze Land erfasst (JouWatch berichtete). Auch in Italien und Deutschland ist die Debatte über den Umgang mit aus heutiger Sicht verachtenswerten geschichtlichen Persönlichkeiten voll entbrannt.

Das Außergewöhnliche an diesem lebendigen Denkmal ist, dass es nicht aus Beton und Steinen besteht, sondern ein sichtbares Zeichen ist, das in die Landschaft gepflanzt wurde.

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