Steinzeit: Neue Wahlstudie vom Bertelsmann

Steinzeit wird modern (Foto: Pixabay) https://cdn.pixabay.com/photo/2017/07/13/23/22/man-2502243__480.jpg
Steinzeit wird modern (Foto: Pixabay) https://cdn.pixabay.com/photo/2017/07/13/23/22/man-2502243__480.jpg

Allerweil versuchen die Wahlgebeutelten alles mögliche, um ihre Diskurshoheit zu retten. Da sind drollige Versuche dabei, wie der von der Frau Katrin Göring-Eckardt (Grüne), den Begriff „Heimat“ umzudefinieren. Auch das Links/Rechts-Schema funktioniert nicht mehr so richtig. Die Nazikeule erntet immer mehr Gelächter als furchtsames Verstummen. Etwas Neues mußte her. Und der geschmeidige Bertelsmann hat etwas recht Bauernschlaues erfunden.

von Max Erdinger

Die BILD berichtet – Zitat: „Statt der herkömmlichen Links-Rechts-Kategorien gebe es in Deutschland eine „neue Konfliktlinie der Demokratie zwischen Modernisierungsskeptikern und Modernisierungsbefürwortern“, heißt es in einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung.“ – Zitatende.

Oh-la-la, die „Modernisierung“ soll´s also richten? „Modern“ kommt von „Modernisierung“. Wenn die Gehirnzellen modern, spricht der Fachmann allerdings von der gefürchteten Zerebralfäule. „Modern“ und „Fäulnis“ passen nämlich auch gut zusammen.

Die Modernisierung als solche, – was ist sie? Gibt es Beispiele für Modernisierung? Natürlich gibt es welche. Als die Nazis damit begonnen hatten, große Menschenmengen nicht mehr einzeln zu erschießen, sondern kollektiv zu vergasen, war das eine Modernisierung. Modernisierungen hat es schon viele gegeben. Auch, daß einen in heutigen Autos extrem nervige Bimmeltöne alle naselang vor irgendetwas warnen, ist modern. Begnügten sich unmoderne Autos noch damit, kommentarlos einen Sicherheitsgurt zur Benutzung anzubieten, machen moderne Autos so lange ein stetig sich steigerndes Bimmelspektakel, bis der Gurt angelegt ist. Bevormundung ist modern. Wer könnte also etwas gegen die grundgute Modernisierung haben? – Die Modernisierungsskeptiker. Im Gegensatz zu den Modernisierungsbefürwortern.

Nun ist es so, daß bei schlauen Leuten der Begriff „Modernisierung“ so neutral daherkommt wie ein abgestandenes Wasser ohne. Modernisierung ist nichts, solange sie nicht wissen, was genau „modernisiert“ werden soll. Nur Deppen, denen das völlig wurscht ist, geraten allein schon beim Begriff „Modernisierung“ in den seligen Taumel freudvoller Zuversicht. Sie denken modern, sie halten sich für modern und sie wähnen sich an der Spitze der Zeitläufte. Wenn es modern geworden ist, in den Abgrund zu springen, dann springen sie und rufen den Zaudernden noch zu: „Ihr seid doch unmodern!“. So sehr sind sie vom Segen des Modernen überzeugt.

Diese Deppen glauben natürlich auch, daß ein Braunlinker und ein Konservativer so ungefähr dasselbe seien, daß Frauen benachteiligt sind und daß uns ein menschengemachter Klimawandel alle umbringen wird, wenn wir nicht kollektiv auf moderne E-Autos umsteigen und überall mit hässlichen, ineffizienten Windrädern eine alte Kulturlandschaft verschandeln. Sie sind eben modern. Und wenn das Land mit archaischen Steinzeitlern geflutet wird, dann halten sie das auch für modern. Die Modernisierungsbefürworter sind also moderne Deppen.

Was hingegen ist ein Konservativer, der mit dem alleinstehenden Begriff „Modernisierung“ zunächst weder Negatives noch Positives verbindet? Per definitionem ist der Konservative einer, der das bewahren will, was immer gilt. Was gilt immer? Auch da gibt es Beispiele. Immer gilt, daß ausstirbt, wer sich nicht fortpflanzt – und zwar ganz egal, ob sich nicht fortzupflanzen gerade als modern oder als unmodern angesehen wird. Immer gilt, daß wahr bleibt, was wahr ist – und daß es dabei egal ist, ob man erkennt, was wahr ist. Realität hängt nicht davon ab, ob sie erkannt wird. Das gilt immer. Wer Krebs hat, der hat Krebs, ob er es schon weiß oder noch nicht. Das gilt auch immer. Eine „moderne Gesellschaft“ (das muß wohl das Gebilde sein, das wir zur Zeit haben) wird nicht davon „noch moderner“, daß man sie mit „völlig unmodernen Leuten“ flutet. Was sind „unmoderne Leute?“ – Keine Ahnung. Die Modernisierungsbefürworter aus der Studie des Bertelsmanns müssen ja, wenn sie Befürworter sind, einen Begriff von Modernität haben, nicht ich. „Wrschtlpfrmpft“ kann selbst ein Depp nicht befürworten, so lange er keine klare Vorstellung davon hat, was das überhaupt sein soll.

Wenn man also den löblichen Modernisierungsbefürworter dem zaudernden Modernisierungsskeptiker – und laut Bertelsmann AfD-Wähler – gegenüberstellt, dann ist der Modernisierungsskeptiker eigentlich der Modernere. Er hält es für nicht wünschenswert, daß Frauen nachts nicht mehr alleine vor die Haustür können, ihn stört das Moderne an der  exorbitanten Zunahme von Sexualdelikten. Auch moderne Attentate infolge moderner Grenzöffnungen hält er nicht für das Gelbe vom Ei. Zensur hält der Konservative im Gegensatz zum Modernisierungsbefürworter nicht für einen Fort- , sondern für einen Rückschritt. Und exorbitante Steuerquoten erinnern ihn eher an die unmoderne Galeerensklaverei, als an eine moderne Gesellschaft von Freiheitlichen. Der Konservative kann ohne zu zögern sagen, daß etwas einmal modern gewesen sei. Und zwar in der Vergangenheit, im Gegensatz zur Gegenwart.

In Wahrheit sind es diese intellektuell herausgeforderten Modernisierungsbefürworter – und Befürwörterinnen, die ohne zu zögern die Steinzeit für modern erklären würden, solange sie nur wieder in der nahen Zukunft liegt.

Und jetzt mal aufgepaßt, Bertelsmann: Ich bin zu schlau für den Krampf von den „Modernisierungsbefürwortern“ als den Guten und den zurückgebliebenen „Modernisierungsskeptikern“, die halt lediglich noch überzeugt werden müssten. Aber ich verrate dir etwas, damit du wenigstens morgen ein bißchen schlauer bist als heute: Nicht nur das Links/Rechts-Schema samt der Nazikeule schwächelt etwas. Es schwächelt auch der inzwischen steinalte Versuch, Sachverhalte über die Verwendung anderer Begriffe zu ihrer Beschreibung zu verändern. Eine Frau, die für Bezahlung Sex anbietet, wird immer von Freiern gevögelt werden, egal, ob man sie „Nutte“ nennt oder „Sexarbeiterin“. Da kann „Sexarbeiterin“ so modern sein, wie es will. Das ändert nichts. Und ein Neger wird nicht davon weiß, daß man ihn einen „Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund“ nennt. Ich finde es klasse, daß afrikanische Neger afrikanische Neger sind. So lange sie es in Afrika sind. Aber ich finde es nicht klasse – weil modern -, wenn sie in einer mainfränkischen Weinstube messerbewehrte Missionierungsversuche für Allah unternehmen, während die unmodernen Alteingesessenen panisch um ihre Winzervesper herumrennen. Das finde ich einfach unpassend für eine altfränkische Weinstube. Wenn ich darüber hinaus – der Herr gebe, daß mich der Schwachsinn verschont – „modern“ so verstehen würde wie die „Modernisierungsbefürworter“, dann würde ich es sogar unmodern finden.

Jedenfalls, Bertelsmann: Der nächste Versuch zur Volksverblödung darf gerne noch schlauer ausfallen, als der hier. Für den hier gilt nämlich: Satz mit X – war wohl nix.

 

 

 

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