Intendant des Friedrichstadt-Palastes will keine AfD-Wähler als Zuschauer

(Bild: Patrick Gutsche; CC BY-SA 3.0 DE; siehe Link)
Berndt Schmidt (Bild: Patrick Gutsche; CC BY-SA 3.0 DE; siehe Link)

Der Chef des vom Land Berlin getragenen Friedrichstadt-Palastes, Berndt Schmidt, will keine AfD-Wähler als Gäste in „seinem Palast“ haben. Dies erklärte er in einer Rund-Email an seine Mitarbeiter. Er könne auf das Geld gut verzichten. Die „West-Arschloch“-Beschimpfungen würden nun als  „Bestrafungsinstrument“ von AfD-Anhängern gegen ihn eingesetzt. Fraktionsvorsitzender der Berliner AfD, Georg Pazderski wirft Schmidt ein „gefährliches Demokratieverständnis“ vor. 

Obwohl der steuerfinanzierte „Palast“ eine Bühne des Landes Berlin ist, gebärdet sich Herr Schmidt in einer Art und Weise, die glauben machen könnte, dass es sich bei der Bühne um seinen ureigenen Besitz handele.

Herr Schmidt will keine AfD-Wähler in seinem Palast

In dem Rundschreiben an seine Mitarbeiter Ende September – nun auf seiner Facebookseite veröffentlicht – teilt der Intendant mit, dass er keine AfD-Wähler als Gäste im Friedrichstadt-Palast haben wolle. Er könne auf deren Geld gut verzichten. Der selbstherrliche Schmidt fabuliert in einem Schreiben an sein Ensemble, dass dem Palast als bedeutender Kulturinstitution im Osten eine Verantwortung erwachse. Denn dort habe die AfD mit Abstand die höchste Zustimmung erhalten.

Natürlich seien nicht alle AfD-Politiker Nazis und auch nicht alle „AfD-Wähler*innen“, so der um gendergerechte Beleidigung bemühte Herr Schmidt weiter. „Aber wer AfD wählte, wusste, dass er auch Nazis in den Bundestag wählt. Wer das aus Angst oder Sorge oder Protest in Kauf nimmt, ist ein Brandstifter und Mittäter. No fucking excuse“. 20 der gewählten 94 AfD-Abgeordneten im Bundestag seien das, was er unter „Nazis“ verstehe.

Der Palast repräsentiert den anständigen Osten

In seiner Selbstdarstellung führt Schmidt Hasnain Kazim an, jenen indisch-pakistanischstämmigen Spiegel Korrespondenten, der letztes Jahr den Deutschen empfahl, sich daran zu gewöhnen, dass Migranten hierzulande immer mehr werden und dieses Land für sich beanspruchen werden, und der auf SPON nach der Bundestagswahl wehklagte, dass die AfD nun in den Bundestag eingezogen sei.

Herr Dr. Schmidt schloss sein langatmiges Lamentieren über die angeblich rassistischen, homophoben Deutschen mit dem Versprechen: „Wir werden uns künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potentiellen Kunden im Osten abgrenzen und von Hohlköpfen mit Migrationshintergrund selbstverständlich auch. Ich will all deren Geld nicht. Der Palast repräsentiert den anständigen Osten, egal ob in Beirut, Bautzen oder wie ich, in Bruchsal geboren.“

„Ich betreibe auch keine Ost-Schelte“

Am Donnerstag nun sah sich der Herr Intendant bemüßigt, unter der Überschrift „In eigener Sache“, eine Facebook-Erklärung abzugeben – die zum einen keine ist und zum anderen nicht auf seinem eigenen Facebookaccount erschien, sondern auf der Facebookpräsenz des Friedrichstadt-Palastes.

„West-Arschloch“

Schmidt musste nun feststellen, dass er viele Hass-Mails nach seiner „Meinungsäußerung“ bekommen habe. Anhänger der Partei, die er in seinem „Palast“ nicht haben will, würden nun „E-Mails als Bestrafungsinstrument“ einsetzen, der AfD-hassende Intendant gegenüber der BZ am Donnerstag . Er werde als „West-Arschloch“ und „Nazi“ beschimpft.

Berndt Schmidts gefährliches Demokratieverständnis

„Der Intendant offenbart ein höchst gefährliches Demokratieverständnis, wenn man das überhaupt noch so nennen kann. Nach dem Motto: Ich toleriere jede Meinung, so lange sie nicht von meiner eigenen abweicht“, so Landes- und Fraktionsvorsitzender der Berliner AfD und Mitglied im Bundesvorstand, Georg Pazderski.

„Dieser Mann hegt ein totalitäres Weltbild. Wer in Deutschland sein freies Wahlrecht nutzt und dabei anders wählt, als dieser Herr Schmidt es erlaubt, der wird dann dafür bestraft. Wo leben wir eigentlich? Wenn Herr Schmidt meint, fast sechs Millionen deutsche Bürger beleidigen und diffamieren zu müssen und erklärt, er sei auf ihr Geld nicht angewiesen, dann sollten diese nicht nur sein Revuetheater tatsächlich nicht mehr aufsuchen. Dann sollten auch die jährlich über acht Millionen Euro staatliche Fördermittel aus Steuergeldern nicht mehr an den Friedrichstadt-Palast gezahlt werden.“

Lob von linker Seite

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) stärkte Schmidt hingegen der politisch- korrekten Rücken. „Der Intendant hat eindeutig Stellung gegen den zunehmenden Rechtspopulismus bezogen, das finde ich absolut in Ordnung“, so das ehemalige PDS-Mitglied Lederer. Er wolle als Senator nicht kommentieren, „welchen Weg ein Intendant dabei geht“, so die BZ. (SB)

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...