Schloss Bellevue: Genosse Steinmeier allein zu Haus

Foto: Collage
Steinmeier präsidial (Foto: Collage)

Nach der Rede ist vor der Rede. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Genosse Steinmeiers Ansprache zum 3. Oktober, der eigentlich ein Nationalfeiertag ist, war blutleer und flach, die Krise des politisch korrekten Mainstreams wurde ungewollt präsentiert – sie ist vor allem eine inhaltliche.

Von Hans S. Mundi

Denn erkennbar wurde, dass die noch von SPD-Sigi Gabriel eingefädelte Personalentscheidung für das Amt eines Gauck-Nachfolgers, nun ohne amtierende Sozialdemokratie im Hintergrund, mehr als fragwürdig wirkt. Frank Walter Steinmeier, dessen Karriere in der bundesdeutschen Parteibuch-Verwaltung einst ihren Lauf nahm, gelangte als mit dem Charme eines eher typischen Spitzenbeamten nach ganz oben, der stets mit seiner Diplomatensprache zu langweilen wußte – eben ein Apparatschik für zeitgemäße Politik ohne Ecken und Kanten in Merkels glatt geschliffener Republik. Er war zwar noch passend für die opportunistische SPD und deren Teilhabe an der Macht im Bund und in den Ländern, er wirkt nun aber nach der Bundestagswahl eher unpassend, als letzter Mohikaner einer sterbenden 20-Prozent-Volkspartei, die ihre Identität verloren hat. Genosse Steinmeier ist laut diverser, vorrangig SPD-naher, Medien nun angeblich „angekommen“ im viel zu großen Schloss Bellevue, er ist dort jetzt aber allein zu Haus, denn seine alte Tante SPD spielt im aktuellen deutschen „Jamaika“ nur noch eine Statistenrolle.

Steinmeier – der Sprecher aller schlechten Wahlverlierer

Als Sprecher aller schlechten Wahlverlierer taugt ein Bundespräsident in etwa so viel wie ein Insolvenzverwalter, der die Schuldner zum Tanzen aufs Parkett bittet. In der Aura dieses Bundespräsidentendarstellers liegt ungewollt das Versagen der Berliner Arroganzeliten, eine schmierige Seifenoper mit äußerst schlechten Schauspielern, deren Politikverständnis zunehmend an der Realität abprallt – und das Volk auf immer weitere Distanz bringt. Vom „Polizistenball“ der Mächtigen in Mainz sprachen Beobachter der lauen Inszenierung ohne Volk, aber mit 500 handverlesenen Merkel-Bravo-Klatschern, die man sich jetzt an Tagen wie diesen vor die Bühne stellt. Merkels neue „DDR“ ist ein scheußlicher Ort. Das Volk musste leider draussen bleiben, denn es hatte soeben im Wahlkampf noch der Merkel an allen Marktplätzen der Republik laut pfeifend gezeigt, was es von ihr hält. Insofern sprach Steinmeier im Sinne des Wortes eine wahrlich abgeschottete Rede – er sprach zu sich, zu Spiegel-und Tagesspiegel-Redakteuren, zur seelenlosen Merkel und ihrer noch seelenloseren CDU, zu den überbezahlten Intendanten aus der komfortabeln GEZ-Zone, zu sich und seiner klein gewordenen Kleinpartei SPD, man war eben bei dieser schwachen Inszenierung in Mainz unter sich, man sprach mit sich, hielt sich eine Rede – das Volk war woanders, jedenfalls nicht bei Steinmeier und seinen Kolportage-Weisheiten, die ein drittklassiger Redenschreiben im vorgetextet hatte. Armes Deutschland.

Bei Steinmeier dringen die Argumente nicht durch die Mauer

„Die große Mauer quer durch unser Land ist weg. Aber am 24. September wurde deutlich: Es sind andere Mauern entstanden, weniger sichtbare, ohne Stacheldraht und Todesstreifen – aber Mauern, die unserem gemeinsamen „Wir“ im Wege stehen. Ich meine die Mauern zwischen unseren Lebenswelten: zwischen Stadt und Land, online und offline, Arm und Reich, Alt und Jung – Mauern, hinter denen der eine vom anderen kaum noch etwas mitbekommt. Ich meine die Mauern rund um die Echokammern im Internet; wo der Ton immer lauter und schriller wird, und trotzdem Sprachlosigkeit um sich greift, weil wir kaum noch dieselben Nachrichten hören, Zeitungen lesen, Sendungen sehen. Und ich meine die Mauern aus Entfremdung, Enttäuschung oder Wut, die bei manchen so fest geworden sind, dass Argumente nicht mehr hindurchdringen. Hinter diesen Mauern wird tiefes Misstrauen geschürt, gegenüber der Demokratie und ihren Repräsentanten, dem sogenannten „Establishment“, zu dem wahlweise jeder gezählt wird – außer den selbsternannten Kämpfern gegen das Establishment.“ Steinmeiers Rede in Auszügen vom 3. Oktober 2017

Powered by Valium: Steinmeier mit der Dynamik einer fallenden Büroklammer

Ein historisch bedeutsamer Tag der DEUTSCHEN EINHEIT? Ein verlorener Tag für Deutschland. Wer solchen Unsinn á la Steinmeier als sinnstiftend und richtungsweisend für sein Volk betrachtet, der scheint seine Informationen ausschließlich von den GEZ-Medien zu beziehen, der ist ahnungslos und stammelt und stottert einer für ihn und seinesgleichen verlorenen Bundestagswahl hinterher, die er rückwirkend nun möglichst doch noch moralisch gewinnen will.

Die Mauer muss her, um Andersdenkende auszugrenzen, um martialisches Denken anderen zu unterstellen, denn wer die SPD nicht wählt, ist schließlich „Pack“ und „Ossi“ und „Nazi“, da kann es keine Gnade geben. Die AfD wird nicht genannt und ist doch fast in jedem Satz vom Genossen Steinmeier zu finden, als böser Schatten, als deutsche „Vergangenheit“, als Schuld und Holocaust, als irgendwas mit Hitler, den wir niemals vergessen dürfen, denn mit der SPD wird es niemals einen „Schlussstrich“ geben, weil man diese Schuldenlast doch so herrlich im politischen Kampf für die Denunziation Andersdenkender nutzen kann und Kritik an den Eliten damit im Keim erstickt wird.

Das geplapperte Politplatt des obersten Verwaltungsgenossen wurde von den angrenzenden Gefälligkeitsmedien teils in eine „Ruck-Rede“ umgedeutet und insofern als links & gutmenschlich im üblichen Rahmen als Halluzination wahrgenommen. Doch dieser Ruck hatte allenfalls die Dynamik einer fallenden Büroklammer, die sanft auf der Auslegeware in einem Großraumbüro landet. Die nächste Rede von Steinmeier? Powered by Valium….. im Schloss Bellevue wird es ab jetzt reichlich langweilig werden, denn dieser Präsident hat Land und Leuten absolut NICHTS zu sagen. Die Realität ist längst woanders und wesentlich aufregender. Gähn. Gute Nacht, Deutschland.

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