Michael Klonovsky: Mal unter uns Betschwestern

Foto: Durch Aisyaqilumaranas/Shutterstock
"Betschwestern" bei der Arbeit (Foto: Durch Aisyaqilumaranas/Shutterstock)

Dass Sie die SPD-Politikerin Elke Ferner nicht kennen – bei meinem einstigen Chefredakteur Helmut Markwort waren Namenswitze verpönt, doch hier drängt sich die geläufige Formulierung „unter ferner liefen“ geradezu auf –, hat wahrscheinlich mit der Ungleichbehandlung von Frauen zu tun, denn Ferner gehört als Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugend und Frauen und sogar Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen zu den Politikern, über die fairerweise täglich berichtet werden und deren Ratschlägen man beherzt folgen sollte. Nun hat die Sozialdemokratin dem Vorwärts, also gewissermaßen ihrem medialen Pendant, ein Interview gegeben, in dem sie skizziert, wie unsere bzw. ihre Gesellschaft noch weiblicher und besser werden könnte. Hören wir kurz in den trauten Plausch zwischen kritisch-aufgeklärtem Journalisten und kritisch aufklärender Staatssekretärin hinein:

Von Michael Klonovsky

Vorwärts: Der Frauenanteil im neu gewählten Bundestag liegt bei nur noch 31 Prozent. Ist das einfach nur Zufall?

Ferner: Nein, das hängt mit dem Rechtsruck zusammen. Den geringeren Frauenanteil haben AfD aber auch CDU/CSU und FDP zu verantworten. Es ist ein Witz, dass die FDP-Fraktion einen Frauenanteil von 22,5 Prozent aufweist und die Union mit ihrer Parteivorsitzenden Merkel noch nicht einmal mal mehr 20 Prozent. Eine gerechte Geschlechterverteilung sieht anders aus.

Vorwärts: Welche Konsequenz ist daraus zu ziehen. Brauchen wir eine Quote im Bundestag?

Ferner: Wir sehen, dass der Frauenanteil in den Parteien mit parteiinternen Quotenregelungen deutlich besser ist. Der Frauenanteil bei Grünen und Linken liegt bei über 50 Prozent, bei der SPD bei 42 Prozent. (…) Deutlich wird aber auch, dass mit dem geltenden Wahlrecht eine paritätische und damit repräsentative Vertretung von Frauen und Männern im Bundestag kaum zu erreichen ist.
(…)

Vorwärts: Dann ist der geringe Frauenanteil im neuen Bundestag als Signal zu verstehen?

Ferner: Die Parlamente sollen ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Frauen zählen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung und sollten auch die Hälfte der Mandate im Bundestag haben. Wenn das über die Parteien nicht möglich ist, müssen wir das über unser Wahlrecht absichern. (Der ganze Seim hier.)

Unsere Schöne will also nicht weniger als das Wahlrecht ändern. Warum? Weil jeder zweite Mensch hienieden weiblich ist, also muss überall jeder zweite Mensch eine Frau sein, oder? Wir wollten eigentlich nicht die abgestandene Maskulinisten-Scherzfrage wiederholen, ob das auch für Bergbau, Müllabfuhr, Hochseefischerei, Sondereinsatzkommandos und Kanalreinigung gilt, aber eine Art Gerechtigkeits-Tourette zwingt uns dazu. Auch bei den naturwissenschaftlichen Nobelpreisträgern, Schachgroßmeistern, Dirigenten, Heldentenören und Exhibitionisten ist die Frauenquote wohl noch eine Utopie. (Mein Ältester hat gerade in München mit dem Physik-Studium begonnen; auf die Frage, wieviel Prozent seines Jahrgangs Mädchen seien, schätzte er: etwa zehn. Ich werde am Ende des Studiums noch einmal nachfragen, wie viele davon übriggeblieben sind.)

Aber was ist gegen das Postulat, das Parlament möge einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung abbilden, zu sagen? Nichts. Genau so verhält es sich nämlich und allerdings.

Zunächst einmal darf festgehalten werden, dass der Frauenanteil in den bisherigen 17 Bundestagen nur viermal über 30 Prozent lag; im 15. war er mit 33,9 Prozent am höchsten. 31 Prozent bedeuten keinen tiefen Sturz, sondern nur ein Retardieren auf angemessenem – weil tatsächlich repräsentativem – Niveau. Stand Dezember 2016 sah der Frauenanteil unter den Mitgliedern der Parteien wie folgt aus:

Grüne 39 Prozent
Linke 36,9 Prozent
SPD 32,2 Prozent
CDU 26,1 Prozent
FDP 22,6 Prozent
CSU 20,3 Prozent
AfD 16 Prozent.

Ein Kegelverein wählt einen Vorstand. Von 100 Mitgliedern sind 30 Frauen, und die Sprecherin der Kegelfrauen verlangt, dass von den acht Vorstandsposten vier auf Frauen entfallen müssen, weil Frauen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen. Was würden Sie als achtbarer Kegelbruder dazu sagen? Vielleicht: Na dann sollen sie doch in den Verein kommen, und wenn die Hälfte der Mitglieder weiblich ist, dann kann es gern auch der halbe Vorstand sein. Ist die Kegelschwester eine Sozialdemokratin, wird sie stracks entgegnen, erst wenn der Vorstand paritätisch besetzt sei, würden auch mehr Frauen in den Club strömen. Ist der Kegelbruder auf Draht, wird er fragen: Woher wissen Sie das? Kennen Sie einen Verein, wo es so funktioniert hat und der selber noch funktioniert? Die Gut-Holz!-Kameradin könnte nach einiger Grübelei antworten: die Grünen.

Schauen wir auf die Grünen. Der Männeranteil in der Gesamtpartei beträgt 61 Prozent. Von den 67 Bundestagabgeordneten sind 28 männlichen Geschlechts und 39 weiblich, wobei das natürlich nur gesellschaftliche Zuschreibungen sind, die für Grüne nichts bedeuten. Ergibt laut regula de tribus einen grünen Männeranteil im Bundestag von 41,8 Prozent. Mit einem Wort: Die Grünen diskriminieren das männliche Geschlecht in erheblichem Maße (was bei denen nicht weiter ins Gewicht fällt, weil die grünen Kerle bzw. Pudel fortschrittlich-gutmütigen Wesens sind und wissen, dass sich ihr soziales Konstrukt ungefähr seit dem Umsturz des Matriarchats in der späten Gentilgesellschaft gewaltige Ungerechtigkeitsschulden auf den schuppigen Scheitel gehäuft und viel gutzumachen hat an den Mädels).

Ich bin zu faul, jetzt bei allen Parteien nachzuzählen, doch man kann davon ausgehen, dass bei Linkspartei und SPD prozentual mehr Frauen Abgeordnete sind als Parteimitglieder, bei CDU, CSU und FDP mag der Anteil ungefähr deckungsgleich und also völlig gerecht sein (in Christians Partei sind es ideale 22,6 zu 22,5 Prozent). Die AfD ist ein Sonderfall, den Don Nicolás in den Worten zusammenfasste: „Die Frau weicht nicht vor einer Idee zurück, sondern vor dem sozialen Druck einer Idee.“ Desto bemerkenswerter die zehn (=10,75 Prozent) Frauen, die für die AfD in den Bundestag einziehen.

„Der Wahlausgang ist auch ein Schock für Gleichstellungspolitikerinnen“, gackert eine Journalistin im Tagesspiegel. Gleichstellungspolitikerinnen sind also geschockt, wenn der Bundestag das sogenannte Engagement von Frauen in der Politik exakt abbildet. Damit dürfte das Urteil über diese Art Politik gesprochen sein. Wer Quoten fordert, ist an Gerechtigkeit nicht interessiert, sondern verlangt nach Privilegien, die er oder sie sich auf legale Weise nicht zu verschaffen weiß.

Mal unter uns Betschwestern: Die Mädels werden gefördert und gefördert, aber außer dass ein paar exponierte Spitzbübinnen inzwischen auf Quotenvorstandsposten die Kohle abgreifen, passiert: nichts. Die Kluft zwischen den Geschlechtern bleibt so unerschütterlich wie der Grand Canyon. Sexisten, Kallophile, romantische Schwärmer, Lustmolche, Mütter und Biologen führen das darauf zurück, dass Frauen eben doch von anderer Artung sind als Männer, und manche freuen sich sogar noch darüber. Da aber die ganze Förderung nichts bringt und ausgerechnet die Propagandistinnen von (noch mehr) Quoten und (noch mehr) Sozialismus zugleich orientalische Gleichberechtigungsvorstellungen massenhaft importieren wollen, darf man durchaus vermuten, dass diese Holden einfach nur dumm sind.

Andrerseits: So dumm, dass sie massenhaft in Parteien eintreten, sind sie auch wieder nicht…

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