Tag der deutschen Einheit in einem gespaltenen Land

Foto: Collage
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27 Jahre deutsche Wiedervereinigung! – Hurra! Jubel, Frohsinn und Heiterkeit allerorten! Ich glaube, ich bin im falschen Film. Eine feiertägliche Betrachtung.

Von Max Erdinger

Weil der Fisch vom Kopf her stinkt, als erstes Angela Merkel. Ohne Mauerfall wäre sie jetzt noch in der DDR. Das trübt die grundsätzliche Freude über den Mauerfall schon ein wenig. Nicht so, daß man nie wieder einen Mauerfall haben wollen würde, aber eben doch ein bißchen. Seit 1990 haben wir gelernt: Mit den Mauerfällen ist es wie mit den Medikamenten. Die haben auch oft unangenehme Nebenwirkungen. Deswegen muß man sie aber trotzdem pünktlich einnehmen. Und zwar immer am 3. Oktober.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich akzeptiere Angela Merkel ohne jede weitere Schuldzuweisung als gesamtdeutsches Problem. 27 Jahre sind eine lange Zeit. Da können auch FDJ-Sekretärinnen, besonders in einem für sie fremden Habitat, völlig unvorhersehbare Entwicklungen nehmen. Merkel war 36 Jahre in der DDR und ist seit 27 Jahren Bundesbürgerin. Man kann nicht alles auf ihre ersten 36 Jahre schieben. Aber besonders einigend hat Merkel nicht gewirkt.

Man muß froh sein, daß sehr vielen Ostdeutschen ihr Leben in der DDR noch gut in Erinnerung ist. Sie riechen es als erstes, wenn der Fisch am Kopf zu stinken anfängt. Es ist kein Zufall, daß es Dresden gewesen ist, wo die AfD bei der Bundestagswahl mehr Stimmen als die CDU bekam und stärkste Partei wurde. Der deutschen Einheit dienlich ist das allerdings nicht gewesen. Im Rest der Republik gelten die Dresdner seither als gräßlich und verabscheuungswürdig. Wer will schon mit einer gräßlichen Verabscheuungswürdigkeit vereint sein? – Eben, niemand.

Grob unterteilt, kann man sagen, daß es in Deutschland heute zwei Lager gibt, die aus höchst unterschiedlichen Gründen keine ungetrübte Freude über die deutsche Wiedervereinigung empfinden können. Einmal sind das diejenigen, denen der Mauerfall wegen Merkel stinkt – und dann sind es diejenigen, denen Merkel gefällt, der Mauerfall aber wegen Dresden stinkt. Jutta Ditfurth zum Beispiel.

Einigkeit sieht jedenfalls anders aus. Im Grunde sind nur Gebiete vereint worden. Tag der deutschen Wiedervereinigung heißt ja auch nicht dasselbe, wie Tag der Wiedervereinigung der Deutschen. Ersteres hebt mehr auf den Staat ab und Zweiteres mehr auf die Bürger. Die Deutschen sind nicht wiedervereinigt worden. Ihre Nation wird peu a peu einer supranationalen Gigantomaschinerie zum Fraß vorgeworfen. Wer die deutsche Wiedervereinigung feiert, der kann nicht gleichzeitig die Globalisierung feiern, ohne unglaubwürdig zu werden.

Die Ostdeutschen haben sich mit mehr oder weniger „Erfolg“ in eine Gesellschaft der Uneinigen integriert, wobei weniger auch hier im Endeffekt mehr gewesen wäre. Wer Deutsche einig sehen will, fährt am besten nach Dresden. Wer lieber das Gegenteil sehen will, wählt Berlin, Frankfurt oder Köln.

Aber ist so etwas wie Einigkeit überhaupt vorstellbar in einem Land voller Berechtigter? Wenn man sich anschaut, mit welchen Klagen Deutscher gegen andere Deutsche deutsche Gerichte beschäftigt sind, kann man zweifeln. „Gekränkter musste sich gestreckten Mittelfinger ansehen“ – und ist nun berechtigt, sich beleidigt zu fühlen und gegen den Tort zu klagen. Wenn er die Kneipe betritt, und zwar egal welche, dann hat diese rauchfrei zu sein. Das ist sein Recht. Daß es im Einzelfall die Stammkneipe von Rauchern seit Jahrzehnten sein könnte, muß ihn nicht interessieren. Niemand darf ihn mit seinem Rauch umbringen. Es geht um Leben und Tod. Jeder gegen jeden – und das Ganze auch noch gruppenweise: Radfahrer gegen Autofahrer, Veganer gegen Steakliebhaber, Frauen gegen Männer, Linke gegen Rechte  – und jeder im prallen Bewußtsein seiner jeweiligen Berechtigung. Das Ganze wird wohlgefällig abgesegnet von einer Justiz, die freudig zur Kenntnis nimmt, wie sehr die versammelte Kinderschar ihre Nanny doch braucht und um ein Machtwort bittet. Für die deutsche Einheit ist das alles Gift. Und für die Einheit der deutschen Gartenzwerge interessiert sich kein Mensch.

Interessiert sich wenigstens jemand für die Einheit mit den deutschen Gartenzwergen? – Aber ja, und das ist die gute Nachricht des Tages: Am Tag der deutschen Einheit gibt es auch den Tag der offenen Moschee. Und zwar seit 1997 schon. Ob´s wohl ein Zufall ist? Jedenfalls kann der deutsche Individual- und Gruppenberechtigte, egal ob Single oder Alleinerziehend, an diesen Tagen der deutschen Einheit die Gelegenheit nutzen, um nachzusehen, ob es in der Moschee Leichenteile hat. Weil er aber noch nie welche gefunden hat, glaubt er auch, daß der Islam friedlich ist und Leichenteile etwas seien, das typisch für deutsche Weihnachtsmärkte ist.

Der Tag der deutschen Einheit ist also seit zwanzig Jahren vereint mit dem Tag der offenen Moschee. Man kann den Moslems dieses großartige Angebot zur kulturellen Bildung wirklich nicht verdenken. Die sind nämlich der Ansicht, daß man aus jedem einen Moslem machen kann. Auch aus einem Deutschen am Tag der deutschen Einheit. Sie schauen sich diese Deutschen einfach an, die da in die Moschee kommen und wissen sofort: Wenn wir die erst einmal im Sack haben, werden das die besten Moslems aller Zeiten. Die verpfeifen sich gegenseitig bei den Religionswächtern, sind gelehrig und überwachen sich selbständig.

Irgendwie wirkt der Tag der deutschen Einheit heutzutage etwas aufgesetzt. Mehr wie ein Zwangsritual. Gut, vor 27 Jahren konnte man froh sein, daß die Ostdeutschen dem SED-Regime vorläufig entkommen waren. Aber heute, nachdem sie von einem ganz ähnlichen  Regime wieder eingeholt worden sind?

Ein wiedervereinigtes Deutschland, das immer mehr zur DDR wird, kann mir eigentlich gestohlen bleiben. Eine gesamtdeutsche DDR ist kein Grund zum Feiern. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, daß sie nicht einmal dazu in der Lage ist, das zu leisten, was in der Original-DDR ein Klacks gewesen wäre: Der fortschreitenden Islamisierung Herr zu werden.

Einigkeit und Recht und Freiheit? Wohl eher Zwietracht, Unrecht und Freiheiten. Kein Grund zum Feiern.

 

 

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