Krähe gegen Krähe

Berichtet unkritisch: FAZ (Foto: Collage)

Jetzt pöbeln sie sich gegenseitig an. Der „Medienberater“ und ehemalige Schrödersprecher Bela Anda kritisiert die „Lügenpresse“. Nicht staatstragend genug. Bisschen undankbar, nachdem man doch nun seit Jahren servile Dienst anbietet. Die FAZ jault auf.

Von Volker Kleinophorst

Jetzt hacken die Allianz der Wahlverlierer und Systemmedien aufeinander ein. Die Medien hätten die AfD groß gemacht. Dass die „Kollegen“ sauer sind, kann ich sogar verstehen. Die Politiker mit Merkel als Vorturnerin haben ein Desaster angerichtet, die Medien waren handzahm und haben bei der Verdeckung brav sekundiert. Und jetzt kommen Schulz, Hermann… daher, deprimiert und wütend, weil der Wähler nicht mitspielt und machen die Medien verantwortlich.

Manchmal hackt eben doch eine Krähe der anderen ein Auge raus.

Bela Anda war mal Sprecher der Bundesregierung. Auf der Axel Springer Journalistenschule war er auch. Den Unterschied zwischen Politik und Journalismus kennt er trotzdem nicht, weiß aber was er von Systemmedien erwartet.

Worum geht es:

FAZ: „Am Dienstagmorgen interviewte der Deutschlandfunk den AfD-Politiker André Poggenburg. Es ging um den Vorwurf der zunehmenden Radikalisierung der Partei. Der Moderator Mario Dobovisek fragte unter anderem, wie Poggenburgs Satz „Deutschland den Deutschen“ zu verstehen sei. Poggenburg meint, es handele sich um eine „ganz normale Aussage, wie ,Die Türkei den Türken‘.“

FAZ-Autor Frank Lübberding ergänzt: „Darauf kann sich jeder Zuhörer seinen eigenen Reim machen.“ Bei der Einordnung ist man aber gern behilflich: Poggenburg versuche „rechtsradikale Terminologie als normalen Sprachgebrauch auszugeben.“

Das man darüber überhaupt reden muss, ist ja schon albern. Anda und Lübberding,  können sich ja gerne in Istanbul auf einen Platz ihrer Wahl stellen und dort den Menschen erklären, die Türkei gehöre nicht den Türken. Das sei Rassismus. Die Türkei gehöre der ganzen Welt. Kann er auch gerne in den USA mal versuchen, oder in China, Japan… Nur in Europa ist ein solcher Schwachsinn diskutabel, ja eigentlich ja nicht mal das.

Das Übliche werden sie jetzt sagen und was hat das mit Bela Anda zu tun.

Er kritisierte den Deutschlandfunk für das Interview und offenbart ein merkwürdiges Verhältnis zu Meinungsfreiheit, Unabhängigkeit der Medien und Demokratie.

FAZ: „Es sei „schlimm genug, dass diese Äußerung kritikfrei im DLF abgelassen werden kann“. Auf Nachfrage wurde Anda noch auf Twitter deutlicher: „Man sollte endlich anfangen, diesem völkischen Dreck immer und immer wieder zu widersprechen, gerade im Staatsfunk.“ Die Aufgabe des „Staatsfunks“ definiert Anda als „aktive Gegenwehr gegen jedes völkische Gedankengut und Sprüche wie, Deutschland den Deutschen‘“. Der „Staatsfunk“ soll nach Andas Verständnis also nicht mehr politische Kontroversen darstellen oder sie fragend verdeutlichen, sondern selbst Partei werden.“

Da wird es selbst der FAZ zu bunt. Warum er sich mit dem Deutschlandfunk auseinandersetzt und nicht mit Poggenburg? Die (Wir) berichten doch nur (Schön wär’s). Ich vermute mal, weil die nicht „auf Linie“ sind, liebe FAZ, meint Herr Anda eingreifen zu müssen.

Richtig analysiert die FAZ: „Andas Definition des „Staatsfunks“ bestätigt alle Vorurteile der Feinde einer offenen Gesellschaft, die Journalismus mit Propaganda gleichsetzen und den demokratischen Diskurs zerstören wollen. Etwas Gutes hat Andas Twitterei aber doch: Er macht die intellektuelle und politische Verwirrung deutlich, in die der Erfolg der AfD viele stürzt.“

Ja, wenn es einen selbst betrifft, jault man auf. Ansonsten bestätigt allerdings auch dieser tendenziösen Text, genau diese „Vorurteile der Feinde der offene Gesellschaft“ aufs Trefflichste. Wie da von Willkommenskultur und Flüchtlingen die Rede ist und mal kurz erklärt wird, was rechtsradikale Sprache ist. Besonders erstaunlich die Darstellung man habe seit den „Ereignissen am Silvesterabend in Köln, den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen“ nach kurzem Willkommensrausch wieder auf Journalismus umgestellt und schonungslos berichtet, kann doch nur eine massive Wahrnehmungsstörung sein. Ein Klick ins Archiv würde da sicher helfen.

Bela Anda hat heute eine PR-Agentur. Er bietet Krisenkommunikation, Imageüberholung, flankierende PR in Rechtsangelegenheiten für Individuen, Unternehmen, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen an. Für wen er genau arbeitet, steht auf seiner Webseite nicht. Ich hab da so einen Verdacht. Die guten Beziehungen zur Politik werden ja wohl noch da sein.

Schön, übrigens auch bei diesem Text die Kommentare, die belegen, dass die Leser doch nicht so doof sind, wie man es sich in der Journaille erträumt.

Das „Deutschland den Deutschen“ rechtsradikal sein soll, wie ja auch hier in diesem Stück „echtem Journalismus“ mal eben als Tatsachenbehauptung eingeflochten, erstaunt doch Einige.

Vielleicht sollte die FAZ anfangen aus den Kommentaren eine Zeitung zu machen. Dann klappt es auch wieder mit der Auflage.

Wandere aus, solange es noch geht!
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