Ist der Euro schon Schwundgeld?

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Der Euro als Zwangswährung, damit alle Länder den Bach runtergehen (Foto: Durch ANDREA DELBO/Shutterstock)

Überall wo man hinschaut entstehen neue Eigenheime, man bekommt nur mit guten Beziehungen einen Handwerker und der Aktienmarkt boomt. Die Wirtschaft brummt. Man fragt sich warum?

Von Wolfgang Prabel

Ist es die Regierungskunst der Groko gewesen? Mir fällt zwar nicht spontan ein, wer gerade Wirtschaftsminister ist, aber hat der im stillen Kämmerlein, fast unbemerkt von den Bürgern vielleicht Großartiges geleistet? Ist es die geniale Förderpolitik der EU, die alle zarten Pflänzchen des Gewerbes binnen kurzer Zeit zu kraftstrotzenden Industriegiganten machte? War es vielleicht das Glühlampenverbot, das Außenminister Gabriel geschickt eingefädelt hatte? Sind es die Windmühlen, in deren Rotoren Gold entsteht wie im Spinnrad des Rumpelstielzchens?

Waren es die Ärzte und Ingenieure aus Syrien, die dem Arbeitsmarkt erst den finalen Stoß verpaßt haben? Sind es die hochqualifizierten marokkanischen Programmierer, auf die die deutschen Autobauer gewartet haben, um endlich die ultimative fehlerfreie Motorensoftware zu kreieren? War es die geniale und umsichtige Bauleitung des Hauptstadtflugfeldes, die Deutschland in wirtschaftliche Höhen katapultiert hat? Oder die wichtigen Absprachen von internationalen Spitzenpolitikern beim Hamburger „Hafengeburtstag“?

Meine LeserInnen werden sich jetzt fragen: Ist der Prabel just verrückt geworden? Naja, nicht ganz! Ein Stöbern in der Datensammlung der Deutschen Bundesbank hat ihn nämlich vor dem blanken Wahnsinn gerettet.

Es ist ein Blick auf die Spareinlagen inländischer Privatpersonen. Im März 2011 wurde ein Spitzenwert als Allzeithoch von 604 Mrd. € erreicht. Inzwischen sind die Einlagen (ohne Bausparen und Termineinlagen über ein Jahr) auf 565 Mrd. € abgeschmolzen. Und das obwohl das Vermögen der Bürger in diesem Zeitraum von immerhin sechs Jahren deutlich gestiegen ist.

Von 2011 bis 2015 nahm das Wohneigentum privater Haushalte von 3.620 Mrd. € auf 4.162 Mrd. zu. Kredite und Verbindlichkeiten stiegen im gleichen Zeitraum von 1.552 Mrd. € auf 1.638 Mrd. €. Das heißt: nicht alle Neubauten waren kreditfinanziert, es wurden Vermögen umgeschichtet. Viele Kleinsparer glauben immer noch an die Banken und an die Versprechungen von Dr. Merkel. Ein Teil der Bürger ist jedoch kritisch und mißtraut dem Zauberer Draghi und der Berliner Hexe.

Das Sparen wurde zurückgefahren, insbesondere im Immmobilienbereich wird angelegt. Allgemein ist eine Flucht in Sachwerte zu verzeichnen. Das wirkt wie ein Konjunkturprogramm. 1916 hatte der Sozialreformer Silvio Gesell die Idee durch vermindertes bzw. verhindertes Sparen die Wirtschaft anzuheizen. Sein Schwundgeld sollte jeden Monat 2 % Wert verlieren, damit die Leute es ausgeben müssen. Die Träume von Gesell sind aktuell auch ohne sein Schwundgeld in Erfüllung gegangen. Oder ist der Euro als Hort des Mißtrauens auch eine Art Schwundgeld?

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