Frau Frauke Petry: Kaum ausgetreten, schon in der WELT

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Wer zuerst lacht...(Foto: JouWatch)

Frauke Petry, Ex-Vorsitzende der AfD und über die AfD in den Bundestag eingezogen, hat nach der Wahl bekanntlich ihren Austritt aus der Partei vollzogen und bleibt dennoch Mitglied des Bundestages. Das heißt: Auf den Einzug folgte der Vollzug – und dem wiederum folgt nun der Bezug. Und zwar der von Diäten für die nächsten vier Jahre. Das sind knapp 10.000 Euro im Monat, summa summarum also knapp eine halbe Million bis 2021. Profitabler hat noch niemand seine Wähler getäuscht.

von Max Erdinger

Um das Kraut gar fett zu machen, hat sich Frauke Petry nun ausgerechnet in der „Welt“ zu Wort gemeldet. Die „Welt“ ist dasjenige Sturmgeschütz der merkelhörigen Springerpresse gegen die AfD, das im Wahlkampf hauptsächlich durch zwei Rohrkrepierer Aufsehen erregt hatte. Einmal ging es dabei um die gefakte Weidel-Mail – und nachdem das wegen Substanzlosigkeit nichts gebracht hatte, blieb das zweite Geschoß wegen „Weidels Haushaltshilfe“ ebenfalls im Lauf der Welt hängen (Jouwatch berichtete mehrfach, u.a. hier).

Ausgerechnet bei Kanzlerfreundin Friede Springers Postille stilisiert sich Frau Frauke Petry nun also zum Opfer einer „Hexenjagd“. Der Begriff ist mit Bedachtsamkeit von ihr gewählt, gilt es doch im Volke als ausgemacht, daß mittelalterlichen Hexenjagden ausschließlich Frauen zum Opfer gefallen seien. Kein Historiker kann das bestätigen. Im Gegenteil: Nicht wenige Hexen des Mittelalters sind Männer gewesen. Die Wahl des Begriffs „Hexenjagd“ dürfte also entweder auf historischer Unkenntnis beruhen, oder aber genau kalkuliert gewesen sein. Wer denkt bei „Hexenjagd“ schon an eine Frau, die einen Björn Höcke als „männliche Hexe“ verfolgt? – Wahrscheinlich niemand. Und doch ist Frau Frauke Petry die treibende Kraft hinter dem Parteiausschlußverfahren gegen Björn Höcke gewesen. Nach Petrys Abgang dürfte sich das Problem allerdings in Wohlgefallen aufgelöst haben.

Von „Hexenjagd“ also zu „Hexe jagt“: Petry jammert vordergründig in der Springerpresse über eine Hexenjagd gegen sich, in Tat und Warheit ist sie aber nicht die Verfolgte, sondern die Verfolgerin. Zitat: >Die AfD gebe sich „anders als andere Parteien nicht damit zufrieden, Leute auf bestimmten Posten zu verhindern und dann anderswo zu parken“. Vielmehr werde „in der AfD sehr gründlich entsorgt“.< – Zitatende.

Wenn das nicht zum Lachen ist!? Ausgerechnet die Frau mit dem gründlichsten Entsorgungswillen gegen den vormaligen Parteifreund Höcke beklagt nun ihre eigene Gründlichkeit. Und sie nimmt natürlich das Verb „entsorgen“, wohlwissend, daß Gauland wegen der Verwendung dieses Verbs erst kürzlich in mediale Turbulenzen geraten war – und wohlwissend, daß außer Gauland niemand vorher jemals wegen „entsorgen“ medial geächtet worden ist. Sigmar Gabriel wollte im Wahlkampf 2013 beispielsweise – für sich selbst medial folgenlos – die Regierung Merkel „rückstandsfrei entsorgen“. Es gilt sogar als allgemeines Volkswissen, daß unfähige deutsche Politiker gern „in Brüssel entsorgt“  werden, von wo aus sie mitunter nach Deutschland zurückkommen. Darüber redet aber niemand gern – und wenn, dann hinter vorgehaltener Hand.

Nach dem Abgang Bernd Luckes als Parteichef im Jahre 2015 ist es außerdem Frauke Petry gewesen, die zur Parteidisziplin mahnte und Position gegen den parteiinternen Grabenkampf als solchen bezog. Was interessiert Frau Frauke Petry ihr „Geschwätz von gestern“? Natürlich muß sie heute so tun – wie übrigens jeder Politiker in einer vergleichbaren Lage – als sei ihre Entscheidung, aus der AfD auszutreten, rein politischer Natur gewesen und aus großer Sorge um die falschen politischen Inhalte erfolgt. Auch Frauke Petry weiß um den Spott, der kübelweise über Heide Simonis (SPD) ausgeschüttet worden ist, als die nach ihrer verhinderten Wiederwahl zur schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin mit tränenerstickter Stimme in die Mikrofone greinte: „Und was wird jetzt aus mir?“.

Kein Politiker kann öffentlich einräumen, daß es ihm um sich selbst geht, auch Frauke Petry nicht. Kein Politiker sollte allerdings so verstiegen sein, zu unterstellen, daß der Bürger nicht trotzdem merkt, worum es dem leidvoll klagenden Politiker geht. Mit dem von ihr inszenierten, parteiinternen Grabenkampf gegen die „Parteirechten“ des sogenannten Flügels hatte sie sich halt verkalkuliert. Sie hat die eminent wichtige patriotische Position, die der AfD unter allen anderen relevanten Parteien ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, völlig an der Realität vorbei als irrelevant, gar als hinderlich für den Erfolg der AfD eingestuft. Daß das grandiose Wahlergebnis für die AfD ihre Position Höcke und Gauland gegenüber ad absurdum geführt hat und daß sie selbst dadurch als „Führungsspitze mit Weitsicht“ widerlegt wurde, – das ist das, was Frauke Petry gegen den Strich geht. Und was ihr noch mehr gegen den Strich gegangen sein dürfte, das ist, daß dieser Erfolg für die AfD zwar die Partei stärkt, nicht aber ihre politische Positionierung – und damit auch ihren persönlichen Einfluß innerhalb der Partei nicht.

Nun gibt sie die von ihrem Gewissen getriebene „Diva“ und liegt schon wieder daneben. Niemand, der die kurze Entwicklungsgeschichte der AfD von der „Wahlalternative 2013“ hin zur drittstärksten politischen Kraft im Land penibel mitverfolgt hat, nimmt ihr die Rolle der „Geläuterten“ ab, die sie unter Nutzung eines offen AfD-feindlichen Mediums nun öffentlichkeitswirksam zum Vortrage zu bringen gedenkt. Jeder, der diese Geschichte aber mitverfolgt hat, weiß seit wenigen Tagen, welchen Charakter die AfD mit Frauke Petry losgeworden ist. Und keiner weint ihr eine Träne nach, noch nicht mal aus Enttäuschung.

Es sollte auch niemand glauben, daß es Petry und ihrem Ehemann Marcus Pretzell tatsächlich um ein neues politisches Projekt ginge, eine Art „CSU, die bundesweit antritt“. Man darf getrost seinen Kopf darauf verwetten, daß in der CSU selbst sehr diskret über diese Möglichkeit nachgedacht wird, weil die CSU längerfristig nur gewinnen kann dadurch. Daß in dem Fall eine merkelantische CDU in Bayern antreten würde, davor muß sich in Bayern niemand mehr fürchten. Die Bundestagswahl hat den eindeutigen Beweis geliefert, daß Wählerbewegungen von der CSU weg nicht nach links, sondern nach rechts erfolgen. Nein, die Behauptung, ein neues politisches Projekt starten zu wollen, dessen Erfolg schon heute als ausgeschlossen betrachtet werden darf, dient einzig dem Zweck, zu verschleiern, was der tatsächliche Rückzug der Pretzell-Familie aus der AfD ist: Die genau durchgerechnete Entscheidung, von der Politik zu profitieren und sich die Bundestagsdiäten zu erhalten, ohne deswegen den ganzen Stress zu haben, den man hätte, wenn man sich als Spitzenkraft einer Partei tatsächlich mit der täglichen Routine des Spitzenpolitikers belastet.

Es ist ja wunderschön, wenn sich junge Eltern für mehr Zeit mit der Familie und weniger beruflichen Stress entscheiden. Äußerst unschön ist es allerdings, wenn sie das materiell dadurch abzusichern gedenken, die Öffentlichkeit für blöd zu verkaufen. Im Grunde müsste man jede andere Partei davor warnen, sich solches Personal in den Pelz zu setzen. Wie gesagt, „im Grunde“: Tatsächlich ist es natürlich so, daß alle andere Parteien selbst schon mit derlei Personal „reichlich gesegnet“ sind. Die parteiübergreifende Einigkeit jedes mal dann, wenn wieder Diätenerhöhungen zur undebattierten Debatte stehen, stärkt diese Unterstellung ganz ungemein. Frau Frauke Petry hat sich also völlig entzaubert und darf zukünftig als Normalsterbliche gelten.

Streng der politischen Korrektheit und dem Gleicheitsgedanken verpflichtet, warnt meinereiner aber eindringlich davor, sich nur wegen Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Andrea Nahles, Claudia Roth, Barbara Hendriks, Aydan Özoguz, Henriette Reker, Frauke Petry und all´den anderen wunderbaren Frauen in der Politik, sich grundsätzlichere Gedanken über Frauen in der Politik zu machen. Auch dann nicht, wenn Sie in ihrem Männerleben viel Erfahrung mit Frauen gesammelt haben. Man kann sich da wirklich nur sehr viel Gegenrede und einen Haufen Ärger einhandeln. Still und leise für sich selbst zu denken geht in dem Zusammenhang aber noch. Still und leise könnte man sich die Frage stellen, wie es kommt, daß Frauen in Strafprozessen oft entweder ein prämenstruelles, ein menstruelles oder ein postmenstruelles Syndrom zur Schuldminderung zugestanden wird, während die Tatsache, sich im fortpflanzungsfähigen Alter zu befinden, in der Politik noch nie jemanden beunruhigt hat. Ob da wohl etwas ganz grundsätzlich ganz gewaltig faul sein könnte? – Wie gesagt: Überlegen Sie sich das lieber nicht zu laut.

 

 

 

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