Ergo, Generali und AXA kündigen an, ihre Lebensversicherungen verkaufen zu wollen

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Alter Mann steht mit Krankenschwester im Pflegeheim vor anderen Senioren

Das Manager-Magazin veröffentlichte am 28. September ein Interview mit dem Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein. In diesem Gespräch geht es um den von drei großen Versicherungsunternehmen angekündigten Verkauf von Lebensversicherungen. Genannt wurden Ergo, Generali und AXA.

Neben der Interpretation dieser Absichten als beginnende Massenflucht der Unternehmen aus der Verantwortung für ihre Versicherten wird dieses Verhalten als Gefährdung der Altersversorgung von ungefähr 10 Millionen Menschen beschrieben und von einem Beben gesprochen.

Ein interessantes Interview. Zum Beispiel wird gefragt: „Nun wollen Aufkäufer selbstverständlich Geld verdienen mit den erworbenen Beständen. Wie soll das gehen?“

Der Experte vom Bund der Versicherten antwortet wohl so konkret, wie es ihm möglich ist: „Indem sie kostengünstiger arbeiten als eine Ergo, Axa oder Generali. Angesichts der desolaten Lage der meisten Versicherer in Sachen Digitalisierung ist das aber wohl ein eher kleiner Posten. Die Aufkäufer verdienen auch dann Geld, wenn sie die Kunden etwas weniger und etwas später an den Überschüssen beteiligen. Für die Versicherten ist das natürlich von großem Nachteil.“

Und später vermutlich im gleichen Tonfall: „Da bleibt nur das Prinzip Hoffnung, dass der Käufer der Policen eine faire und angemessene Überschussbeteiligung auch in Zukunft zahlen wird.“

Dies stellt jedoch nur eine Facette des ganzen beabsichtigten Plans dar. Das Gespräch beleuchtet auch den  unzureichenden Verbraucherschutz in Versicherungsfragen und endet mit der Beantwortung der Frage, was die Kunden tun können, wenn sie sich mit ihren Verträgen plötzlich bei einem deutschen Abwickler oder einem US-Finanzinvestor wiederfinden.

Herr Kleinlein gibt folgenden, mir ein wenig lapidar klingenden Ratschlag: „Der Kunde kann seinen Vertrag kündigen, ihn beitragsfrei stellen oder aber normal weiterlaufen lassen. Was am besten ist, das ist von der individuellen Situation abhängig. Deshalb kommt er um eine individuelle Vertragsprüfung nicht herum. Unbedingt sollte der Kunde darauf achten, ob neben dem Sparaspekt auch ein echter Risikoschutz im Vertrag ist. Benötigt er diesen Schutz, dann ist eine Kündigung oder Beitragsfreistellung mit Vorsicht zu betrachten. Denn es ist ja nicht ausgemacht, dass der Kunde einen neuen Vertrag zur Absicherung dieses Risikos auch bekommt.“

Unter diversen Gesichtspunkten ein mehr oder weniger aufschlußreiches Gespräch, welches bei vielen Lesern vermutlich und hoffentlich weitere Fragen zur Finanzwirtschaft aufwerfen wird. (RH)

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