Abt. Fresse: Die Ewiggestrige von der SPD

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Andrea Nahles (Foto: jouwatch)

Im Gegensatz zur wohlfeilen Empörung des Medienmainstreams ist A.Nahles bei mir wegen ihres Spruches von der Fresse, welche die CDU ab jetzt voll kriegt, nicht unten durch.

von Max Erdinger

Sie hat halt einen Spruch geklopft. Der war die Antwort auf die Frage, ob sie traurig sei, die Koalition verlassen zu müssen. Ja, das sei sie, sagte A. Nahles, und zwar für genau noch 20 Minuten. Danach bekomme die Union auf die Fresse. Mit anderen Worten: A.Nahles will Oppositionspolitik machen. Sie hat sich halt schön bildhaft ausgedrückt.

Der einzige Fehler daran ist, daß es wieder mal nichts mit der Realität zu tun hat. Aber meine Güte, wann hätte zum letzten Mal irgendetwas, das jemand aus der SPD gesagt hat, mit der Realität zu tun gehabt? Es ist doch geradezu der Markenkern der SPD, die Fresse aufzureißen, um zuverlässig an der Realität vorbeizuquatschen! Der personifizierte Reaitätsverlust war sogar Kanzlerkandidat. Getreu dem alten Spezialdemokratenmotto „Realität ist etwas für Kleingeister“, hat ja Stephan Weil, SPD-MP von Niedersachsen, erst gestern dafür plädiert, daß der personifizierte Realitätsverlust namens Schulz die SPD aus der Krise führen soll. Es gebe in der Partei starke emotionale Bindungen an den Martin. Wie das eben so ist bei Leuten, die Realität gern für Vision eintauschen. Stephan Weil scheint pflichtbewußt vergessen zu haben, daß es nicht darauf ankommt, ob die Partei emotional an Schulz hängt, sondern darauf, daß der Wähler an der SPD hängt. Allerdings hängt allerweil die SPD mehr am Wähler, als der an ihr. Das ist kein schönes Bild. Die SPD sieht ungefähr so aus, wie ein hysterisches Kleinkind, das plärrend über den Supermarktparkplatz gezogen wird, weil es an der Kasse nichts von den dort feilgebotenen Süßigkeiten bekommen hat.

Oppositionspolitik will die neue Fraktionsvorsitzende der SPD also machen. Ein besonders Schlauer fragte sie gleich, ob sie denn ein Oppositionsbündnis mit den Hardcore-Linken von „Die Linke“ eingehen werde. A. Nahles riß die Fresse lieber nicht zu weit auf und wollte eine solche Zusammenarbeit lediglich nicht ausschließen. Weil nun Frauen mit einer großen Fresse immer viel Hilfe und Förderung brauchen, habe ich mir gedacht, ich erkläre der frischgebackenen Fraktionsvorsitzenden einmal, wie das ist mit den Linken und der Gegenwart. Davon wird zwar ihre Fresse nicht kleiner, aber wenigstens kann sie hinterher nicht behaupten, es habe ihr die Realität niemand erklärt. Und wenn sie es doch tut, dann darf man sagen, sie habe eine Lügenfresse.

Also, Genossin Andrea, wie ist das mit den Linken und der Gegenwart? Es ist so, daß sich das linke Jahrhundert (1917 – 2017) seinem Ende zuneigt. Es war ein sehr lehrreiches Jahrhundert. Was haben wir gelernt? Es dauert hundert Jahre, bis der einfache Mann aus dem Volk begreift, was richtiger Nonsens ist. Ihr Linken seid endlich entlarvt als das, was ihr seit jeher gewesen seid: Utopisten, Traumtänzer, Wolkenkuckucksheimer, Zwangsbeglücker der Menschheit – oder, wie der proletarische Amerikaner, der das Wort „Fresse“ nicht kennt, sagen würde: A pain in the arse. Ihr habt euch selbst abgeschafft. Jetzt willst du natürlich wissen, wie euch das aus Versehen passieren konnte, stimmt´s? Das kann ich dir sagen.

Der Rahmen, innerhalb dem eine Sozialdemokratie weiterhin folgenlos vor sich hindilettieren können hätte, ist der Nationalstaat. Den hättet ihr verteidigen müssen, damit beim Wähler die Illusion aufrecht zu erhalten gewesen wäre, es ginge der Sozialdemokratie um ein bestimmtes Wählerklientel. Aber bitte, ihr wolltet ja unbedingt angesehen werden als diejenigen, denen es um die Menschen auf der ganzen Welt geht. Illusionisten, die ihr seid, habt ihr dabei aber übersehen, daß ihr nicht auf der ganzen Welt gewählt werden könnt. Dazu kommt, daß ihr euren Wählern in Deutschland jahrzehntelang eingeimpft habt, daß sie individuelle Rechte gegen jeden anderen Bürger hätten, weswegen die Demokratie in Deutschland keine Veranstaltung mehr ist, bei der sich Demokraten über unterschiedliche Wege zu einem gemeinsamen Ziel streiten, sondern darum, welche Mehrheiten sich zur Durchsetzung der eigenen gegen die Interessen der Anderen organisieren lassen. Mit den eingewanderten Menschen aus aller Welt und den eigenen Gesinnungsgenossen gegen die vormaligen Wähler einer national agierenden Sozialdemokratie – das konnte nicht gutgehen. Es wird auch in Zukunft nicht klappen, weil sich allerweil immer mehr Deutsche darüber klar werden, auf wessen Rücken ihr eure Träume tanzt und wer euch für euer illusionäres Privatvergnügen bezahlt. Im Grunde seid ihr längst zu Sozialmasturbanten degeneriert. Ja, Andrea, das ist wirklich wahr. Immer mehr Deutsche begreifen euch nicht mehr als eine wählbare Partei, sondern als eine abgedrehte Pippi Langstrumpf. Die macht sich ihre Welt bekanntlich widde-widde-wie sie ihr gefällt.

Weiter oben habe ich es schon geschrieben: Wenn ein SPD-MP dafür plädiert, nach dem Wahldebakel vom letzten Sonntag ausgerechnet das personifizierte Wunschdenken namens Schulz zum Führer aus der Krise zu erklären, weil es nicht außerhalb, sondern innerhalb der Partei emotionale Bindungen an ihn gebe, – was ist das dann anderes als sozialdemokratische Masturbation?

Das einzige, was die SPD eventuell noch über die Zeit retten könnte, wäre ein Programm, das dem sozialdemokratischen Paternalismus – mithin also dem Nannystaat – abschwört, ein Programm, das die Nation als die hauptsächliche Bezugsgröße deutscher Politik anerkennt und das sich dabei jeder klassenkämpferischen Rhetorik enthält. Das müsste ein Programm sein, das die Solidarität freier Individuen im Namen und zum Erhalt ihrer Freiheit einfordert, anstatt sich immer neue Betüddelungsgruppen zusammenzudefinieren und eine hundertprozentige Minderheitenpolitik zu vertreten. „Die Linke“ besteht aus den Allerletzten, die das begreifen würden. Nicht umsonst wird die Linke niemals mehrheitsfähige Positionen vertreten. Es ist nicht die Zahl linker Parlamentarier ausschlaggebend, die sich zusammenschließen oder nicht, sondern die Mehrheitsfähigkeit linker Positionen in der Gesellschaft, völlig unabhängig davon, wieviele Parlamentarier im Bundestag für „linke Politik“ stehen.

Diese Mehrheitspositionen im Wahlvolk sind aber weg, für ganz lange Zeit, wenn nicht für immer. Es gibt keine Mehrheit für linke Minderheitenpolitik. Stattdessen gibt es immer weniger unter denjenigen, – übrigens von euch auf ihre individuellen Rechte hin konditioniert -, die sich bereitwillig mit Anderen zu Klientelgruppen der Sozialdemokratie zusammenfassen lassen wollen. Es widerspricht dem Bild, das eure „die Menschen“ dank eures eigenen kontraproduktiven Wirkens inzwischen von sich selbst haben. Sie wollen nicht Mitglieder sozialdemokratistischer Betüddelungsgruppen sein.

Das Zweite wäre, daß ein Aufstieg aus dem Keller mit den alten Köpfen in der SPD nicht geht. Ob das nun Schulz, Nahles, Weil, Gabriel, Steinmeier oder sonstwer ist: Diese Gesichter sind verbraucht, ihre Ideen sind als illusionär entlarvt, die Personen als Apparatschiks verrufen.  Es gibt kein Wiedererstarken der Sozialdemokratie mit den alten Köpfen, auch mit deinem nicht. Es gibt im Grunde genommen nicht mal mehr einen Grund für eine Sozialdemokratie, so, wie man Sozialdemokratie im klassischen Sinne versteht. Das einzige, was der Sozialdemokratie wieder auf die Beine helfen würde, wäre eine neue Partei mit neuen Gesichtern, die ganz neue Wege findet, die sogenannte soziale Frage zu behandeln – und die sich vor allem beim Stichwort „sozial“ nicht auf das rein Materielle beschränkt.

Sogar das habt ihr Sozialdemokraten nämlich inzwischen geschafft: Daß euch selbst Stammwähler, die in einem Bundeskanzler Schmidt noch einen Landsmann erkannt haben, der ihre Interessen vertritt und nicht die von irgendwem, inzwischen als die wahren Asozialen begreifen, denen es nur noch um sich selbst geht. Jedes Kind in Deutschland weiß, was euer Märchenonkel Schulz für ein gnadenloser Abzocker ist. Eine Partei – egal welche – , die es erst einmal so weit gebracht hat, daß sie als eine Bande begriffen wird, der es zuvörderst um ihre eigenen Pöstchen geht, erholt sich so schnell nicht wieder.

Das ist zugegebenermaßen kein Problem, das nur euch Sozen betrifft. Dieses Image haben inzwischen alle Altparteien. Und es ist zutreffend. Gerade die CSU führt das beispielhaft vor: Als es um die politische Sache ging, um Obergrenzen bei der Einwanderung, um Widerstand gegen Merkel, war lauwarmes Hin- und Hergerutsche. Knallhart ist es erst geworden, als die Wahl gelaufen war. Jetzt steht Seehofer zur Disposition. Aber nicht, weil er ein lauwarmer Kläffer gewesen ist, der sich ein ums andere Mal durch ein Hoffnungs-Leckerli hat wieder beruhigen lassen, sondern deswegen, weil der CSU ganz real Einfluß und Pöstchen verloren gegangen sind. Jetzt erst heißt es, daß kein Koalitionsvertrag unterschrieben wird, der keine Obergrenze festlegt. Erst jetzt ist die politische Position knallhart anstatt windelweich. Das macht kein Wähler mehr mit.

Solange die AfD die einzige der großen Parteien ist, die noch nicht nach Selbstsucht und Eigennutz stinkt, so lange ist gegen die AfD kein Kraut mehr gewachsen. Da kannst du Fraktionsvorsitzende mit einer offenen Bündnisbereitschaft sein, wie du willst: Es wird dir nichts nützen. Und die altlinken Phrasen, von denen du annimmst, daß sie wieder mal richtig gedroschen werden müssten, um der SPD wieder auf die Beine zu helfen, – die sind mindestens so „out“ wie die Altparteien insgesamt. Nichts werdet ihr reißen mit dir als Fraktionsvorsitzender. Ihr werdet euch, was die Quantität eures Wählerpotentials angeht, demjenigen der Linken angleichen. Das wird passieren. Ihr geltet doch jetzt schon nicht mehr als progressiv, sondern als ewiggestrig. Genau so sieht es auch bei euren noch verbliebenen Mitgliedern aus. Ihr habt die durchschnittlich ältesten sämtlicher Parteien. Mit eurem alten Schnack werdet ihr auch keine jungen in ausreichender Zahl dazubekommen. Ihr sterbt mit euren Wählern und euren Mitgliedern aus.

Aber was rede ich: Solange A.Nahles noch via Sozialdemokratie versorgt ist, passt der Laden schon noch. Nach dir die Sintflut. Das ist der Horizont sämtlicher Politiker in den Altparteien: Wird es für mein eigenes Wohlleben noch ausreichen? Und noch nicht einmal darauf würde ich noch wetten. Sollte es keine Jamaika-Koalition geben, sind Neuwahlen schier unausweichlich. Was glaubst du, wer dann erst richtig zulegen wird? Genau: Es werden diejenigen sein, die mit ihrem Wahlergebnis vom Sonntag – trotz und gerade wegen eures Gezeters –  in der Wahrnehmung sehr vieler Wähler von einer Außenseiterrolle zur rettenden Politikalternative aufgestiegen sind. Und zwar generell. Das hängt noch nicht mal ausschließlich mit dem Programm der AfD zusammen, sondern mindestens so sehr auch damit, daß ihr Sozialdemokraten, ihr Linken, Grünen, Christsozialen und Christdemokraten einfach verhasst seid und die AfD die einzige Alternative zu jedem von euch ist. Die einzige! Das ist der Punkt, A.Nahles! So, jetzt kannst du deine Fresse wieder zuklappen. Nichts zu danken. Viel Spaß beim sinnlosen Fraktionsvorsitzen.

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