Ein offenes Wort an meine jüdischen Freunde

Foto: Privat
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Zunächst zur Vorgeschichte. Mein Großvater war Studienrat am Paulsengymnasium in Berlin und hatte im dortigen Kollegenkreis viele jüdische Freunde. Die Familien verkehrten miteinander und es wurde ein Hausmusikkreis gegründet, man traf sich wöchentlich, mein Großvater spielte Cello.

Von Hans Friedrich

Nach der Machtergreifung der Nazis brachen einige Kollegen der Lehrerschaft des Gymnasiums ihre Beziehungen zu den jüdischen Lehrern ab und wechselten die Straßenseite. Nicht so meine Familie, Großvater intensivierte den Musikkreis und die Freundschaften. Außerdem kritisierte er Hitler vor der Klasse, was ihm 3 Mal eine Verwarnung einbrachte, das letzte Mal mit Gehaltsabzug.

Großvater wurde 3 Tage vor Kriegsende als Volkssturmmann erschossen, meine Großmutter stand mit 3 Jugendlichen, davon einer mein Vater, alleine da. Sie konnte in dem ausgebombten Berlin überleben und aus ihren Kinder etwas machen, weil ihr jetzt die jüdischen Freunde halfen und sie unterstützten. Meine Cousine heiratete später den Sohn eines jüdischen Schülers meines Großvaters.

Als mein Vater Arzt geworden war hatte er auch jüdische Patienten mit denen er an die Freundesgruppe meiner Großeltern anknüpfte und einige gingen in unserer Familie ein und aus. Als meine Eltern nach dem Kriege noch sehr wenig Geld hatten schickten uns Juden aus Israel Kisten mit Jaffaorangen die von uns als Kinder begeistert gegessen wurden.

Als meine Eltern starben habe ich diese Freundschaften, obwohl zu einer anderen Generation gehörig, fortgesetzt. 2009 waren wir, meine Frau, unsere Kinder und ich monatelang in Israel und haben das Land auf 6800 km ausgiebig erkundet. Wir schlossen auch neue Freundschaften die bis heute halten.

Als ich mich dann auf Facebook anmeldete und mich pro-israelisch äußerte gewann ich neue Freunde, wenn auch virtuelle, aus dem jüdischen Umfeld hinzu. Ich las und lese sie gerne und besonders Raf Koren (Dr. Rafael Korenzecher, den Herausgeber der Jüdischen Rundschau) und mit 2 jüdischen Freunden haben wir uns auch physisch getroffen und es war ganz reizend.

Nun ist mir ja nicht verborgen geblieben, daß insbesondere jüdische Organisationen, aber auch Prominente und Privatpersonen vor der AfD warnen. Das trifft auch auf einige der oben erwähnten FB-Freunde zu. Wenn ich mir Mühe gebe und mich versuche, in ihre Phobie hineinzuversetzen kann ich ein gewisses Verständnis entwickeln, die Geschichte ist mit ihren Vätern und Großvätern immer rauh umgegangen, im Nazideutschland nicht nur rauh, sondern verbrecherisch, nicht die Geschichte, sondern ganz klar auch Deutsche. Da gibt es nichts zu deuteln.

Aber wenn ich schreibe ein „gewisses Verständnis“, dann ist es nicht allumfassend, sondern ein Verständnis in kritischer Distanz. Ich werde erklären warum:

Als wir nach 18 Jahren nach Deutschland zurückgekommen sind haben wir ein verändertes Land vorgefunden. Ich habe neulich schon darüber geschrieben.

Ich mußte mich nicht politisch neu orientieren aber die neue AfD habe ich mit Interesse studiert und ihre Aktivitäten verfolgt. Nach dem die CDU, eine von meiner Familie traditionell nach dem Kriege gewählte Partei (Mitglieder waren wir nie) aber sich selbst total sozialdemokratisiert hat, ja die SPD links überholte und zu einem rechtsbrechenden Abnickerverein einer rückgratlosen Kanzlerin wurde habe ich einige der früher von der CDU vertretenen Werte und Vorstellungen bei der AfD wiederentdecken können.Insbesondere nachdem Herr Lucke ausgeschieden war.

Die Distanz zur EU, das Bemühen um Entspanntheit mit unserem Nachbarn Rußland, die Kritik am Euro, vieles gefiel mir, vieles, aber nicht alles. Was mir auch gefiel war die Positionierung gegen den Islam, den wir auf unseren Reisen in arabischen Ländern kennengelernt hatten, der auch dort hingehört, aber eben nicht nach Deutschland.

Der Vorwurf vieler Politiker und der Medien, die AfD sei rechtspopulistisch (eine abgedroschene Plattitüde) ist fantasielos und unterschlägt den erfreulichen konservativen Charakter der Partei, der Vorwurf die AfD sei „Rechtsradikal“ ist eine Infamie.

Nie hätte ich einer Nazipartei meine Stimme gegeben, es wäre ein Verrat an meinen BEIDEN Großvätern (der aus der mütterlichen Seite wurde brutal zusammengeschlagen weil er Sozi war). Ich will auch nicht abstreiten, daß es einige angebräunte AfD’ler gibt. Ihnen muß die klare Kante gezeigt werden. Allerdings sind mir Linke die in Israel eine Neuauflage des Nazismus sehen und jede Attacke auf Israel bejubeln und seinen Feinden aktiv Waffen und Hilfsgüter senden noch mehr zuwider als Verbalartisten die die dunklen Seiten unserer Vergangenheit relativieren.

Kurzum: Die pauschale Diskreditierung der AfD als Rechtsradikal, das Unterschlagen der lobenswerten familienorientierten, ja patriotischen (nur in Deutschland ist Patriotismus verpönt) Komponenten und das einseitige Herausfiltern einiger Bemerkungen einiger AfD-Hitzköpfe ist kontraproduktiv.

Die AfD ist nicht per se fremdenfeindlich. Ich darf dran erinnern, daß meine Frau Ausländerin ist, meine Kinder zur Hälfte, meine Enkel im Ausland wohnen und wir jahrelang als Ausländer im Ausland gelebt haben.

Auch möchte ich daran erinnern, daß, – und ich finde das sehr gesund -, Israel sich genau anschaut wer in das Land kommt. Auch eine Selektion die der Sicherheit dient ist bei den Israelis perfektioniert worden und ich bewundere das sehr. Das unser Wunsch in Israel ein Haus und Grundstück als Eigentum zu erwerben daran gescheitert ist weil wir Nichtjuden sind, will ich nur der Vollständigkeit erwähnen.

Ich schaue mir meine Freundesliste auf FB nicht dauernd an aber ich habe das Gefühl, daß sich nach meinem Wahlbekenntnis zur AfD einige (jüdische) Freunde verabschiedet haben. Das bedauere ich. Eine offene kontroverse Auseinandersetzung sieht anders aus. Und eine begründete Verabschiedung auch.

Meine Sympathien für Israel, mein Bewußtsein für die dunklen Seiten der deutschen Geschichte (die ich aber nicht nur auf die Jahre 33-45 eingedampft sehen will), meine Kaufeuphorie für israelische Produkte sind ungebrochen. Unsere Freundschaften pflegen wir selbstverständlich weiter.

Die AfD habe ich gewählt weil ich (auch) Deutschland liebe, es meine Heimat ist und ich mit meiner Stimme auch einen Beitrag zum Stop des sittlichen Verfalls leisten will.

Nicht mehr und nicht weniger. Danke. Shalom!

Wandere aus, solange es noch geht!
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