Filialnetz ausgedünnt – das tägliche Wirtschaftswachstum

Wenn Geldautomaten streiken, ist es gut, Bargeld im Hause zu haben.

Es ist ein Wunder, daß das Handelsblatt titelt „Stadtsparkasse München dünnt Filialnetz aus.“ Ich hätte gedacht, die Redaktion schriebe etwas von Wachstum an anderer Stelle. Zum Beispiel beim Nahverkehr, den viele Kunden aus dem ländlichen Bereich immer häufiger in Anspruch nehmen müssen, um zu entfernten Filialen zu gelangen. Oder bei der Produktion von Geldautomaten für Supermärkte. Nein, es wird tatsächlich berichtet, daß die Stadtsparkasse München ganze 17 Filialen in der Landeshauptstadt aufgeben oder in SB-Servicestellen ohne Berater umwandeln will, was diese auch machen wird.

Der Überschuß des Geldhauses, gemeint ist wohl der Profit, wäre wegen eines deutlich niedrigeren Zinsergebnisses (wer es glaubt) im vergangenen Jahr um 13 Millionen Euro eingebrochen, auf 28 Millionen Euro. Kaum zu glauben, daß diesen Verlust die treuen Stammkunden verursacht haben sollen. Durch die Filialschließungen sollen angeblich die Kosten der Sparkasse gesenkt werden, um den „Rückgang der Margen“ abzumildern. Der Margendruck beträfe fast alle Banken, soll Joachim Fröhler, Sprecher der Stadtsparkasse, geäußert haben. Allerdings, so wird angefügt, sei die Triebfeder für die „Restrukturierung“ jedoch eine andere gewesen. Und jetzt kommt es: „Wir haben das Nutzungsverhalten unserer Kunden analysiert. Dabei stellten wir fest, dass an vielen Standorten nur noch sehr wenige Kunden in der Filiale tatsächlich zu einem Berater wollen“, erklärt Fröhler. Mit anderen Worten, die Kunden sind schuld und verantwortlich für den wahrscheinlichen Personalabbau. Kein Wort von Börse, Zocken und unredlichen Geschäften.

Angeblich würden die Menschen immer mobiler und zunehmend einen digitalen Service erwarten. Ob das auch auf die vielen Rentner zutrifft? Es werde daher eine Direkt-Filiale eröffnet, in der bis 50 Kundenberater telefonisch von 8 bis 20 Uhr erreichbar sein sollen.

Und Freaks regen sich darüber auf, daß man sich für ein Qualitätsprodukt von Apple entscheidet, nur weil man den telefonischen Kundendienst der abgehängten Marktteilnehmer nicht in Anspruch nehmen möchte und zwischen den Zeilen lesen kann.

Wandere aus, solange es noch geht!
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