Medien lernresistent: Ein kleiner Splitter aus der „Berliner Runde“

Foto: Von Robin Krahl - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37902654
Jörg Meuthen (Foto: Robin Krahl)

Die Wahl war gelaufen, die Politiker saßen mit zwei Moderatoren zusammen in der „Berliner Runde“ zusammen: Rainald Becker von der ARD und Peter Frey vom ZDF. Besonders Rainald Becker benahm sich wie der Inquisitor und sah seine Hauptaufgabe wohl darin, Jörg Meuthen von der AfD noch einmal als den Parteichef der „Rechtsradikalen“ vorzuführen.

von Max Erdinger

Er wollte Jörg Meuthen eine Distanzierung von Alexander Gauland abringen, der in der Woche vor der Wahl für ein mediales Aufregerchen gesorgt hatte, als er vom Mut der Wehrmachtssoldaten sprach. Das Spielchen machte Jörg Meuthen aber nicht mit. Auf Gauland angesprochen, wurde Meuthen nach wenigen Sätzen von Katja Kipping (Linke) unterbrochen, die völlig hysterisch behauptete, Gauland habe die Verbrechen der Wehrmacht verherrlicht. Rainald Becker ließ sie gewähren. Als Meuthen nach dieser Unterbrechung wieder an der Reihe war und sein Statement zu Gauland fortsetzen wollte, wurde er von Becker in dem Moment „abgewürgt“, als er von Gauland weg – und zu Francois Mitterand hinwollte. Der langjährige französische Präsident, Sozialist, hatte sich bereits vor dreißig Jahren über die Wehrmacht so geäußert wie Gauland letzte Woche, ohne daß er dafür von irgendwem kritisiert worden wäre. Meuthen war also gerade dabei, den Spieß umzudrehen und Becker zu fragen, was er denn an Mitterand auszusetzen habe.

Nachdem nun klar war, daß der Punkt an Meuthen gegangen wäre, sollte sichergestellt werden, daß er diesen Punkt nicht macht. Obwohl Meuthen von Becker explizit auf dieses Thema angesprochen worden war, ist es schlagartig mit dem Interesse des ARD-Mannes an einer Antwort vorbei gewesen, als das Wort „Mitterand“ fiel. Damit nun Meuthen auf gar keinen Fall weiterreden sollte, ging das Wort sofort an Angela Merkel.

Das hat sich Meuthen nicht gefallen lassen und holte sich das Wort von Merkel zurück. Er sei angesprochen worden und deshalb sei auch er derjenige, der nun rede. Das hat er gut gemacht. Als er aber wegen der diffamierenden Hetze Kippings beim Thema „Mahnmal der Schande“ von Höcke weg – und zu Rudolf Augstein hinwollte, von dem das böse Höcke-Diktum schließlich stammte, war es mit seiner Rede endgültig vorbei. Meuthen wurde einfach ausgeblendet.

Es wird überhaupt interessant werden, ob, und wenn ja, wie sich der Mediensprech beim Thema AfD wandeln wird. Gestern abend jedenfalls war zu beobachten, daß zwar die Politiker der Altparteien etwas betröpfelt in die Kameras guckten, als sei ihnen ein kleines Lichtlein aufgegangen, daß aber die Moderatoren, besonders eben Rainald Becker von der ARD, gestern Abend noch immer in dem Wahn gefangen zu sein schienen, für sie selbst habe sich nichts geändert.

Wir dürfen davon ausgehen, daß in den Sendeanstalten die Köpfe am heutigen Tage mindestens so sehr rauchen wie bei den Wahlverlierern von CDU und SPD. Über 13 Prozent für die AfD sind schließlich ein Signal mit nicht ausschließlich parteipolitischen Aspekten. 13 Prozent sind außerdem der Beweis dafür, daß 13 Prozent nicht mehr vom deutschen Desinformationsfernsehen erreicht worden sind. Tendenz steigend. So gesehen war der gestrige Tag nicht nur unter parteipolitischen Gesichtspunkten interessant, sondern auch unter medienpolitischen. Es wird interessant und wahrscheinlich auch amüsant werden, die Veränderungen in der medialen Berichterstattung über die AfD zu beobachten. Der fulminante Erfolg der AfD gestern wirbelte nicht nur die parlamentarischen Kräfteverhältnisse durcheinander, sondern er stellt auch den Medienmainstream vor Probleme. Wie soll man die AfD künftig behandeln und dabei die kommende Berichterstattung mit der vergangenen unter einen Hut bringen, ohne sich diejenige der Vergangenheit ständig zum eigenen Nachteil aufs Butterbrot schmieren zu lassen?

Wir gehen gerade auch unter medialen Gesichtspunkten lustigen Zeiten entgegen. Die Gegenwart gehört der AfD, mit Geschick auch die Zukunft. Ich nehme an, daß wir uns im Laufe der nächsten Jahre auf ein fröhliches Köpferollen bei den Öffentlich-Rechtlichen einstellen dürfen. Wenn die nicht weiter an Relevanz verlieren wollen, wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als sich von den Alt-´68ern und ihren medialen Erben zu verabschieden. Das ist das erfreulichste Nebenprodukt des gestrigen Abends: Die Diskurs- und Deutungshoheit der in die Jahre gekommenen, westdeutschen Salonbolschewisten ist endgültig gebrochen. Es scheint ihnen gestern abend nur noch nicht so ganz klar gewesen zu sein.

Soviel ist sicher: Auch das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ aus dem evangelischen Gesangbuch wird von den Görng-Eckardts dieser Republik und ihren unkritischen Medienbütteln für lange Zeit nicht mehr gesungen werden.

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