Großer Abtritt in Berlin: Petry macht den Lucke!

Foto: Sceenshot/Youtube
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Die eine stand auf, machte ein Gesicht, wie eine Gans wenn’s blitzt, die andere nahm einen Schluck aus dem Wasserglas. Frauke Petry sagte mitten in der AfD-Pressekonferenz in Berlin: Ich stehe für die Fraktion nicht zur Verfügung! Auf gut Sächsisch, wie weiland König August III bei seinem Rücktritt: Machd doch eiern  Drägg alleene! Dann verließ sie das Podium. Alice Weidel, die neue, blonde Frontfrau der Partei, stellte ihr Glas wieder hin, AfD-Vize Professor Jörg Meuthen stutzte kurz, entschuldigte sich dann bei den Journalisten für die “gerade geplatzte Bombe”: “Das war nicht abgesprochen…”

Von Peter Bartels

Und so hatte die hübsche Frauke  mit dem dunklen Kurzhaar, was sie am liebsten hat – einen großen Auftritt. Oder Abgang, wie’s beliebt. Dabei hatte Petry der Partei doch gerade in ihrem sächsischen Wahlkreis mit 37,4 Prozent ein glänzendes Direktmandat geholt. Sogar vor der CDU, die auf 28,8 Prozent schrumpelte. Nun aber machte sie öffentlich, was sie die letzte Wochen während des Wahlkampfs längst eingeleitet hatte: Sie nahm nicht mehr an den Telefon-Konferenzen des AfD-Vorstands teil. AfD-Vize Meuthen hatte zuvor kritisiert, es sei “wenig hilfreich” gewesen, dass sie sich zuletzt wiederholt in öffentlichen Äußerungen von den beiden Spitzenkandidaten Gauland und Weidel distanziert habe, dies sei „nicht hinnehmbar“. Tatsächlich hatte Dr.Frauke Petry gerade wieder im ZDF-Morgenmagazin Dr. Gauland kritisiert, weil der am Wahlabend nach dem grandiosen AfD-Einzug in den Reichstag leicht euphorisch in die Mikrophone gerufen hatte: Wir werden die Kanzlerin jetzt “jagen”… vor uns hertreiben, deutsch: Endlich wirklich Opposition machen.

Was außer den gerade vom Wähler abgestraften Herrschaftsparteien und Merkels Schranzenmeute in der Journaille natürlich sofort Petrys (!) früherer Forderung gleichgesetzt wurde,  “notfalls auf Flüchtlinge zu schießen“, wenn sie weiter Deutschlands Grenzen stürmen. So weit, so verbogen und verlogen. Aber nun gerierte sich die AfD-Vorsitzende Petry herself auf neoliberal und maßregelte ihren Vize Gauland. Nachdem Vize Meuthen wiederum die Petry-Hinrichtung Gaulands kritisierte, war die Maus mucksch und machte den Lucke …

Lucke war jener nette, aber ungelenke Wirtschafts-Professor, der die AfD einst gegen die Euro-Politik gegründet hatte.  Und eben diesen Polit-Schlaffi hatte Frauke Petry schließlich einfach aus dem Weg geschubst, um sich selbst auf seinen Thron zu setzen. Nun also “Vorwärts, wir müssen zurück”. Nur: Weder die AfD noch die überwiegende Mehrheit der AfD-Wähler wollen zurück zur FDP. Denn von da kommen, neben CDU und SPD, eben viele. Denn die FDP war ihnen längst zu lau, zu  links geworden, wenn es um Deutschland ging.

Nicht so Frauke. Sie hatte sich nämlich inzwischen von ihren braven DDR-Pfarrer und Ehemann scheiden lassen (4 Kinder), weil ein Wessi-Anwalt namens Pretzell um sie buhlte. Und der kam deriktemang von der … F.D.P.! Ouuups!! Als Frauke zum 5. Mal (diesmal von ihm) schwanger wurde, nahm sie seinen Antrag an. Beide waren‘s zufrieden. Die Ossi zog zum Wessi nach NRW, die Kinderchen nahm sie mit. Der selbst in der AfD relativ unbekannte Pretzell geriet natürlich an ihrer Seite schlagartig in die Sonne der Parteichefin. Leider war seine NRW-Wahl mit bescheidenen 7,8 Prozent dann nicht sooo prickelnd. Und auch die Bundestags-Wahl gerade eben war mit 9,9 Prozent ebenfalls eher unauffällig; irgendwie scheint den Menschen im Pott Pretzells  stutzerhafter Habitus fremd zu bleiben.

Nun aber ist Pretzell, der Fachanwalt für Immobilien, im stets zu eng wirkenden Jäckchen nun mal Fraukes Ehemann. Und da Blut bekanntlich schon immer dicker als Wasser war, bleiben Strategie-Gespräche beim Frühstück nicht aus. Zumal der Herr Gemahl längst Landesvorsitzender der AfD in NRW ist. Und er so schnell wie möglich irgendwie mit irgendwem regieren möchte, also mit „seiner“ AfD in eine Koalition strebt. Der große Rest der Partei, von Gauland, Meuthen und Co, will das nicht. „Erst dann, wenn wir auf Augenhöhe mitregieren können. Bis es so weit ist, eben Opposition.“

„Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß“, sagte Hemingway, der letzte Macho Amerikas (bis Trump kam). Manchmal muß auch eine Frau tun, was eine Frau tun muß. Und ganz manchmal muß eine Frau tun, was sie glaubt, für ihren Mann tun zu müssen. Macht Dr. Frauke Petry also demnächst den Prof. Bernd Lucke? Sie sollte gewarnt sein: Dessen „Alternative“ zur Alternative ging lautlos in die Hose. Und in der AfD von Nordrhein Westfalen gibt es einen, der die Kumpel im Pott von der Pannschaufel auf gelernt hat – der Bergmann, Gewerkschaftler und Ex-Sozialdemokrat Guido Reil. Im Gegensatz zu Pretzell mobilisiert der im Pott nicht nur nur die „Püttrologen“, sondern auch die Taubenzüchter, Angler und den Rest der fleißigen Menschen, die Angst um ihre Kleine Kneipe, den Arbeitsplatz und die Heimat haben. Bei der Bundestagswahl in seiner Heimat Essen bis Gelsenkirchen holte er gerade wieder 15 und 17 Prozent…

 

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