Der Machiavelli aus Würselen

Foto: Collage
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Geschätzter Leser. Stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge ein Schlachtfeld vor, auf dem zwei feindliche Armee-Einheiten in ein erbittertes Gefecht verwickelt sind. Panzer rücken mit Infanterie-Unterstützung vor, Geschosse aller Art pfeifen durch die Luft, Stakkato automatischer Waffen,  dumpfes Getöse von Granatwerfern, Kampfgeschrei.

Von Quo usque tandem

Plötzlich hört – auf dem Höhepunkt des Geschehens – eine Sektion von Armee A auf, seine Waffen gegen Armee B zu richten und beginnt stattdessen der eigenen Seite in den Rücken zu schießen. Ein solcher Vorgang ist im Laufe der Militärgeschichte nicht unbekannt und wird in den Geschichtsbüchern meist unter Benutzung von Vokabeln wie „Hinterlist“, „gemeiner Verrat“, „Ehrlosigkeit“ u. Ä. kommentiert.

Eine analogen Vorgang konnte die bass erstaunte Nation am Abend des 24. September 2017 erleben, als Martin Schulz, in Personalunion Partei-Vorsitzender und Spitzenkandidat der (ob ihrer fulminanten Niederlage noch in Schockstarre taumelnden) SPD, spontan verkündete, dass die Liaison seiner Partei mit der CDU am Ende sei und man hinfort auf den bisherigen Koalitions-Partner (und Komplizen im Verbrechen gegen das deutsche Volk) – was tun?  – na, eben schießen werde.

Was bedeutet dieser Vorgang im Klartext (abgesehen von einem Hintergrund von krassem Opportunismus und einem völligen Fehlen jeglichen Anstands-Gefühls)?

Die SPD, unter der Ägide des Machiavelli-Neuaufgusses Martin Schulz wird in Zukunft Opposition gegen eine Politik machen, die sie in den vergangenen vier Jahren beflissen und uneingeschränkt unterstützt hat. Was unwillkürlich die Frage in den Sinn kommen lässt, ob das, was in Berlin Mitte mit den Steuergeldern von Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller betrieben wird, etwas ist, was die Bezeichnung einer respektablen demokratischen Institution verdient – oder die eines Freudenhauses.

Ebenfalls in den Sinn kommen Gedanken-Assoziationen von Ratten, die über die eigenen Füße fallen in ihrem Eifer ein sinkendes Schiff zu verlassen oder – alternativ – von Pack (diesmal einer anderen Filiation), das sich abwechselnd schlägt und verträgt.

Diejenigen, die Schulz und seinen Motiven gegenüber unbedingt barmherzig sein wollen, können  sich zur Not mit der Erklärung begnügen, dass der Ex-Messias es lediglich nicht ertragen konnte, die AfD künftig als stärkste Oppositions-Kraft zu sehen – und dem einen Riegel vorschieben wollte.

Missverstehen sie mich nicht, geschätzter Leser. Es ist keinesfalls so, dass ich Frau Merkel und der Union den Dolchstoß des bisherigen Kumpanen nicht gönne würde – aber ich war bisher der Überzeugung, dass sich Deutschland, in Sachen politische Kultur, etwas von einer dritt-weltlichen Bananen-Republik unterscheiden würde.

 

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