Die Presseschau zu Merkels Untergang in München

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Mainstream-Zeitungen: Eine so unkritisch wie die andere. (Foto: Björn Wylezich/Fotolia)

n-tv – Zitat: „Um einen relativ überschaubaren inneren Kreis aus Unions-Anhängern hat sich eine merkwürdige Allianz versammelt: Eine Abordnung der Antifa hält sozialistische Transparente hoch, direkt daneben brüllen sich Pegidisten und AfD-Sympathisanten mit „Hau ab“-Rufen die Seele aus dem Hals. Die Kanzlerin versucht währenddessen, ihr hinlänglich bekanntes Programm abzuspulen, folgen kann man ihr dabei aber kaum – zumal sich irgendwann auch noch die dröhnenden Glocken der nahen Frauenkirche zur Kakophonie des Missmuts hinzugesellen.

Inhaltlich ist hier und heute nichts zu machen, das wird auch der Kanzlerin schnell klar. „Mit Pfeifen und Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands sicherlich nicht gestalten“, wendet sich Merkel schließlich indirekt an das unzufriedene Häuflein. Und erntet donnernden Applaus von der bis dato so ruhigen Mehrheit.“ – Zitatende.

Die „Kakophonie des Missmuts“ trifft es exakt. Diese Kakophonie in München gestern gab es nicht wegen nichts. Etwas anderes als zu pfeifen und zu brüllen bleibt den Merkel-Gegnern auch nicht. Schließlich sind sie zu Zeiten, als sie sich noch inhaltlich am vielgepriesenen „gesellschaftlichen Diskurs“ beteiligen wollten, systematisch mundtot gemacht, zensiert und verleumdet worden. Die Pfeif- und Brüllkonzerte überall da, wo Merkel im Wahlkampf aufgetreten ist, hat sie sich selbst und auch ihrem Bundesjustizminister zu verdanken. Aktuelle Umfragen sehen die Union bei 34 bis 36 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2013 ware es am Ende noch 41,5 Prozent.

Merkur.de – Zitat: „Merkel fuhr 2009 mit 33,8 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis ein. Je näher die Union am Sonntag dieser Marke kommt, desto lauter könnte in den eigenen Reihen die Frage nach Merkels Zukunft gestellt werden.“ – Zitatende.

Das ist in der Tat die einzige Möglichkeit für die Union, sich wieder zu erholen: Merkel in die Wüste schicken und den Linksruck der vormals Konservativen zurückdrehen. Wenn Merkel erst einmal weg ist, wird es allerdings auch für Horst Seehofer schwer. Die CSU wird sich ebenfalls nach einem neuen Chef umsehen müssen. Seehofer steht für den Kotau vor Merkel – und den wird die CSU schnell vergessen machen müssen. Sonntag abend werden wir wissen, in welchem Umfang die Union Federn lassen musste.

Süddeutsche Zeitung – Zitat: „Die CSU hatte sich von der Kundgebung auf dem Marienplatz eigentlich einen positiven Wahlkampfabschluss auch für Merkel erhofft, wohl wissend, dass in München, der Stadt der Willkommenskultur, die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik bei vielen hoch im Kurs steht. Tatsächlich kamen auch rund 8000 Münchner – doch die hörten vor allem die lautstarken Proteste der AfD-Sympathisanten, Hasstiraden und massive Beleidigungen. Offenbar hatte die AfD für das Unions-Wahlkampffinale kräftig Merkel-Gegner mobilisiert: Die Proteste seien noch lauter und rüder gewesen als bei vergleichbaren Kundgebungen in Bayern, sagten Wahlkampfbeobachter.“ – Zitatende.

Eine Augenzeugin, die gestern abend in München dabei gewesen ist, berichtete in einem Leserkommentar in der „Welt“, daß die lautstarken Proteste gegen Merkel und Seehofer nicht ausschließlich von AfD-Anhängern gekommen seien, sondern daß eine erhebliche Anzahl junger, unzufriedener CSU-Mitglieder ihren Teil zu dem Pfeifkonzert beigetragen hätte. Daß die Süddeutsche Zeitung am Tag vor der Wahl ausschließlich von AfD-Anhängern reden würde, war allerdings von der Alpen-Prawda nicht anders zu erwarten.

BILD – Zitat: „Gestört wurde die Kundgebung auf dem Marienplatz von einem massiven Pfeifkonzert und Sprechchören von Unions-Kritikern von links und rechts.“ – Zitatende.

Daß Prantls Alpen-Prawda (SZ) sich eines Tages ausgerechnet von der BILD zeigen lassen muß, was eine wahrheitsgemäße Berichterstattung ist, hätte sich noch vor wenigen Jahren niemand träumen lassen. Tatsächlich hat in München auch die sog. Antifa  gegen Merkel protestiert.

FAZ – Zitat: „Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde bei ihrer Abschlussrede fast von lautstarken Pfiffen und Hau-Ab-Rufen übertönt.“ – Zitatende.

Mehr gibt es bei der FAZ nicht dazu. Stattdessen zeigt ein Video, was der Livestream aus München gestern abend geflissentlich vermieden hat: Bilder der Protestierer.

Abendzeitung München – Zitat: „Seehofer sagte über die CSU-Abschlusskundgebung: „Das ist eine Veranstaltung der aufrechten Demokraten und nicht der linken und rechten Schreihälse.“ – Zitatende.

Daß Seehofer außer an galoppierendem Rückgratverlust auch noch an Realitätsverlust leidet, wird hier offensichtlich. Gegen aufrechte Demokraten hätte in München niemand demonstriert, außer der Antifa. Bestünde die CSU aus aufrechten Demokraten, was ihr allerdings noch nie jemand nachgesagt hat, dann hätte sie sich längst von der CDU emanzipieren und bundesweit antreten müssen. Sie wäre in München gefeiert worden, anstatt ausgepfiffen zu werden. Es ist das Versagen von Horst Seehofer, daß, wer heute an „weiß-blau“ denkt, politisch nicht mehr unbedingt die CSU damit assoziiert. Franz Josef Strauß rotiert im Grab. In Bayern steht die AfD inzwischen so sehr für „weiß-blau“ wie vorher allein die CSU.

Zum Abschluß noch die lustigste Prognose des Tages bei n-tv. Sie stammt – von wem sonst? – von SPD-Mann Güllner, seines Zeichens Chef des Umfrageinstituts Forsa – Zitat: „Die AfD wird sich zerlegen, weil das bei sektiererischen Gruppen vom rechten Rand bisher immer so war.“

Wir lernen: Güllner kennt die breitesten Ränder überhaupt. Die AfD wird Minimum vermutlich zwischen 11 bis 13 Prozent erhalten. Die drittstärkste Kraft im Bundestag eine „Randerscheinung“ und sektiererisch? Es sei ihm verziehen. Daß heutige Sozialdemokraten von Halluzinationen geplagt sind, weiß inzwischen jedes Kind. Dieselben Kinder wissen auch, wer sich im Augenblick selbst zerlegt: Die Sozialdemokratie. 

Güllner über den mutmaßlichen Einzug der AfD als drittstärkste Kraft in den Bundestag: „Es ist unerfreulich, aber keine Katastrophe, weil die Deutschen insgesamt als Demokraten gefestigt sind.“

Gerade sage ich es noch: Halluzinationen. Die Deutschen waren noch nie Demokraten und sie werden auch nie welche werden. Güllner selbst ist der wandelnde Beweis.

Und nochmal Güllner: „Auch die NPD ist schon in den 1960er-Jahren in sieben der damaligen zehn Landtage vertreten gewesen, dann aber wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.“ – Zitatende.

Äpfel und Birnen. Im Gegensatz zur NPD verfügt die AfD über das am besten ausgebildete Personal sämtlicher Parteien. Bestens ausgebildetes Personal erkennt die Fallstricke, die anderen Parteien naturgemäß verborgen bleiben müssen – besonders den Grünen. Aber die Grünen sind nach Güllners Ansicht vermutlich „Demokraten“. Eine einzige Lachnummer, der Mann. (ME)

 

 

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