„Wir Zusammen“: Mehr Freiwillige als Fachkräfte

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Ein guter Arbeitsplatz für schlecht ausgebildete Flüchtlinge? (Foto: Durch Zapp2Photo/Shutterstock)

Seit zwei Jahren werden in allen großen Publikumszeitschriften und überregionalen Zeitungen großflächige Anzeigen der Aktion „Wir zusammen“ geschaltet. „Die deutsche Wirtschaft“ verkündet darin, die „Flüchtlinge“ würden gebraucht und die Integration laufe auf Hochtouren. Doch wie sehen die Fakten aus und wie sind die wirklichen Zahlen?

„Wir Zusammen“ ist ein Projekt von „United Internet“ Milliardär Ralph Dommermuth, um die Integration von „Flüchtlingen“ in den heimischen Arbeitsmarkt zu fördern. Etwa 200 Firmen haben sich darin zusammengeschlossen – mit bisher bescheidenem Erfolg. 74% der „Fachkräfte“ haben keine Berufsausbildung.

Von Collin McMahon

„Wir Zusammen“ wurde im Februar 2016 mit 36 Initiatoren von der Ralph und Judith Dommermuth Stiftung ins Leben gerufen. Dommermuth ist einer der größten Internet-Unternehmer der Bundesrepublik, zu seinem Imperium gehören Web.de, GMX, Strato, 1&1, United Domains, Mobilfunkanbieter Drillisch sowie Anteile von Zalando und Home24. Dommermuth sitzt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, Bildungsministerin Johanna Wanka und Kanzleramtschef Peter Altmaier im Innovationsdialog zur Förderung des Dialogs zwischen Wirtschaft und Politik.

Dommermuth ist einer der größten Spender der CDU und FDP. 2017 spendete er 500.000 Euro an die CDU. Laut Forbes Magazine besaß Dommermuth im März 2016 ein Vermögen von 4,2 Milliarden Dollar und lag damit auf Platz 358 der reichsten Menschen der Welt.

Die Bilanz ist niederschmetternd

Unter dem Mantel von „Wir(tschaft) Zusammen“ haben sich neuzehn DAX-Unternehmen und viele weitere große und kleine Firmen zusammengeschlossen. Offizielles Ziel: „um einen Beitrag dazu zu leisten, Flüchtlingen in Deutschland eine neue Perspektive für ihr Leben zu geben“, so Pressesprecherin Marlies Peine. „Es sind an die 10.000 Arbeitsplätze geschaffen worden, manche Firmen beschäftigen bis zu 1.000 Flüchtlinge“, sagte sie gegenüber JouWatch. Das ist eine niederschmetternde Bilanz. Denn bei 1.352.200 Asylanträgen 2015 – Juli 2017 ein überschaubares Ergebnis: Das wären weniger als 0,8% aller Asylsuchenden.

Migranten sind meist nicht qualifiziert

Auf Nachfrage geben die Firmen zu, dass die Migranten allesamt im Niedriglohn- und Niedrigqualifikationsbereich uarbeiten. Der größte Zahl an Migranten im Verband von „Wir Zusammen“ beschäftigt ohnehin die halbstaatliche DHL, was man neuerdings an Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Paketboten an der Haustür merkt.

Andere große Arbeitgeber waren sind im Gebäudereinigungsbereich und „Facilities Management“ tätig. Die meisten Migranten seien nicht für höherwertige Berufe qualifiziert. Selbst im Pflegebereich, wo akuter Personalmangel herrscht und händeringend Leute gesucht werden, seien allenfalls „ein paar Krankenhäuser dabei“, so Peine. „Da gibt es auch branchenspezifische Probleme, man kann nicht erwarten, dass jeder Flüchtling ein Herz-Kreislauf-Spezialist ist.“

Im Juni 2016 waren 297.000 Geflüchtete als Arbeitsuchende gemeldet, so die Bundesagentur für Arbeit, von ihnen waren 213.000 anerkannte Schutzberechtigte, 78.000 Asylbewerber und 6.000 Geduldete. Davon waren 131.000 völlig arbeitslos, der Rest war zumindest in Integrationskursen oder Ausbildungsmaßnahmen untergebracht. Arbeitsuchende Migranten sind überwiegend männlich (76%) und zu einem großen Teil jünger als 30 Jahre (47%). Von ihnen haben 26% keinen Hauptschulabschluss und 74% keine formale Berufsausbildung. 26% können Abitur bzw. Hochschulreife und 9% eine akademische Ausbildung vorweisen. 58% kommen für Helfertätigkeiten, 15% für Fachkraft- und Spezialistentätigkeiten und 4% für Expertentätigkeiten in Frage, so die Bundesagentur.

Vier Prozent Experten, das sind die im Herbst 2015 versprochenen „Fachkräfte“ und „syrischen Ärzte“. Bereits im Frühjahr 2015 hatte der DIHK darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, Migranten nach ihrer Qualifikation auszuwählen. Damals traten FDP, SPD und Grüne für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild ein – so wie die AfD es seit 2013 tut. „Es ist jetzt tatsächlich so, dass wir viele Analphabeten haben, die nur niedrigschwellige Berufsaussichten haben“, so Marlies Peine von „Wir Zusammen“.

Migranten im IT-Bereich? „Keine Zahlen“!

JouWatch wollte wissen, wie viele Migranten in den IT-Firmen von Ralph Dommermuth angestellt sind. „Wir haben mehrere Projekte im IT-Bereich, aber ich habe dazu keine Zahlen“, hieß es von der Sprecherin. „Auch die Banken tun sich zum Beispiel aufgrund ihrer Thematik nicht so leicht. Die haben dafür Mentorenship-Programme. Die Banken haben an die 600 Mentoren gefunden. Bei Daimler haben wir ein paar hundert in Praktika.“ Wenn die Qualifikationen der „Geflüchteten“ hinten und vorne nicht reichen, behilft man sich mit Sprach- und Schnupperkursen, Praktika und Patenschaften.

Mehr Betreuer als arbeitswillige „Flüchtlinge“

Die Hilfsbereitschaft der deutschen Kollegen übersteigt die Arbeitsbereitschaft oder -fähigkeit der geringqualifizierten Zuwanderer. Bei „Wir Zusammen“ stehen nämlich 16.000 Freiwillige 10.000 Flüchtlingen in Job, Praktika oder Ausbildung gegenüber.

Der Erfolg ist nur die Propaganda

Gemäß der Studie „Flüchtlinge erfolgreich integrieren“ von „Wir Zusammen“ 2016 empfanden die beteiligten Mitarbeiter die „Außenwirkung“ und „Reaktion der Belegschaft“ als die einzig wirklich positiven Faktoren am Flüchtlingsprogramm. Die fachliche und sprachliche Qualifikation der Flüchtlinge wurden mit fast null oder sogar negativ beurteilt. Es drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob das ganze Projekt nicht lediglich eine monströse verdeckte Wahlkampfhilfe für Merkels Politik der ungezügelten Zuwanderung ist. (weitere Enthüllungen: morgen auf Jouwatch!)

„Wir sind damals (2015) mit einer unheimlichen Motivation gestartet“, gibt die Pressesprecherin unumwunden zu. „Aber wir können nicht davon ausgehen, dass selbst der ausgebildete Elektriker aus Eritrea mit einem deutschen Elektriker vergleichbar ist. Diese Lernkurve mussten wir leider gehen.“

Thilo Sarrazin hat in „Deutschland schafft sich ab“ und „Wunschdenken“ darauf hingewiesen, dass das Problem des demografischen Wandels nicht durch unkontrollierte Masseneinwanderung von unqualifizierten Sozialhilfeempfängern zu lösen ist, im Gegenteil: Nur Einwander mit einer im Durchschnitt höheren „kognitiven Kompetenz“ und Leistungsfähigkeit würden einer Gesellschaft nutzen. Geringer qualifizierte, die eher die Sozialsysteme – und vermutlich auch die Arbeits- und Freizeit von wohlmeindenden „Freiwilligen“ und „Mentoren“ – belasten, schaden einer Gesellschaft eher.

Der ehemalige Chefstratege von Donald Trump Steve Bannon vertritt die Ansicht, dass nur die globalen Eliten ein Interesse daran haben, billige Arbeitskräfte von anderen Kulturkreisen ins Land zu holen und die eigene Identität auszuhöhlen. Sie drückten damit die Löhne der Mittelklasse, die auch noch die Kosten dieser Zuwanderung zu tragen hat, und verteufelten jeden, der sich dagegen wehrt, als Rassisten. „Die Konservativen sehen die Einwanderer als billige Arbeitskraft, die Linken sehen sie als billige Wählerstimmen“, so Bannon.

Oder wie Marlies Peine von „Wir(tschaft) Zusammen“ uns sagte, „In allen Bereichen werden Menschen gebraucht, nicht nur Doktoren, sondern auch in der Gebäudereinigung und im Facilities Management. Die brauchen dann auch nicht den höchsten Grad an Ausbildung.“

Morgen: Wie „Wir Zusammen“ Werbung für die Bundesregierung macht

Ralph Dommermuth und Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: Wir Zusammen
Ralph Dommermuth und Bundeskanzlerin Angela Merkel
Foto: Wir Zusammen

Qualifikation und Sprachkompetenz der Flüchtlinge lassen zu wünschen übrig

Foto: Wir Zusammen

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