Gnadenlos: Tiroler blasen Münchnern den Nazi-Marsch

Lederhosenärsche blasen gerne Nazimärsche (Foto: Pixabay)

Es gibt Meldungen, die so komisch sind, daß man sie einfach nicht unkommentiert lassen kann. Die hier ist aus der tz München.

von Max Erdinger

Zitat: „Blaskapellen schockierten beim Wiesn-Umzug mit Nazi-Marsch.“ – Zitatende.

Das kann doch gar kein Problem sein. Allerweil hat es kein schweres Zugunglück gegeben, Flugzeug ist auch keines abgestürzt, so daß sozialpsychologische Kapazitäten zur Betreuung der Schockierten frei gewesen sein müssten. In Deutschland wird kein Schockierter einfach seinem Schicksal überlassen. Wahrscheinlich sind alle längst behandelt worden und singen wieder fröhlich: „Oans, zwoa, gsuffa!“

Zitat: „Am ersten Oktoberfest-Sonntag haben zwei Blaskapellen einen fragwürdigen Marsch gespielt – der als Symbol für die nationalsozialistische Vergangenheit Österreichs gilt.“ – Zitatende.

Mit anderen Worten: Der fragwürdige Marsch ist unbestreitbar „umstritten“.

Zitat: „München – Zwei Tiroler Blasmusikkapellen aus dem Zillertal spielten beim Trachten- und Schützenumzug auf dem Oktoberfest den „Standschützenmarsch“ – und ernteten dafür Kritik, denn dieser gilt als Relikt aus der österreichischen Nazi-Zeit. Der Komponist Sepp Tanzer hatte das Stück 1942 für Franz Hofer, zu seiner Zeit Gauleiter von Tirol, geschrieben – und sogar vor Hitler und Mussolini aufgeführt.“ – Zitatende.

Das ist ja fast wie bei Richard Wagner. Der wurde auch schon vor Hitler aufgeführt. Gut, daß er den fliegenden Holländer wenigstens vor 1942 komponiert hat. Richtig blöd ist halt die Sache mit dem Muttertag. Den haben die Nazis zwar nicht erfunden, aber als Feiertag haben sie ihn festgelegt – und gefeiert wird er heute noch von den Schockierten. Hoffentlich erzählt ihnen das keiner. Wenn nämlich ein Flugzeug abstürzt oder ein Zug genau an dem Tag verunglückt, an dem es ihnen jemand erzählt, dann haben wir ein dickes traumatherapeutisches Problem im Land.

Zitat: „Hellau, jetzt soll‘s zum Kampfe gehn“, tönte es am ersten Oktoberfest-Sonntag auf dem Festgelände in München. – Zitatende.

Schlägereien auf dem Oktoberfest sind nicht ungewöhnlich. Gerhard Polt hat mal eine beschrieben in seiner unnachahmlichen Art. Zum Schreien komisch.

Zitat: „Als „Emblem für die NS-Zeit in Tirol“ bezeichnet der Musikwissenschaftler Kurt Drexel von der Universität Innsbruck den Marsch, wie das Nachrichtenportal schreibt: Die Tiroler Standschützen seien 1938, nachdem Österreich sich dem Nationalsozialismus Deutschlands angeschlossen hatte, „umkodiert“ worden – und galten danach „als Gleichschaltungsorganisation für alle volkskulturellen Vereine in Tirol“. – Zitatende.

Schön. Jetzt wissen wir das also auch noch.

Zitat: „Besonders heikel: Der Verweis des Stücks auf die Nazi-Vergangenheit der Blaskapellen ist dem Bericht zufolge nicht weit hergeholt, keine Auslegungssache, über die man sich echauffieren kann, aber nicht muss. Der Marsch war damals als Titel für das Gauliedbuch ausgewählt worden – zudem sollte „Hellau“ nach NS-Gauleiter Hofer als „Kampfruf für die Tiroler Bauern als Wehrstand des dritten Reiches im Süden“ gelten.“ – Zitatende.

Unglaublich, was man alles über so einen stumpfsinnigen Blasemarsch wissen kann.

Zitat: „Das ist wohl auch der Grund, warum das Lied eigentlich nicht gespielt werden soll. Es bestehe zwar kein Verbot – doch der Blasmusikverband des Landes Tirol weise explizit darauf hin, „auf das Spielen des Marsches aus Respekt vor den Opfern der NS-Zeit zu verzichten“. – Zitat.

Daß dieser vermaldedeite Nazi-Marsch lediglich nicht gespielt werden soll, ist natürlich eine riesige Schlamperei. Eigentlich sollte man doch annehmen, daß er unter das Verbot des Abspielens verfassungswidriger Tonfolgen fällt. 

Zitat: „Ein schöner Marsch“ – Zitatende.

Der antifaschistisch Geschulte weiß sich da zu helfen. Einer wie meinereiner also. Er denkt sich das „M“ einfach weg und stellt sich Beyonce vor. Mehr antifaschistische Schulung für alle! Aber erst nach der Traumatherapie für die Schockierten. 

Zitat: „Trotz allem entschieden sich nicht eine, sondern sogar zwei Blaskapellen dazu, das Stück am Sonntag aufzuführen.“ – Zitatende.

Wahnsinn, ein koordinierter Putsch der Blasmäuler! Ein Staatsstreich! REVOLUTION! ROLLBACK-BACKLASH! UMSTURZ! BLASERGREIFUNG!

Zitat: „Gegenüber Süddeutsche.de sagte der für die beiden Blaskapellen verantwortliche Obmann, dass „eine Empfehlung ja schließlich kein Verbot sei“. Der Marsch sei gespielt worden, „weil es ein schöner Marsch ist, und nicht, weil der Komponist eine Nazi-Vergangenheit habe“. – Zitatende.

Na ja, wer Märsche mag. Ich nicht. Allerdings fahre ich gerne Mercedes, weil das ein schönes Auto ist – und nicht, weil Hitler auch einen fuhr. Ist jetzt jemand schockiert? Soll ich die Seelsorge anrufen?

Zitat: „Ja, eine Empfehlung ist kein Verbot – ob es in Anbetracht der Sensibilität des Themas angebracht ist, sich über einen solchen Ratschlag hinwegzusetzen, ist jedoch fraglich.“ – Zitatende.

Wo ist denn das fraglich? Das ist überhaupt nicht fraglich. Das ist eine Quadratsauerei allerbraunsten Ranges! Die Sensibilität des Themas gebietet es, sich nicht hinwegzusetzen, sondern näher heranzurücken und dem Ratschlag aufmerksam zu lauschen! Aber hallo!

Ach so, ja: Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh. Und lustig ist das Zigeunerleben -faria-faria-ho.  Aber nur, wenn es keine pauschalisierenden Vorurteile sind. Wenn doch: SCHOCK!

Wandere aus, solange es noch geht!
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